Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band XV (1999)Spalte 607 Autor: Ekkart Sauser

GENESIUS von Rom: Märtyrer, gest. 286 in Rom(?), Fest: 25.8. - Nach Theofried Baumeister dürfte G. ein. »echter Märtyrer« gewesen sein, »über den man sonst nichts wußte«. »Nach östlichen Modellen« entstand dann aus ihm ein dümmlicher Schauspieler am Hofe des Christenverfolgers Diokletian, der in seinen Auftritten immer wieder die Christen verspottete. Die Legende erzählt, daß G. während eines solchen Auftrittes plötzlich das Antlitz Christi gesehen haben soll. Auf Grund dieser Erscheinung ließ er sich taufen und empfing das Martyrium durch Enthauptung. - Es gibt aber auch den früh bezeugten Märtyrer Genesius von Arles. - Baumeister folgert nun: »Der gemeinsame Festtag (2. August) läßt auch daran denken, daß der römische Kult ursprünglich dem Märtyrer Genesius in Arles gegolten haben könnte.« Im 9. Jh. entstand in Schienen am Bodensee ein Genesius-Kloster. Dieses ist wohl die einzige Genesius-Kultstätte nördlich der Alpen. In Schienen finden sich auch Reliquien des G. - In der Kunst wird er dargestellt als Jüngling, mit Saiteninstrument, Masken und Taufstein. Er ist Patron der Bühnenkünstler, Schauspieler, Musiker, Tänzer und Spielleute.

Lit.: LThK3 Bd. 4, Sp. 455 (Th. Baumeister); - BHL 3304-10, 3315-26 mit NSuppl.; - S. Cavallin: S. Genes le notaire: Eranos 43 (1945) 150-175; - BiblSS 6, 115 ff., 121-125; - DHGE 20, 408 ff., 414 ff.; - V. Schauber: Pattloch Namenstagskalender, H. M. Schindler: Dokumentation, Augsburg 1994, 247.

Ekkart Sauser

Textanmerkungen:

In den zwanziger Jahren des 9. Jahrhunderts wurde eine Handschrift im Kloster Reichenau niedergeschrieben, die den Titel „Commemoratio brevis de miraculis s. Genesii martyris Christ“ trug. Die Geschichte erzählt, wie Gebhard Graf von Treviso Wundergeschichten über die Heiligen Genesius und Eugenius durch Händler aus dem Heiligen Land vernahm. Daraufhin schickte er die Händler mit Geschenken für den dortigen Bischof nach Jerusalem zurück. Sie sollten den Bischof fragen, ob der Graf die Körper der Heiligen erstehen könne. Nachdem die Händler in Jerusalem ankamen, ihre Geschenke überreichten und die Bitte des Grafen vortrugen, gab ihnen der Bischof seine Zustimmung für die Translation in das in Treviso stehende Kloster. Mit dieser Nachricht kehrten die Händler nach Treviso zurück. Der Graf begann sofort mit den Vorbereitungen für eine weitere Gesandtschaft, in der sich, auf Wunsch des Bischofs, ein Priester und ein Diakon befinden sollten. Schlussendlich landete der Diakon, der Priester war im Heiligen Land gestorben, in der Nähe von Rom. Dort erreichte ihn die Nachricht, dass sein Herr gestorben sei, was zur Folge hatte, dass der Diakon nicht wusste, was er nun t un sollte. Glücklicherweise befand sich zur selben Zeit der Bruder des Diakons in Rom, der zum Gefolge Scrots, des Grafen von Florenz, gehörte. Nachdem mit Papst Leo III. darüber beratschlagt wurde, was nun mit den Gebeinen geschehen solle, entschied man sich zu einer Überführung in das ursprünglich dafür vorgesehene Kloster, unter der Leitung des Grafen Scrot. Zur Belohnung wurde dem Grafen ein Oberschenkel des Heiligen Genesius übergeben. (Die Gebeine der Heiligen kamen vermutlich in das Kloster, welches auf einer Insel beim Zusammenlauf der Flüsse Sila und Cagnano bei Treviso lag. Anfang des 10. Jahrhunderts wurden sie dann in das Kloster Nonantola gebracht, da das alte Kloster bei den Ungarneinfällen zerstört wurde. Kurz nach der Translation der Reliquien nach Treviso, schienen die Namen der Heiligen vergessen gewesen zu sein. Am Anfang des 11. Jahrhunderts wurde die Geschichte der Heiligen Senesius und Theopontus in Nonantola niedergeschrieben. Bischof Ratold von Verona erwarb um 830 Reliquien der Heiligen Senesius und Theopontus für seine Stiftung Radolfzell.) Im Frühjahr 801 wurde der Oberschenkelknochen von Graf Scrot nach Schienen (Öhningen) überführt. Doch wurde die Echtheit dieser Reliquie von dem dortigen Klerus stark angezweifelt. Erst die Überprüfung der Gebeine durch den Hofkaplan Ratold, den man im gleichen Jahr zum Bischof von Verona erhob, wurde die Echtheit bestätigt und anerkannt. Die Wunder, die in Schienen durch den Heiligen Genesius vollbracht wurden, lassen sich in drei Typen unterteilen: Der erste Typ sind die Strafwunder wegen Nichtbeachtens der Reliquie, der zweite die Heilungen von Menschen. Den dritten Typ bilden die so genannten Licht- und Wachswunder. - Inwieweit der Heilige Genesius von Rom mit dem Märtyrer Genesius aus Jerusalem in Verbindung steht, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau gesagt werden. (Hierzu müssten weitere Untersuchungen folgen.)
Das in Schienen gegründete Stift (kein Kloster) erlebte seine Blüte um die Mitte des 9. Jahrhunderts. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts war das Stift im Niedergang und wurde dem Kloster Reichenau überstellt.
Quelle zur Reliquientranslation nach Schienen:
Wattenbach, Wilhelm, Die Übertragung der Reliquien des h. Genesius nach Schienen, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 24 (1872), S. 1 – 21.
Literatur zum Thema Stift oder Kloster in Schienen:
Maurer, Helmut, Ländliche Klerikergemeinschaft und Stift in karolingischer Zeit. Vergleichende Beobachtungen an Beispielen aus der Diözese Konstanz, in: Sönke Lorenz/ Thomas Zotz (Hrsg.), Frühformen von Stiftskirchen in Europa. Funktion und Wandel religiöser Gemeinschaften vom 6. bis zum Ende des 11. Jahrhunderts. Festgabe für Dieter Mertens zum 65. Geburtstag, Leinfelden-Echterdingen 2005, S. 339 – 356.

Literaturergänzung:

1975

Stadler, Johann Evangelist, Genesius, in: Vollständiges Heiligen-Lexikon 2 (1975), S. 371-372; -

1994

Kaster, Gabriela, Genesius, in: Lexikon der christlichen Ikonographie 6 (1994), Sp. 358; - Schütz, Liselotte, Genesius (Gelasius, Senesius) von Rom, in: Lexikon der christlichen Ikonographie 6 (1994), Sp. 359; - Weidner, Daniel, Der heilige Genesius – der Schauspieler als Märtyrer, der Märtyrer als Schauspieler, in: Sigrid Weigel (Hrsg.), Märtyrer-Porträts. Von Opfertod, Blutzeugen und heiligen Kriegern, München 2007, S. 74-77; -

1995

LThK3 (1995) Bd. 4, Sp. 455 (F. Staab); -

1997

Brian Möller Jensen, The feastday(s) of St. G. in Reichenau?, in: AnBoll 115.1997, S. 271-279.

Letzte Änderung: 03.06.2009