Verlag Traugott Bautz |
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FREY, Arthur, Nationalökonom und kirchlicher Publizist, * 19. August 1897 in Winterberg (Gem. Lindau ZH) als Sohn des Rudolf Frey, † am 7. November 1955 in Zollikon. - Schulen Töss und Winterthur, Handelsschule in La Neuveville, ab 1917 Studium der Nationalökonomie in Zürich. 1921 Promotion mit einer Arbeit über das schweizerische Versorgungswesen im Ersten Weltkrieg. Mitglied der Demokratischen Partei und 1922 Redaktion des Thurgauer Tagblattes in Weinfelden. 1924 Heirat mit Martha Maag, fünf Kinder. 1931 freiwilliger Mitarbeiter in der Geschäftsstelle des Evangelischen Pressedienstes (EPD) in Zürich, 1933 alleinige redaktionelle Verantwortung. Unter Einfluss seines Lehrers Fritz Fleiner beschäftigte sich F. mit Fragen des Verhältnisses von Kirche und Staat. 1938-39 Präsident des Zürcher Pressevereins. F. setzte sich mit Vehemenz für die demokratischen Rechte und besonders die Pressefreiheit ein. 1941 wurden Abschnitte aus seiner Schrift "Der rechte Staat" von der Eidgenössischen Pressenzensur als politisch gefährlich eingestuft und verboten. - Von 1941 bis zu seinem Tod war F. Verwaltungsratspräsident des Evangelischen Verlags Zollikon. 1943 wurde er in die Synode der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich gewählt. 1946 forderte er in der Synode vergeblich den Ausschluss zweier rechtspatriotischer Synodalen, die die sogenannte "Eingabe der Zweihundert" unterschrieben hatten, unter ihnen auch der Pfarrer der Schweizerischen Anstalt für Epilepsie, Rudolf Grob. Darin wurde der Bundesrat aufgefordert, mit rigoroser Pressezensur gegen die deutschlandkritischen Journalisten vorzugehen, um die freundschaftlichen Beziehungen zum NS-Staat nicht zu gefährden, ein Ansinnen, das diametral gegen Freys Überzeugungen stand. 1944 Mitglied der sozialen Kommission des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. 1947 Wahl als Kandidat der Demokratischen Partei in den Zürcher Kantonsrat als Nachfolger seines Parteikollegen, Oberrichter Max Wolff. F. versuchte in seiner politsichen Tätigkeit, eine Brücke zwischen der Politik und der Kirche zu schlagen. In der Debatte über die Tätigkeit der Jesuiten im September 1953 nahm F. dezidiert gegen diese und ihr seiner Meinung nach illegales Wirken in der Schweiz Stellung. Seine konfessionelle Intoleranz und Polemik gegenüber Katholiken beeinflusste auch seine Stellungnahme in der Diskussion über die Einführung eines neues Zürcher Volksschulgesetzes, in der er sich für die religiös neutrale Staatsschule stark machte. In den Diskussionen um das neue Kirchengesetz setzte sich F. für eine möglichst grosse Selbständigkeit der Kirche im Gegenüber zum Staat auf dem Prinzip des demokratischen Gemeindeaufbaus ein. Früh befürwortete er das Stimmrecht für Frauen und Ausländer in der Kirche. - F. verfasste mehrere Schriften zum deutschen Kirchenkampf zur Zeit des Nationalsozialismus und dessen Bedeutung für die Schweiz. In einer christuszentrierten und bekenntnisgebundenen Kirche sah F. die grösste Widerstandskraft gegen die zeitgenössischen politischen Totalitarismen. Ganz im Sinne von Karl Barth schreibt F.: "Das Bekenntnis zu Christus bedeutet immer Widerstand gegenüber dem Glauben an den Menschen und seine Macht" (Der Kampf der evangelischen Kirche in Deutschland, S. 192). Als eine der wenigen Schweizer Stimmen erkannte F. die theologische und ökumenische Bedeutung der Barmer Theologischen Erklärung von 1934. - Im EPD wurde eine umfangreiche Dokumentensammlung über den Kirchenkampf in Deutschland angelegt. Somit wurde der EPD unter der Leitung von F. nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland und der weltweiten Ökumene zu einem bedeutenden Informations- und Presseorgan über die Vorgänge in den deutschen Kirchen. - Seit 1938 edierte F. in der Evangelischen Buchhandlung Zollikon die Kirchliche Dogmatik Karl Barths. Daraus erwuchs eine innige, bis zum Tode andauernde Freundschaft und theologische Weggefährtenschaft. - Nach einem längeren Krebsleiden starb F. am 7. November 1955, die Trauerrede am 10. November 1955 in der Reformierten Kirche in Zollikon hielt Karl Barth. Sein Nachfolger im EPD wurde Prof. Max Geiger.
Lit.: Bonjour, Edgar, Geschichte der Schweizerischen Neutralität, Bd. IV: 1939-1945, Basel/Stuttgart 1970; - Herkenrath, Erland, Die Freiheit des Wortes. Auseinandersetzungen zwischen Vertretern des schweizerischen Protestantismus und den Zensurbehörden während des zweiten Weltkriegs, Zürich 1972; - Raaflaub, Beat, Kirchlicher Mahnruf in kritischer Zeit. Der Schweizerische Evangelische Pressedienst 1928-1955, Bern/Frankfurt/Las Vegas 1977; - HLS 4, 806
Rudolf Gebhard
Literaturergänzung:
2010
Frank Jehle, Karl Barth u.d. Publizist A.F. Zur Geschichte e. Freundschaft, in: Karl Barth im europ. Zeitgeschehen (1935-1950). Zürich 2010, S. 213-228.
Letzte Änderung: 09.04.2011