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Band II (1990)Spalten 1232-1233 Autor: Franz Seiffer

HYPATIA von Alexandrien, * unbekannt, † 415. Sie war die Tochter des Mathematikers Theon von Alexandria, von dem sie auch ihre Ausbildung erhielt. Die Annahme, sie sei darüber hinaus an dessen mathematischen Abhandlungen beteiligt gewesen, konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Vielmehr wandte sich H. recht bald dem Studium der Philosophie zu. Ihre philosophischen Abhandlungen, die von Suidas erwähnt werden, sind jedoch verschollen. Als Philosophin wird sie der neuplatonischen Schule zugerechnet. Sie lebte und lehrte in Alexandria und war weithin als Philosophin und Ratgeberin bekannt und geschätzt. Auch Orestes, der Stadthalter von Alexandria, zählte sie zu seinen Beratern. Darin ist wohl auch der Grund für ihre Ermordung im Jahr 415 zu suchen, wenngleich die näheren Umstände nie geklärt werden konnten. Nach Angaben des Socrates soll sie auf Betreiben und unter Mitwirkung des Bischofs Cyrillus (s.d.) grausam gefoltert und ermordet worden sein, ihren Leichnam sollen jene anschließend zerstückelt und verbrannt haben. Als Grund für diese Bluttat gibt Socrates die Befürchtung des Cyrillus an, H. wolle seine Versöhnung mit Orestes hintertreiben. Andere Quellen nennen die sogenannten Parabolanen, eine Vereinigung der alexandrinischen Krankenpfleger, als ihre Mörder. - H., die zeitlebens nicht zum Christentum übergetreten ist, gilt vor allem als sittenstrenge Frau. Trotz ihres hohen Ansehens und ihrer legendären Schönheit blieb sie zeitlebens unverheiratet. Sie gilt allgemein als ein Vorbild an Keuschheit und Tugendhaftigkeit.

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Lit.: Socrates, Eccl. hist. VII, 15; - Toland, Hypatia, London 1720; - Richard Hoche, Hypatia, die Tochter Theons, in: Philologus XV (1860), 435-474; - Wolf, H., die Philosophin von Alexandrien, Wien 1879; - Joseph Kopallik, Cyrillus v. Alexandrien. Eine Biography, Mainz 1881; - Wolfgang Meyer, H. von Alexandrien, ein Beitrag zur Geschichte des Neuplatonismus, Heidelberg 1886; - Hans v. Schubert, H. von Alexandria in Wahrheit und Dichtung, in: PrJ CXXIV (1906), 42-60; - Joseph Geffken, Der Ausgang des griechisch-römischen Heldentums, Heidelberg 1920, 196, 199 ff.; - Biographie Universelle, Ancienne et moderne XXI (Paris 1818), 133 ff.; - DCB III, 185; - LThK V, 574; - Pauly-Wissowa IX, 242-249; - ThJber I (1882), 76; - Wetzer-Welte VI, 552-555.

Franz Seiffer

Literaturergänzung:

Charles Kingsley, H. Enth. auch: Thomas Michael Schmidt, Ein Frauenschicksal d. Antike im Spannungsfeld von Platonismus u. Christentum. Frankfurt/M. 2008.

Letzte Änderung: 09.04.2011