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Band XXIII (2004) Spalten 264-266 Autor: Gunnar Anger

DEWALD, Hubert, katholischer Priester und theologischer Schriftsteller, veranlaßte die Gründung des Fußballvereins "Borussia Dortmund", * 15.11. 1882 in Wanne, † 15.10. 1918 in Anröchte. Nach dem Abitur zu Ostern 1902 auf dem Gymnasium Petrinum in Recklinghausen studierte der Sohn eines Lokomotivführers katholische Theologie in Paderborn und Freiburg. Am 6.4. 1906 wurde er in Paderborn zum Priester geweiht. Am 23.4. 1906 wurde er Kaplan an der Dortmunder Dreifaltigkeitskirche, die am Dreifaltigkeitssonntag 1900 vom Paderborner Weihbischof Gockel konsekriert worden war. 1909 kam es innerhalb der von ihm geleiteten Jünglingssodalität der Gemeinde zu einem folgenreichen Konflikt mit einigen fußballbegeisterten Jugendlichen. Dewald predigte von der Kanzel gegen das "rohe" und "wilde Treiben" beim Fußballspiel. Außerdem verpflichtete er die Jugendlichen zum Besuch einer Andacht am Sonntagnachmittag, so daß erst danach Fußball gespielt werden konnte. Die jugendlichen Fußballer sahen sich dadurch an der Entfaltung ihres Sports gehindert. Als er von ihnen verlangte, nicht mehr das Wirtshaus "Zum Wildschütz" zu besuchen und ihre Treffen stattdessen im Pius-Gemeindehaus abzuhalten, kam es schließlich zum Bruch: Im "Wildschütz" riefen am 19.12. 1909, dem vierten Adventssonntag, achtzehn junge Männer aus Protest gegen ihren Kaplan den "Ballspielverein Borussia" (BVB) ins Leben. Dies hatte u.a. zur Konsequenz, daß sie aus der Jünglingssodalität der Dreifaltigkeitsgemeinde ausgeschlossen wurden. Nach fast elf Jahren verließ Dewald seine Wirkungsstätte in Dortmund und wurde am 10.4. 1917 Vikar in Anröchte an der Seite von Pfarrer Berhorst (1839-1926). Hier starb er am 15.10. 1918 nach kurzem schweren Leiden im Alter von fast 36 Jahren. Das "Westfälische Volksblatt" urteilte über ihn anläßlich seines Todes: "Tiefe Frömmigkeit, ideale Berufsauffassung und hervorragende Begabung zeichneten ihn aus. Großes leistete er auf dem Gebiete der Jugendpflege als Präses und Bezirkspräses in den Jünglings-Sodalitäten der Stadt Dortmund. Nicht minder liebevoll und eifrig war er bei den Kleinen in der Schule." Die Dortmunder Tageszeitung "Tremonia" schrieb in ihrem Nekrolog: "Die Diözese hat an ihm außerordentlich viel verloren. Nach dem einstimmigen Urteil aller, die ihn gekannt, war er mit außergewöhnlichen Geistesgaben ausgestattet. Seine Gedankentiefe in allem, was er gesprochen in Predigt, Katechese und Vortrag und was er geschrieben, war geradezu hervorragend. Wenn er auf einer Konferenz das Wort ergriff, er traf das Richtige. Sein Bischof hat ihn hochgeschätzt. Das Referat, das er hielt auf der Diözesankonferenz der Jugendvereine in Paderborn, wurde von seinem Oberhirten telegraphisch eingefordert. Mehrfach hat er auch als Schriftsteller sich betätigt. Sein vielleicht wertvollstes und sicher vielbegehrtes Buch 'Einführung eines Konvertiten in das katholische Glaubensleben' befindet sich noch unter der Presse. Er hat sich daran nicht mehr freuen können. Die Dreifaltigkeitsgemeinde, deren innere Entwicklung mit zum guten Teil sein Werk ist, kann ihn nicht vergessen. Dortmunds gesamte kath. Jugend auch sicher nicht." Das hier genannte Buch wurde unter einem leicht veränderten Titel posthum von seinem Freund Hermann Klens (1880-1972) herausgegeben. Dewald wurde beerdigt am 21.10. 1918 auf dem Friedhof der Liebfrauenkirche in Gelsenkirchen.

Werke: Des Kindes Gnadentag. Ein Büchlein für die Kommunion-Kinder. Dortmund 1911. (Neubearbeitung mit Gemeinschaftsmesse von Pfarrer Heinrich Kalthoff. Dortmund 1934); An der Quelle der Gnaden. Kommunionandachten für jeden Monat des Jahres. Dortmund 1914; Einführung in das kath. Glaubensleben. Mit einem Anhang für Konvertiten. Nach dem Tode des Verfassers hrsg. v. Hermann Klens. Paderborn 1920, 41922, 51930.

Lit.: Kaplan Dewald †, in: Tremonia Nr. 292, 22.10.1918; - Vikar Hubert Dewald †, in: Westfälisches Volksblatt Nr. 290, 24.10.1918, 3; - Wilhelm Liese, Necrologium Paderbornense. Totenbuch Paderborner Priester (1822-1930). Paderborn 1934. 157; - Dreifaltigkeits-Gemeinde feiert mit Gottesdiensten u. Fußball. Kirche besteht 75 Jahre, in: Ruhr-Nachrichten / Dortmunder Zeitung Nr. 111, 15.5.1975; - Im "Versöhnungsspiel" schlug Borussia das Gemeinde-Team, in: ebd. Nr. 121, 28.5.1975; - Siegfried Gehrmann, Von der Straßenmannschaft u. Jünglingssodalität zum Spitzenclub: "Schalke" u. "Borussia", in: Bernd Faulenbach (Hrsg.), Eine Partei in ihrer Region. Zur Gesch. der SPD im westlichen Westfalen. Essen 1988. 50-55, hier 53f.; - Freddie Röckenhaus, Alles über Borussia! 365 trickreiche Fragen für echte BVB-Fans. Frankfurt a. M. 1993. 9f. [hier irrtümlich als "Pfarrer" und "Pater" Dewald]; - Dietrich Schulze-Marmeling/Werner Steffen, Borussia Dortmund. Der Ruhm, der Traum u. das Geld. Göttingen 1994. 31f., 54-57; - Dies., Und du stehst immer wieder auf. Die Gesch. von Borussia Dortmund. Göttingen 1998. 30, 65-68; - Dies., Die Gesch. von Borussia Dortmund. Göttingen 2002. 24f., 59-62; - Alfred Heymann, Die Gesch. des Fußballs in Dortmund, in: Heimat Dortmund H. 1/1998, 8-12, hier 8; - Dietrich Schulze-Marmeling, Das Borussia Dortmund Lexikon. Göttingen 2002. 82.

Gunnar Anger

Literaturergänzung:

Odorich Heinz, Rez.: H. Dewald, An der Quelle der Gnaden. Dortmund 1914. In: Allgemeine Rdsch. 11 (1914) 488; - Karl Kammer, Rez.: H. Dewald, Einführung in das kath. Glaubensleben. Mit einem Anhang für Konvertiten. Nach dem Tode des Verfassers hrsg. v. Hermann Klens. Paderborn 1920. In: Pastor bonus 33 (1920/21) 158.

Gunnar Anger

Letzte Änderung: 26.08.2006