ENGELS, Jakob Gerhard, Pfarrer, Vertreter des niederrheinischen Pietismus, * 5.10. 1826 als Pfarrerssohn in Inden bei Jülich, † 16.2. 1897 in Nümbrecht bei Siegburg. - E. stammte aus einem alten adeligen Hugenottengeschlecht, dessen Ahnherr um des Glaubens willen Südfrankreich verlassen hatte und über Holland nach Kettwig an der Ruhr gekommen war, wo er sein altes Gewerbe, die Tuchfabrikation, ausübte. E. stammte auch aus einem alten Pfarrergeschlecht, das mit dem Sohn des Ahnherrn begann und sieben Generationen hindurch in den reformierten Gemeinden am Niederrhein und im Bergischen Land vertreten war. E. verlebte seine Kindheit und Schulzeit in Köln, wo sein Vater seit 1829 Pfarrer an der Antoniterkirche war, studierte 1844 in Berlin ein Semester Philosophie und wandte sich dann in Bonn der Theologie zu. Von Juni bis August 1849 war er Vikar in Kaiserswerth am Rhein und vollzog in diesem Jahr seine entscheidende Übergabe an den Herrn Jesus und seinen Dienst. E. trat in Köln als Freiwilliger in den Militärdienst ein, widmete aber seine Freizeit der Mitarbeit in dem Kölner Jünglingsverein. Ende 1851 wurde E. Pfarrer in der weiträumigen Landgemeinde Nümbrecht im Oberbergischen Kreis. Er begann seine Wirksamkeit in einer Zeit, da die sozialen und sittlichen Verhältnisse im Bergischen Land ein trauriges Bild boten und das geistliche Leben in den Gemeinden unter dem Bann des Rationalismus weithin erstorben war trotz der noch vorhandenen und stark ausgeprägten kirchlichen Sitte. E. gründete einen Armenverein und bemühte sich, die Bettelei auszurotten. Er machte viele Haus- und vor allem Krankenbesuche und wanderte unermüdlich über die Berge zu Bibelstunden und Versammlungen in den einzelnen Höfen. In allen Streitigkeiten und Prozessen suchte er zu vermitteln. Der Wirtshausbesuch nahm ab, und die Sonntagsarbeit hörte allmählich auf. E. fand Mitarbeiter an den Gemeindegliedern, die wegen der in Nümbrecht fehlenden Erwerbsmöglichkeiten im Sommer als Maurer im Wuppertal arbeiteten; sie kamen mit dem dortigen Glaubens- und Erweckungsleben in Berührung und brachten geistliche Anregungen in die Heimat mit. 1877 durfte E. in seiner Gemeinde eine große Erweckung erleben. Er blieb unverheiratet und seiner Gemeinde treu trotz mancher Berufungen in andere Gemeinden. E. war eine gottgeheiligte Persönlichkeit und ein geistesmächtiger Prediger, von dem Ströme des Segens in die Gemeinden des Oberbergischen Landes ausgegangen sind. - Als Otto Funcke 1862 in dem drei Stunden von Nümbrecht entfernten Holpe bei Waldbröl Pfarrer wurde, schloß E. mit ihm innige Freundschaft: »Laß uns beide das Netz zusammen ziehen! « Funcke schreibt von seinem Freund und Amtsbruder: »Ich habe keinen Menschen gekannt, in dem Jesus so sichtlich eine Gestalt gewonnen, nie einen Menschen, aus dem heraus Jesus mich so angeatmet hätte.«
Lit.: Ludwig Tiesmeyer, Die Erweckungsbewegung in Dtld. während des XIX. Jh.s, H. 2, 1902, 168 ff.; - Friedrich Augé, J. G. E. Ein Lb. Ein Btr. z. Gesch. des christl. Lebens m der rhein. Kirche, 1902; - Wilhelm Haarbeck, Jesus u. die Ewigkeit. Charakterbild u. Zeugnisse des Pastors J. E., 1903; - D. Lang, P. J. E. in Nümbrecht, in: RKZ 76, 1926, 338 ff.; - Ernst Buddeberg, J. G. E., ein Ewigkeitsmensch, 1929; - Heinrich Schlosser u. Wilhelm Neuser, Die Ev. Kirche in Nassau-Oranien 1530-1930, I, 1931, 385 f.; - Arno Pagel, J. G. E. Von der Macht eines wahren Jüngers Jesu, 1951; - Ders., J. G. E. Ein echter Jünger Jesu, in: Die Jugendhilfe 49, 1951, 204 ff. 210. 228 ff.; - Ders., J. G. E. Der Knecht des Herrn im Oberberg., in: Menschen vor Gott, hrsg. v. Alfred Ringwald, II, 1958, 200 f.; - Friedrich Hauß, Väter der Christenheit II, 1957, 190 ff.; - NDB IV, 528 f.