JAKOB ben Ascher, oder Ascheri, nach seinem Hauptwerk »Arba'ah Turim«
auch »Ba`al ha-Turim«, bedeutender jüdischer Gelehrter, Schriftsteller
und Systematiker der Talmudwissenschaft, * 1269 möglicherweise in
Köln als dritter Sohn des Ascher ben Jechiel, + 1343 in Toledo. -
J. wurde von seinem Vater in der jüdischen Lehre unterrichtet. 1303
wanderte J. mit seiner Familie nach Spanien aus, wo er zunächst in
Barcelona lebte. Dort betrieb er seine Studien in großer Armut. J.
ließ sich später in Toledo nieder, wo er bis zu seinem Lebensende
blieb. Bereits als junger Mann begann J. auf der Grundlage des Werkes
seines Vaters mit der Auslegung und Deutung des jüdischen Rechts.
J. war wahrscheinlich Geldverleiher; er hatte nie eine rabbinische
Stellung inne. In J.s erstem Werk über die Halacha Sefer ha-Remazim
(o. Kizzur Piske ha-Rosch) finden sich Auszüge aus den Entscheidungen
seines Vaters. Das um 1340 verfaßte Hauptwerk des J., die »Arba`ah
Turim«, eine Darstellung des gesamten jüdischen Rechts, bezieht sich
in seinem Titel auf die vier Reihen Edelsteine im Brustschild des
Hohepriesters (vgl. Ex 39, 10). Diese umfassende Sammlung aller rechtlichen
und rituellen Vorschriften des Judentums gliedert sich in vier Hauptteile:
Im ersten Abschnitt, Orach Chajjim, (Weg des Lebens) behandelt J.
Gebete, Segen, den Sabbat und weitere Festtage. Der zweite Abschnitt,
Joreh Deah (Lehrer der Erkenntnis), beschreibt weitere kultische Gebräuche
und Riten. Im dritten Teil, Eben ha-Ezer (Stein der Hilfe), werden
die Frau und die Ehe betreffende Gesetze behandelt. Der vierte Abschnitt,
Choschen ha-Mischpat (Brustschild des Rechts) schließlich nennt und
erklärt weitere gesetzliche Bestimmungen der Halacha. Die Gliederung
des Buches, sein leicht verständlicher Stil und der Umfang seines
Inhaltes machten es zu einem grundlegenden Werk der nachtalmudisch-jüdischen
Gesetzesauslegung. Weiterhin verfaßte J. den Pentateuchkommentar »Peruschah
ha-Torah«, dessen allegorisierende Einleitungen seiner einzelnen Teile
1500, bereits 40 Jahre vor der Herausgabe des gesamten Werkes, veröffentlicht
wurden, und die Anordnung des Gebetbuches »Derech ha-Chajjim«. Sonstige
Werke des J. sind die Tabellen zur Gedächtnisausübung über den Pentateuch,
»Parperaoth al ha-Torah«, und die Abhandlung über die Symbolik der
Zahlen, »Ba`al ha-Turimah al ha-Torah«. Das Gesamtwerk des J. bezeugt
eine Synthese der französischen, deutschen und spanischen rabbinischen
Traditionen, und machte seinen Verfasser in der ganzen jüdischen Welt
bekannt. Der hierbei maßgeblich beteiligte Gesetzescodex Arba`ah Turim
bewirkte den nachhaltigen Ruhm des J. bei allen seinen Glaubensgenossen.
So ist die Bedeutung des J., dessen letzter Wille auch seinen hohen
ethischen Stand anzeigt, in seinem bilanzierenden und klärenden Einfluß
auf die abendländisch-jüdische Interpretation der Halacha zu sehen.
Werke: Sefer ha-Remazim, Konstantinopel 1557; Arba`ah
Turim, Pieve di Sacco 1475; Peruschah ha-Torah, Zolkiew 1806, Konstantinopel
1500, 1514 (in Auszügen); Derech ha-Chajjim, Mantua 1476, Parperaoth
al ha-Torah, Fürth 1752; Ba`al ha-Turimah al ha-Torah, Konstantinopel
1500.
Lit.: W. Buchholz, in: MGWJ XIII, 1864, 253 f.; -
S. M. Chones, Toledot ha-Posekim, 1910, 270-274; - A. Freimann,
in: Jahrbuch der jüd.-lit. Gesellschaft, Bd. XII, 1919, 286, 301-308;
- Ders., ebd., Bd. XIII, 1921, 160 ff.; - E. Baneth, in: Festschr.
zum 50-jährigen Bestehen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums
zu Berlin, 1922, 49-100, - J. H. Weiss, Dor, V. Bd., 1924, 118-128;
- H. Tschernowitz, Toledot ha-Posekim, II, 1947, 199-220; -
G. Bartolocci, Biblioth. Rabbin., I, 131; - Conforte, Kore ha-Doroth,
26a; - A. Geiger, Bibl. Jud., II, 14-16; - Michael, Or ha-Chajjim,
Nr. 1060; - M. Steinschneider, Cat. Bodl. cols., 1181-1192; -
EJud VIII, 809 f.; - EncJud IX, 1214 f.; - Graetz IV, 87 f.;
VII, 298 ff.; - JewEnc VII, 27 f.; - JüdLex III, 521; -
UJE VI, 10 f.