EICHHORN, Johann Gottfried, Theologe, * 16.10. 1752 als Pfarrerssohn in Dörrenzimmem bei Künzelsau (Fürstentum Hohenlohe Öhringen), † 27.6. 1827 in Göttingen. - E. besuchte die Stadtschule in Weikersheim, wo sein Vater als Superintendent wirkte, und von 1767 an das Gymnasium in Heilbronn. Seit 1770 studierte er in Göttingen Theologie und widmete sich als Schüler des Johann David Michaelis und des klassischen Philologen Christian Gottlob Heyne dem Studium der orientalischen Sprachen, auch der alten und neuen Geschichte und der Literaturwissenschaft. E. wurde 1774 Rektor am Gymnasium in Ohrdruf bei Gotha, 1775 Professor der orientalischen Sprachen an der Universität Jena und 1788 Professor der Philosophie in Göttingen. - E. ist nächst Johann Salomo Semler der eigentliche Begründer der neueren Wissenschaft einer historisch-kritischen Einleitung in die Heilige Schrift. Als erster hat er die Berechtigung der Pentateuchkritik des Jean Astruc erkannt und diese durch selbständige Forschung und Quellenscheidung der Genesis weitergeführt. Mit Johann Gottfried Herder hat er das Verdienst, in weiten Kreisen die Liebe zu den alttestamentlichen Schriften und den Eifer zu ihrer Erforschung geweckt zu haben.
Werke: Urgesch., 1779 (anonym im 4. Tl. seines Repertoriums), neu hrsg. v. Johann Philipp Gabler mit Anm., 1791-93; Hist.krit. Einl. ins AT, 3 Bde., 1780-83 (5 Bde., 1823-264; das älteste dt. Einl.werk der hist. Kritik); Einl. in die apokryph. Schrr. des AT, 1795; Allg. Gesch. der Kultur u. Lit. des neueren Europa (= I. u. II. der nach seinem Plan groß angelegten "Gesch. der Künste u. Wiss.en seit der Wiederherstellung derselben bis an das Ende des 18. Jh.s"), 1796 ff.; Die Frz. Rev. in einer geschichtl. Übersicht, 2 Bde., 1797; Metr. Übers, des Buches Hiob, 1800 (1824
2); Weltgesch., 5 Bde., 1801-14; Gesch. der 3 letzten Jhh., 6 Tle., 1803/04; Einl. in das NT, 2 Tle., 1804-12 (5 Bde., 1820-27
2; vertrat darin die längst aufgegebene Hypothese eines aram. geschr. Urev.); Gesch. der Lit. v. ihrem Ursprunge bis auf die neuesten Zeiten, 5 Bde., 1805 ff.; Die hebr. Propheten, 3 Bde., 1816-19.
Gab heraus: Repertorium f. bibl. u. morgenländ. Lit., 18 Bde., 1777-86; Allg. Bibl. der bibl. Lit., 10 Bde., 1787-1803; GGA, 1813 ff.
Lit.: Jakob Christoph Friedrich Saalfeld, Gesch. der Univ. Göttingen v. 1788-1820, 1820, 332 ff.; - Ludwig Diestel, Gesch. des AT in der christl. Kirche, 1869; - Christian Hartlich - Walter Sachs, Der Ursprung des Mythosbegriffes in der modernen Bibelwiss., 1952, 20 ff.; - Hans-Joachim Kraus, Gesch. der hist.krit. Erforsch. des AT v. der Ref. bis z. Gegenw., 1956, 120 ff. (19692); - Eberhard Sehmsdorf, Die Prophetenausl. bei J. G. E. (Diss. Marburg, 1967), Göttingen 1971 (Rez. v. J. M. Myers, in: Catholic biblical quarterly 34, Washington DC. 1972, 112 f.; v. Martin J. Buss, in: Journal of biblical literature 92, New York 1973, 296 ff.); - ADB V, 731 ff.; - NDB IV, 377 f.; - RE V, 234 ff.; - RGG II, 345 f.; - LThK III.
Letzte Änderung: 09.04.2011