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Band II (1990)Spalten 80-81 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

FRANCK, Michael, Kirchenliederdichter und Komponist, * 16.3. 1609 in Schleusingen (Thüringen) als Sohn eines Handelsmannes und Ratsmitglieds, † 24.9. 1667 in Coburg. - Als F.s Vater 1622 auf dem Sterbebett lag, bestimmte er, daß wegen der geringen Mittel von seinen fünf Söhnen nur der älteste, Sebastian, und der jüngste, Peter, studieren sollten. F. kam 1625 zu einem Bäcker in Coburg in die Lehre und erwarb sich in Schleusingen das Meisterrecht, verarmte aber ganz wegen nächtlicher Diebstähle und Plünderungen seines Hauses, so daß er 1640 mit Frau und Kind auswanderte. F. fand bei einem Bäcker in Coburg Arbeit und Unterkunft und widmete sich am Feierabend und an den Sonntagen den Wissenschaften und der Dicht- und Tonkunst. Er wurde 1644 Lehrer an der Stadtschule in Coburg. Der bekannte Pfarrer und Liederdichter Johann Rist (s. d.) krönte ihn 1659 als Kaiserlicher Pfalzgraf mit dem Dichterlorbeer und nahm ihn später in seinen "Elbschwanorden" unter dem Namen "Staurophilus" auf. - Von F. stammen Text und Weise des Liedes "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben!" (EKG 327). Das Lied erschien 1650 auf einem fliegenden Blatt und fand eine Verbreitung, wie es keinem Lied Paul Gerhardts zu seiner Zeit beschieden war. Das Lied hatte darum einen solchen Erfolg, weil es die Stimmung wiedergab, die nach dem Menschenalter des furchtbaren Krieges unser Volk erfüllte. Es wurde in Nürnberg, Augsburg, Hof, Erfurt und anderswo nachgedruckt. Johann Sebastian Bach (s. d.) hat zu diesem Lied eine Kantate geschrieben. Von F.s Liedern sind ferner bekannt: "Sei Gott getreu, halt seinen Bund, o Mensch, in deinem Leben" und "Was mich auf dieser Welt betrübt, das währt nur kurze Zeit".

Werke: Das alte sichere u. in Sünden schlafende Teutschland (gereimte Gesch. des 30j. Krieges u. seiner eigenen Schicksale), Coburg 1651; Geistl. Harfenspiel (mit 36 Liedern u. eigens dazu v. ihm gefertigten 4st., v. einem Generalbaß begleiteten Melodien), ebd. 1657; Geistl. Lieder erstes Zwölf (in Noten mit 4 St.), ebd. 1662.

Lit.: Johann Caspar Wetzel, Hymnopoeographia oder Hist. Lebensbeschreibung der berühmtesten Liederdichter I, Herrnstadt 1719, 276 ff.; - Unschuldige Nachrr. 6. Btr., Leipzig 1725, 904 ff.; - Heinrich Cornelius, Schleusinger Dichterbrüder, Sebastian, M. u. Peter F., in: Schrr. des Henneberg. Gesch.ver. 4, 1914, 3 ff.; - Ders., Sebastian, M. u. Peter F. Die Thüringer Dichterbrüder u. ihre Werke, in: Siona 14, 1915, 85 ff.; - Th. Linschmann, Die Dichterbrüder Sebastian, M. u. Peter F., in: MGkK 1918, 29 ff.; - Friedrich Wilhelm Bautz, ... u. lobten Gott um Mitternacht. Liederdichter in Not u. Anfechtung, 1966, 48 ff.; - v.Winterfeld II, 473 ff.; - Koch III, 435 ff.; IV, 115; - Kümmerle I, 424 f.; - Fischer-Tümpel IV, 218 ff.; - Hdb. z. EKG II/1, 167 f.; - Eitner IV, 57; - Blume 162; - Kosch, LL I, 539; - Goedeke III, 177; - ADB VII, 259 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 31.07.2009