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Band II (1990)Spalten 93-94 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

FRANKENBERG, Johann Heinrich Graf von, kath. Theologe, * 18.9. 1726 in Großglogau (Schlesien), † 11.6. 1804 in Breda (Holland). - F. besuchte das Jesuitenkollegium seiner Vaterstadt und studierte Philosophie an der Universität Breslau und Theologie im "Collegium Germanicum" in Rom. Er wurde 1750 Koadjutor des Erzbischofs von Görz (Österreich), 1754 Stiftsdekan in Prag, 1755 Dekan in Bunzlau, am 20.1. 1759 Erzbischof von Mecheln und damit Primas von Belgien, das damals zu Österreich gehörte, aber 1794 französisch wurde, und am 1.6. 1778 Kardinal. - F. war ein entschiedener Gegner der kirchlichen Reformpläne Josephs II. Der Kaiser hob die bischöflichen Seminare auf und errichtete 1786 als einzige anerkannte Ausbildungsstätte für den belgischen katholischen Klerus das staatliche Generalseminar in Löwen. F. protestierte dagegen, wandte sich aber vergeblich an Joseph II. Als Unruhen unter den Seminaristen in Löwen das Seminar auflösten, wurde der Erzbischof 1787 zur Verantwortung nach Wien geladen, aber mit Rücksicht auf die gespannte Lage in Belgien nach kurzer Haft entlassen. F. setzte den Kampf gegen das aufs neue eröffnete Generalseminar in Löwen fort, dessen theologischen Unterricht er nach eingehender Prüfung in kaiserlichem Auftrag 1789 als nicht orthodox erklärte. Als wegen der kirchlichen Reformpolitik Josephs II. 1790 ein allgemeiner Aufstand in Belgien ausbrach, bezeichnete der Minister Graf Trautmannsdorf F. als Haupt einer Verschwörung und befahl ihm, das Kreuz des Stephansordens und das Dekret seiner Ernennung zum Staatsrat einzusenden. F. appellierte an Joseph II.; der Kaiser aber starb, ehe ihn der Brief des Erzbischofs erreichte. Auch der Französischen Revolution leistete F. mutigen Widerstand und wurde darum 1797 zur Deportation verurteilt. Er lebte zunächst in Emmerich, dann in Borken und ging nach seiner Ausweisung aus Preußen nach Breda.

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Werke: Denkschrr. im Recueil des représentations, protestations et réclamations faites à S. M. Joseph par les représentants et états des Pays-Bas autrichiens, 1787-90.

Lit.: Augustin Theiner, Der Kard. F. u. sein Kampf um die Freiheit der Kirche, 1850; - Arthur Verhaegen, Le Cardinal de F., Lilie 1890; - L. Deplace, Joseph II et la révolution brabançonne, Brügge 1891; - Henri Pirenne, Histoire de Belgique V. VI, Brüssel 19265; - Hermann Hoffmann, Glogauer Bisch., 1927, 19 ff.; - Ders., J. H. Gf. v. F., in: Schles. Lb. IV, 1931, 191 ff.; - Léon van der Essen, L'Université de Louvain 1425-1940, Brüssel 1945; - C. de Clercq, in: SE 10, 1958, 298 ff.; - Kosch, KD 815; - Wurzbach IV, 330 ff.; - ADB VII, 270 f.; - NDB V, 349 f.; - DHGE XVII, 963 ff.; - LThK IV, 251; - NCE VI, 76; - RE VI, 165 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 09.04.2011