Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band I (1990)Spalten 152-154 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

AMSDORF, Nikolaus von, luth. Theologe, * 3.12. 1483 in Torgau als Sohn eines Amtmanns, † 14.5. 1565 in Eisenach. - Sein Vater erwarb 1503 das Rittergut Groß-Zschepa bei Wurzen; seine Mutter war eine Schwester des Johannes von Staupitz, der 1503 Generalvikar der sächsischen Augustinerkongregation wurde. A. erhielt seine Schulbildung in Leipzig und begann 1500 dort auch sein Studium. 1502 zog er nach Wittenberg und war einer der ersten Studenten der neuen Universität. Seit 1507 lehrte er Philosophie und Theologie und wurde 1508 Domherr am Allerheiligenstift in Wittenberg. A. schloß sich 1517 Luther an und begleitete ihn 1519 nach Leipzig zur Disputation mit Dr. Johann Eck. Luther widmete 1520 seinem Freund die Schrift »An den christlichen Adel deutscher Nation: von des christlichen Standes Besserung«. A. begleitete Luther 1521 nach Worms zum Reichstag und war auf der Rückfahrt in der Nähe der Burg Altenstein Zeuge jenes Überfalls, der seinen Freund auf die Wartburg in Sicherheit brachte. Als Luther Anfang Dezember 1521 heimlich nach Wittenberg kam, um mit seinen Freunden über den Fortgang der Kirchenerneuerung zu beraten, beherbergte ihn A. einige Tage in seinem Haus. Er half Luther bei der Bibelübersetzung. 1524 wurde A. Pfarrer an St. Ulrich und Superintendent in Magdeburg, wo er den Gottesdienst nach dem Vorbild Wittenbergs ordnete und eine ev. Lateinschule gründete. Er führte 1528 und 1531 in Goslar und 1534 in Einbeck die Reformation durch und half 1539 auch Herzog Heinrich von Sachsen bei seinem Reformationswerk, besonders in Meißen. Johann Friedrich ernannte A. zum Nachfolger des am 6.1. 1541 verstorbenen Bischofs Philipp von Naumburg-Zeitz, nachdem der Kurfürst die durch das Domkapitel erfolgte Wahl des Prälaten Julius von Pflug verworfen hatte. Am 20.1. 1541 weihte ihn Luther im Naumburger Dom zum ersten evangelischen Bischof von Naumburg und führte ihn in sein Amt ein. A. reformierte das Stift, hatte aber keinen leichten Stand, da ihm das Domkapitel und der Stiftsadel viele Schwierigkeiten bereiteten. Im Schmalkaldischen Krieg mußte er 1547 aus seinem Bistum weichen, das nun Julius von Pflug in Besitz nahm. 1547-49 weilte A. in Weimar als Berater der Söhne des Kurfürsten Johann Friedrich, der in der Schlacht bei Mühlberg auf der Lochauer Heide am 24.4. 1547 gefangengenommen war. Als Gegner des Augsburger Interims mußte er nach Magdeburg, dem Hort des Widerstands, flüchten. A. wurde 1552 Generalsuperintendent in Eisenach und führte 1554 die erste große Kirchenvisitation in den ernestinischen und thüringischen Landen durch. - A. war Luthers vertrautester Freund und sah in der Reinerhaltung der luth. Lehre seine Lebensaufgabe. Den Gnesiolutheranern galt er nach Luthers Tod als der Elisa, den Elia zurückgelassen hatte, als der »zweite Luther«. A. haßte das Papsttum und lehnte entschieden ab, was in Lehre, Kultus und Verfassung an die römische Kirche erinnerte. Darum eiferte er gegen das Interim, den im Augsburger Reichstagsabschied vom 30.5. 1548 zum Reichsgesetz erhobenen Entwurf einer kirchlichen Neuregelung, die in der Lehre einfach die katholischen Anschauungen wiederherstellte und in den »Zeremonien« nur geringe Zugeständnisse machte bezüglich des Laienkelchs und der Fortdauer der Ehe verheirateter Priester, und auch dieses nur bis zum Konzil. Im Anschluß an das Augsburger Interim wurde für Kursachsen im Dezember 1548 das Leipziger Interim beschlossen und 1549 veröffentlicht, ein unter Philipp Melanchthons Verantwortung ausgearbeitetes Statut das in der Verfassung und den »Zeremonien« den Katholiken weit entgegenkam und um das der »erste adiaphoristische Streit« entbrannte. A. gehörte zu den Magdeburger Theologen, die unter der Führung des Matthias Flacius das Leipziger Interim und die »Adiaphoristen« bekämpften, die ohne Verletzung der Schrift den größten Teil der katholischen Kultusformen und Gebräuche als »Adiaphora« = Mitteldinge übernehmen zu können glaubten. A. betrieb eifrig die Gründung der Universität Jena, die 1548 eröffnet und im Gegensatz zu dem philippistischen Wittenberg die Hochburg des strengen Luthertums wurde. Auf seine Veranlassung veranstaltete man im Gegensatz zu der Wittenberger die Jenaer Ausgabe der Werke Luthers, zu der er die Vorrede schrieb. Während seiner Kirchenvisitation in den Thüringer Landen verlangte A. von dem Superintendenten Justus Menius, die Lehre des Georg Major von der Notwendigkeit der guten Werke zu verwerfen. Menius erklärte, gute Werke seien als Erweis des neuen Gehorsams notwendig. In dem majoristischen Streit ging A. so weit, daß er behauptete, gute Werke seien zur Seligkeit schädlich. Die Konkordienformel jedoch verwarf diesen Satz. In dem synergistischen Streit betonte A. gegen Johann Pfeffinger Luthers Lehre von der völligen Unfreiheit unseres Willens.

Werke: Ausgew. Schrr., hrsg. v. Otto Lerche, 1938.

Lit.: Melchior Hoffmann, Das N. A., der Magdeburger Pastor, ein lugenhafftiger, falscher nasengeist sey, offentlich bewiesen, Kiel 1528 (Faks.-Nachdr., hrsg. v. Gerhard Ficker, 1926); - Theodor Pressel, N. v. A., 1862; - Ernst Julius Meier, N. v. A., in: Das Leben der Altväter der luth. Kirche, hrsg. v. Moritz Meurer, III, 1863, 105 ff.; - P. C. Fischer, N. d'A. (Diss. Straßburg), 1863; - G. L. Schmidt, 3 Briefe A.s über das Interim, in: ZHTh 1868, 461 ff.; - Karl Eichhom, Amsdorfiana, in: ZKG 22, 1901, 605 ff.; - Walter Friedensburg, Gesch. der Univ. Wittenberg, 1917; - Gustav Wolf, Qu.kunde der dt. Ref.gesch. II/2, 1922, 12; - Heinrich Nebelsieck, Gutachten des N. v. A., einen Streit über die Seligkeit der ungetauft gestorbenen Kinder betreffend, in: ZGK PrSa 27, 1931, 59 ff.; - Schottenloher I, Nr. 474-490; V, Nr. 44799-44805; - Otto Henning Nebe, Reine Lehre. Zur Theol. des N. v. A., 1935; - Otto Lerche, A. u. Melanchthon, 1937; - Hans Stille, N. v. A. Sein Leben bis zu seiner Einweisung als Bisch. v. Naumburg, 1484-1542 (Diss. Leipzig), 1937; - Rudolf Herrmann, Thüring. KG II, 1947; - Ernst-Otto Reichert, A. u. das Interim. Erstausg. seiner Schrr. z. Interim mit Komm. u. hist. Einl. (Diss. Halle-Wittenberg), 1955; - Peter Brunner, N. v. A. als Bisch. v. Naumburg. Eine Unters. z. Gestalt des ev. Bisch.amtes in der Ref.zeit, 1961; - Jörg Erb, Die Wolke der Zeugen IV, 1963, 162 ff.; - Ders., Geduld u. Glaube der Hll., 1965, 170; - ADB I, 412 ff.; - NDB I, 261; - RE I, 464 ff.; XXIII, 37; - EKL I, 102 f.; - RGG I, 333 f.; - LThK I, 451.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

2005

David M. Whitford, From Speyer to Magdeburg. The development and maturation of a hybrid theory of resistance to tyranny, in: ARG 96.2005, S. 57-80;-

2006

Robert von Friedeburg, "Confusion" around the Magdeburg Confession and the making of "revolutionary early modern resistance theory", in: ARG 97.2006, S. 307-318

2007

David M. Whitford, Rejoinder to Robert von Friedeburg, in: ARG 98.2007, S. 301-303; -

2008

N.v.A. (1483-1565). Zwischen Reformation u. Politik. Hrsg. von Irene Dingel. Leipzig 2008; - Hiram Kümper, Das Glaubensverhör d. Jüdin Rahel im Juni 1554 durch N.v.A. als "Modus et forma judaei convertendi", in: ARG 99.2008, S. 120-138.

Letzte Änderung: 05.12.2008