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Band II (1990)Spalten 970-972 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HOFFMEISTER, Johannes, Augustinereremit, einer der entschiedensten Gegner der Reformation, * Ende 1509 oder Anfang 1510 in dem jetzt württembergischen Oberndorf am Neckar (in der damaligen Grafschaft Zimmern), † 21.8. 1547 in Günzburg (Donau). - H. kam schon in frühester Jugend in das Augustinerkloster in Colmar (Oberes Elsaß), um sich auf seinen künftigen Beruf vorzubereiten. Die Obern schickten ihn um 1526 zur weiteren Ausbildung nach Mainz. Von dort begab er sich Ende 1528 nach Freiburg (Breisgau). Nach seiner Priesterweihe kehrte H. in das Elsaß zurück und wurde 1533 Prior im Kloster in Colmar. Er übernahm keine leichte Aufgabe. Das Kloster befand sich seit langem in einem traurigen Zustand. Die Einkünfte waren gering, zumal seit dem Bauernkrieg. Das Leben der Mönche gab zu berechtigten Klagen Anlaß. Der Magistrat mischte sich in die Verwaltung des Klosters ein. Colmar war fast ganz von evangelischem Gebiet umschlossen, und die lutherische Lehre drang selbst in die Klostermauern ein. H. führte wieder eine strenge Zucht ein, wenn auch deswegen der eine oder andere Mönch ihn verließ. Die Rechte und Freiheiten seines Klosters verteidigte er hartnäckig gegen den Rat und geriet deswegen zeitweilig in schwere Konflikte mit ihm, ohne jedoch viel zu erreichen. Dem immer drohender werdenden Ansturm der lutherischen Lehre trat H. in Wort und Schrift energisch entgegen. Er war der Ansicht, daß die sorgfältige Verwaltung des Predigtamts eines der Hauptmittel zur Heilung der kirchlichen Schäden sei, und begann darum, den Einwohnern der Reichsstadt Colmar in einfacher und volksnäher Predigtweise das Buch Tobias, dann die Pastoralbriefe und das Matthäusevangelium auszulegen. 1538 veröffentlichte H. "Dialogorum libri duo" als seine erste Schrift gegen die Lutheraner und ein Jahr später eine Widerlegung der Schmalkaldischen Artikel Martin Luthers (s.d.). Die Religionsgespräche in Hagenau im Juni 1540, in Worms vom November 1540 bis zum Januar 1541 und in Regensburg im April und Mai 1541 veranlaßten ihn zu einer Schrift über die Augsburgische Konfession von 1530, die aber erst 1559 gedruckt wurde. Nach dem am 25.11. 1542 erfolgten Tod des Provinzials der rheinisch-schwäbischen Augustinerprovinz Konrad Träger (s.d.) wählte man in Hagenau auf Wunsch des Verstorbenen H. zu dessen Nachfolger. H. bemühte sich als Provinzial, die trostlosen Zustände in seinem Orden zu ändern und für die noch übriggebliebenen Klöster den Schutz Karls V. (s.d.) zu erlangen. Am 18.5. 1545 wurde ihm in Worms der kaiserliche Schutzbrief ausgestellt, der ihm aber nicht viel nützte, weil, wie H. klagt, die christliche kaiserliche Majestät kaum so viel Gewalt im Römischen Reiche habe wie irgendein Dorfschulze über seine Bauern. Am 9.7. 1546 ernannte ihn der Ordensgeneral zum Generalvikar über alle deutschen Augustinerklöster und gebot ihm, sein besonderes Augenmerk der Erziehung der Novizen zuzuwenden. - H. hat um den Bestand und die Rechte seines Ordens mannhaft gerungen, als ein entschiedener Gegner der lutherischen Reformation in seinen Predigten und polemischen Schriften einen erbitterten Kampf gegen die Neuerer und ihre Lehre geführt und in seinem Wissen um die Verderbnis und Reformbedürftigkeit der Kirche durch seine biblisch bestimmten Predigten und seine zahlreichen exegetischen, homiletischen und apologetischen Schriften auf eine Erneuerung des Katholizismus in Klerus und Volk stark gewirkt.

Werke: Dialogorum libri duo, quibus aliquot ecclesiae catholicae dogmata Lutheranorum et verbis et sententiis roborantur, Freiburg 1538 (Ingolstadt 15462; Venedig 15543); Wahrhaftige Entdeckung u. Widerlegung deren Artikeln die M. Luther auf das Concilium zu schicken u. darauff zu beharren furgenommen (Widerlegung der Schmalkald. Artikel), o. O. u. J. (Kolmar 1539); neu hrsg. v. Hans Volz, in: CCath 18, 1932, XXII ff. 116 ff.; - Canones sive claves aliquot ad interpretandum sacras Bibliorum scripturas (gg. die prot. Schr.ausl.), Mainz 1545; Verbum Dei carnem factum h. e. Jesus Christus servatorem nostrum ecclesiae suae unicum propiciatorium ac perpetuum esse sacrificium assertio (polem. Schr. über die Messe, Kard. Otto Truckseß v. Waldburg gewidmet), ebd. 1545; - Articuli conciliati inter prioris doctrinae novos ministros ab Anno domini 1519 usque ad annum praesentem, scilicet 1546 (Kritik der prot. Lehre v. 1519 bis 1546), Ingolstadt 1546; Loci communes Rerum theologicarum, quae hodie in controversia agitantur, ad regulam et consensum verae, catholicaeque Ecclesiae, e S. Patrum sententiis confecti (Apologie auf Grund einer umfangreichen Zus.stellung v. Stellen aus den Kirchenvätern, Erasmus gewidmet), ebd. 1547 u. ö.; Predigt über die Suntägl. Evv. des gantzen Jars (v. H. selbst nur die Predigten v. Advent bis Pfingsten, der Rest von dem Weihbisch. Leonhard Haller in Eichstätt aus H.s lat. Predigtwerk übertr.), ebd. 1548 (zuletzt Wesel 1847); Judicium de articulis confessionis fidei anno MDXXX Caesar. M. Auguatae exhibitis, quantenus scilicet a Catholicis admittendi sunt aut rejiciendi (Beurteilung der Augsburg. Konfession v. 1530), Mainz 1559 (dt. Konstanz 1597); Commentaria in Marcum et Lucam Evangelistas, 1562 u. ö., zahlr. exeget. Schrr.

Lit.: A. Höhn, Chronologia provinciae Rheno-Suevicas ordinis Fratrum Eremitarum S. Augustini, Wirceburgi 1744; - Johann Felix Ossinger, Bibliotheca Augustiniana historica, critica et chronologica, Ingolstadt u. Augsburg 1768, 445-450; - Heinrich Rocholl, Einf. der Ref. in Kolmar, 1876; - August v. Druffel, Der Elsässer Augustinermönch J. H. u. seine Korr. mit dem Ordensgen. Hieronymus Seripando, 1878, 135 ff. (192 ff.: Bibliogr.); - Ders., Nachträgl. Bem. über den Augustiner J. H., in: ZKG 3, 1879, 485 ff.; - Eugen Waldner, Vier Briefe v. J. H., in: ZGORH 45 (NF 6), 1891, 172 ff.; - Nikolaus Paulus, Der Augustinermönch J. H. Ein Lb. aus der Ref.zeit, 1891 (dazu Gustav Kawerau, in: ThLZ 15, 1892, 97 ff.); - Ders., J. H. in prot. Beleuchtung (gg. Gustav Bossert), in: HPBl 111, 1893, 589 ff.; - Ders., Luthers Lebensende, 1898, 10 ff.; - A. Bellesheim, Eine Biogr. des Augustiners J. H., ebd. 109, 1892, 269 ff.; - Gustav Bossert, J. H., ein dt. Francesco Spiera, 1893; - Ders., Zur Frage über J. H.s Ende, in: Bll. f. württemberg. KG 9, 1894,70 f.; - Ders., Zur Biogr. des Augustiner-Provinzials J. H., ebd. 10, 1895, 72; - Joseph Schlecht, Der Augustiner J. H. als Dichter, in: Katholik 77, 1897, II, 188 ff.; - Ders., Kilian Leibs Briefwechsel u. Diarien, 1909, 49. 53 ff. 60; - Hubert Jedin, Girolarno Seripando. Sein Leben u. Denken im Geisteskamp des 16. Jh.s. I: Werdezeit u. erster Schaffenstag. II: Vollendung, 1937, I, 216-220, II, 667; - Ders., Gesch. des Konzils v. Trient I, 1951; II, 1957; - Adolar Zumkeller, Die Lehrer des geistl. Lebens unter den dt. Augustinern in: S. Augustinus vitae spiritualis Magister II, 1959, 333-335; - Ders., Mis. v. Werken der Autoren des Augustiner-Eremiten-Ordens, 1966, 243 f.; - Ders., Urkk. u. Regg. z. Gesch. der Augustinerklöster Würzburg u. Männerstadt I, 1966, 395-398; - A. F. Vermeulen, Der Augustiner Konrad Treger, in: AnAug 24, 1961; 25, 1962; - Schottenloher I, Nr. 8488-8501a; V, Nr. 46849 f.; - ADB XII, 617; - NDB IX, 441; - Dictionnaire de Biographie des hommes célebres de l'Alsace I, 1909, 792-793; - Kosch, KD 1676 f.; - Kosch, LL II, 1030; - DLL VII, 1409 f.; - HN II, 1437-1440; - Wetzer-Welte VI, 146-148; - DThC VII, 10; - EC VI, 1455; - LThK V, 415 f.; - RE VIII, 229;- RGG III, 415.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

Anthony N.S. Lane, Justification by faith in sixteenth-century patristic anthologies: the claims that were made, in: D. Patristik in d. Frühen Neuzeit. D. Relektüre d. Kirchenväter in d. Wiss. d. 15. bis 18. Jhs. Hrsg. von Günter Frank ... Stuttgart-Bad Cannstatt 2006 (=Melanchthon-Schriften der Stadt Bretten; 10), S. 169-189.

Letzte Änderung: 30.08.2008