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Band I (1990)Spalten 893-895 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

CAMILLO de Lellis, Stifter der Kamillianer, Regularkleriker vom Krankendienst (Ordo Clericorum Regularium Ministrantium Infermis), Heiliger, * 25.5. 1550 in Bucchianico (Abruzzen) als Sohn eines Offiziers, † 14.7. 1614 in Rom. - C. verlor früh seine Eltern. 1569-74 nahm er im Dienst Venedigs an den Türkenkriegen teil, führte unter den Söldnern ein tolles Leben und war der Leidenschaft des Spielens ergeben. Dann trat er in den Dienst der Spanier. Bei einem furchtbaren Sturm konnten sich die Galeeren zwar in den Hafen von Neapel retten, waren aber so beschädigt, daß die Söldner entlassen werden mußten. G. vertrank und verspielte sein letztes Geld und alle seine Habseligkeiten. Nun zog er durch das Land und bettelte an den Kirchentüren. In seiner äußersten Not nahm er beim Bau des Kapuzinerklosters in Manfredonia die Arbeit eines Eseltreibers an. C. erlebte eine echte Bekehrung. Seine Sinnesänderung war so auffällig, daß die Kapuziner ihn als Postulanten aufnahmen. Doch schon nach wenigen Monaten mußte man ihn entlassen, weil seine alte Kriegswunde am Knöchel wieder aufbrach und ihn zu jedem Klosterdienst untauglich machte. Mühsam schleppte sich C. bis nach Rom, um im St. Jakobsspital, wo er schon einmal behandelt worden war, um Aufnahme zu bitten. Während die Wunde langsam vernarbte, leistete er Dienste als Krankenpfleger und stieg allmählich zum Spitalmeister auf. Ihm kam der Gedanke, mit gleichgesinnten Männern eine Gesellschaft zu gründen, deren Aufgabe es sein sollte, sich aus Liebe zu Gott und dem Nächsten den Kranken zu dienen. Um diesen Plan sicherer verwirklichen zu können, beschloß C., Priester zu werden. Mit 32 Jahren begann er, Latein zu lernen, studierte Theologie am Jesuitenkolleg in Rom und empfing am 10.6. 1584 die Priesterweihe. C. erhielt nun die Kaplanei des Kirchleins »La madonna dei miracoli«, nahe am Tiber. Hier entstand 1584 die Genossenschaft zur Ausübung einer sorgfältigen und liebevollen leiblichen und geistlichen Pflege und Betreuung der Kranken und Sterbenden in Spitälern und Privathäusern. Als ihm 1586 die Kaplanei an der Kirche »La Maddalena« mit einem großen Haus übertragen wurde, siedelte C. mit 15 Genossen dorthin über. Sixtus V. bestätigte 1586 die Kongregation, und Gregor XIV. erhob sie 1591 zu einem Orden und fügte den drei üblichen Gelübden als viertes die Krankenpflege auch in Zeiten der Pest hinzu. C. wurde zum 1. General der neuen Kongregation ernannt. Er führte bedeutsame Reformen in der Krankenseelsorge wie im Krankenhausbetrieb durch. Die Camillianer tragen auf dem Priesterkleid ein rotes Kreuz. Sie haben bei Pest- und Choleraseuchen Heldenhaftes geleistet. 1608 legte C. sein Generalat nieder und verbrachte die weitere Zeit seines Lebens in verschiedenen Häusern und Spitälern seines Ordens. Bei seinem Tod gab es 300 Regularkleriker vom Krankendienst in 16 Städten Italiens. Benedikt XIV. sprach C. am 17.4. 1742 selig und am 29.6. 1746 heilig. Leo XIII. erhob ihn 1886 zum Patron der Kranken und Spitäler und Pius XI. am 28.8. 1930 auch zum Patron der Krankenpfleger. Sein Fest ist der 18. (im Orden der 15.) Juli.

Lit.: Sanzio Cicatelli, vita del P. C. di L., fondatore della religione de chierici Regolari, ministri de gli infermi, Viterbo 1615, Rom 1624; - H. Regi, Memorie historiche del P. C. di L., Neapel 1676; - Camill Guardi, Lebensgesch. des hl. C. v. L., Stifters der Regularkleriker v. Krankendienste. Aus dem It. übers. v. einem Priester des Bist. Breslau, 1858; - Wilhelm Bäumker, Der hl. C. u. sein Orden, 1887; - A. Zimmermann, Der hl. C., 1887; - M. Amici, Memorie storiche di S. C. de L., Rom 1913; - Wilhelm Wiesen, K. v. L. u. sein Werk, 1921; - Mario Vanti, Il Padre C. Cesare Bresciani dei Ministri degl' Infermi, Padua 1921; - Ders., S. C. de L. Dai processi canonici e da documenti inediti, Turin 1929; - Ders., S. C. de L. e i suoi Ministri degit Infermi, Rom 1929 (19642); - Ders., Lo Spirito di S. C. de L., ebd. 19593 (mit frz. u. span. übers.); - C. Oldmeadow, The first Red Cross (C. de L.), London 1923; - Robert Svoboda, Der hl. K., Freiburg/Schweiz 1931; - Ders., Held u. Hl. vor der Not. Der hl. K. v. L., Linz 19475; - Ders., Ein Held der Caritas, 1947; - D. Cesarini, I pionieri della Croce Rossa, Rom 1932; - Michael Fischer, Der hl. K., 1935; - A. Pazzini, I santi nella storia della medicina, Rom 1937, 502 ff.; - G. Sommaruga, S. C. de L., Mailand 1945; - Cyril Charles Martindale, Life of St. C., New York 1946; - P. Alain, S. C. de L. L'épopée de la première Croix rouge, Paris 1946; - Ordini e Congregazioni religiose, hrsg. v. M. Escobar, I, 1951, 825 ff.; - Maria Kreitner, Hll. um uns, Wien 1956, 67 f.; - Hans Hümmeler, Helden u. Hll., 1959 (501. bis 510. Tsd.), 356 ff.; - Wilhelm Hünermann, K. v. L. Kreuzritter der Barmherzigkeit, in: Ders., Der endlose Chor. Ein Buch v. den Hll. f. das christl. Haus, 19608, 406 ff.; - Hilde Firtel, K., der Hl. v. roten Kreuz, Freiburg/Schweiz 1960; - Diss., C. de L., in: Die Hll. in ihrer Zeit, hrsg. v. Peter Manns, II, 19662, 255 ff.; -Bibliotheca Sanctorum III, Rom 1963, 707 ff.; - Domenico Mondrone, Scritti di san C. de L. a cura del padre Mario Vanti, in: La civiltà cattolica 117, Rom 1966, 268 ff.; - Heimbucher II, 114 ff.; - Wimmer3 316; - Torsy 301; - EItal VIII, 541 f.; - Réau III, 256 f.; - VSB VII, 424 ff.; - DHGE XI, 604 f.; - EC III, 438 f.; - LThK II, 905 f.; - ODCC 223; - RGG III, 1104 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 27.06.2008