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Band I (1990)Spalten 669-671 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

BOGATZKY, Karl Heinrich von, Erbauungsschriftsteller und Liederdichter, * 7.9. 1690 in Jankowe bei Militsch (Niederschlesien) als Sohn eines österreichischen Oberstleutnants aus über Ungarn eingewandertem polnischem Adelsgeschlecht, † 15.6. 1774 in Halle (Saale). - Schon als Kind führte B. ein inniges Gebetsleben. Mit 14 Jahren wurde er Page am herzoglichen Hof in Weißenfels und las dort während einer dreimonatigen Krankheit die ganze Bibel durch. Da er Offizier werden sollte, kam B. nach Breslau, um das Reiten zu lernen. Auf dringendes Bitten aber durfte er mit Erlaubnis des Vaters sich auf das Universitätsstudium vorbereiten und studierte seit 1713 in Jena die Rechte. B. besuchte 1714 August Hermann Francke in Halle, wo er zum lebendigen Glauben durchdrang und 1715 sein juristisches Studium fortsetzte. Um die Weihnachtszeit 1715 entschloß sich B. am Grab seiner Mutter zum Studium der Theologie. Seinem Vater gegenüber, der ihm in Österreich die Stelle eines Fähnrichs bei der Kavallerie verschafft hatte, blieb er in seinem Vorhaben fest, so daß der Vater den Verkehr mit ihm abbrach. Seit 1716 studierte B. Theologie. Wegen anhaltender Kränklichkeit konnte er kein Predigtamt übernehmen, sondern wirkte als treuer Zeuge Jesu auf seinen vielen Reisen in Schlesien, Böhmen und Sachsen durch Reden in Erbauungsstunden und durch private Seelsorge, besonders in den adeligen Kreisen. B. weilte zunächst auf dem Landgut seiner Tante bei Breslau, verbrachte aber die meiste Zeit in Glaucha (Schlesien), wo er sich 1726 mit seiner durch ihn bekehrten Base Barbara von Felß verheiratete, die bereits 1734 starb. Nun zog er zu seiner Schwester nach Breslau, dann nach Köstritz an den Hof des Grafen Reuß, 1740 nach Saalfeld an den Hof des Herzogs Christian Ernst und wohnte seit 1746 im Waisenhaus in Halle. - B.s Schriften zeichnen sich aus durch Glaubensgehalt und großen Reichtum geistlicher Erfahrung. Darum haben sie auch viel Segen gewirkt. Dichterische Begabung besaß er nicht. Die meisten seiner 411 Lieder sind gereimte fromme Gedanken und Betrachtungen, einige auch nur Nachbildungen älterer Kirchenlieder. Am bekanntesten ist sein Missionslied »Wach auf, du Geist der ersten Zeugen« (EKG 216) von 1750, das den Hallischen Missionsbestrebungen seinen Ursprung verdankt und dem der Dichter die Überschrift gab: »Um treue Arbeiter in die Ernte des Herrn, zur gesegneten Ausbreitung des Wortes in aller Welt.« Das Lied »O Vaterherz, o Licht, o Leben, o treuer Hirt Immanuel« mit der Überschrift »Christi treuväterliches Leiten und der Gläubigen kindliches Folgen« dichtete B. 1725, als er nach einer Badekur in Karlsbad sich zu seiner leiblichen und geistlichen Erholung drei Monate bei dem frommen Grafen Erdmann Heinrich Henkel in Pölzig aufhielt. Es erschien 1736 im ersten Teil der »Cöthnischen Lieder«. Aus seiner Sammlung »Die Übung der Gottseligkeit in allerlei geistlichen Liedern« von 1750 sei noch genannt: »Ich weiß von keinem andern Grunde, als den der Glaub in Christo hat« mit der Überschrift »Von der sanften Ruhe und göttlichen Kraft in Jesu Kreuzestod, Blut und Wunden«. Weiteste Verbreitung fand B.s 1718 in Breslau erschienene Sammlung ausgewählter Sprüche der Heiligen Schrift mit erbaulichen Anmerkungen und Versen. Als Beispiel sei der Reim zu Matth. 19, 20 erwähnt: »Denke nicht, du bist bekehret, weil du ja von Kindheit an / alles Gute gut genannt, unter Frommen bist erzogen / und dir vieles angewöhnt; oder weil dich jedermann / schon für gut passieren läßt. Das hat manchen schon betrogen / wie auch dieses, wenn man meint: so man einmal angefangen / oder doch beweget wird, o so sei schon alles gut. / Nein, du mußt auch hier zum Sieg und zum Durchbruch noch gelangen. / Die Bewegung macht es nicht; kämpfen mußt du bis aufs Blut.«

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Werke: Güldenes Schatzkästlein der Kinder Gottes, deren Schatz im Himmel ist, 1718 (192467); Das tägliche Hausbuch der Kinder Gottes, bestehend in erbaul. Betrachtungen u. Gebeten über die Sprüche des Güldenen Schatzkästleins, 2 Bde., 1748/49 (1839 bis 18425); Betrachtungen u. Gebete über das ganze NT, 1756-61; Die Übung der Gottseligkeit in allerlei geistl. Liedern, 1750 (17713). - Ausw. v. 150 seiner Lieder, hrsg. v. Johannes Claassen, 1888.

Lit.: B.s Lebenslauf, v. ihm selbst beschr., 1764, hrsg. v. Georg Christian Knapp, Halle 1801 (zuletzt 1872); - Karl Friedrich Ledderhose, Das Leben K. H. v. B., 1846; - E. Steffan, B.s Leben, 1854; - Koch IV, 468 ff.; - Albrecht Ritschl, Gesch. des Pietismus II, 1884, 480 ff. 530 ff.; - J. Kelly, The Life and Work of Ch. H. v. B., London 1889; - Walter Schulz, Reichssänger. Schlüssel z. dt. Reichsliederbuch, 1930, 23 ff.; - Götz v. Selle, Ostdt. Biogrr., 1955, Nr. 162; - Goedeke III, 208 ff.; - DLL I, 729; - ADB III, 37 ff.; - NDB II, 414 f.; - RE III, 279 f.; - RGG I, 1345; - LThK II, 557; - Hdb. z. EKG lI/1, 244 ff.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

2005

Jörg-Ulrich Fechner, C.H.v.B. (1690-1774), in: Interdisziplinäre Pietismusforschungen. Bd. 1. Halle 2005, S. 171-185.

Letzte Änderung: 09.04.2011