KNÖPFLER, Alois, katholischer Kirchenhistoriker, * 29.8. 1847 in
Schomburg (württ.Allgäu); + 14.7. 1921 ebd. - Seit 1868
studierte K. Theologie und Philosophie am Wilhelmsstift in Tübingen.
Zu den Lehrern, die ihn am meisten beeindruckten, gehörte der spätere
Bischof Carl Joseph von Hefele. Nach seiner Priesterweihe im Jahre
1874 war K. als Seelsorger und Lehrer tätig. Seit 1880 hielt er Vorlesungen
im Fach Kirchengeschichte und Patrologie am Lyzeum in Passau; 1886
folgte er einem Ruf an die Universität München. Gemeinsam mit Max
Sdralek und Heinrich Schrörs war K. seit 1891 Herausgeber der »Kirchengeschichtlichen
Studien«. 1893 erfolgte seine Ernennung zum Rektor der Universität.
Als Herausgeber der »Veröffentlichungen aus dem Kirchenhistorischen
Seminar München« ermöglichte er seit 1899 seinen zahlreichen Schülern
und Studenten, eigene Seminararbeiten zu publizieren. Emeritierung
im Jahre 1917. - K. gehörte zu jener Generation katholischer Theologen,
die mittels fundierter Quellenforschung und möglichst vorurteilsfreier
Auswertung von Quellen und Texten um die Jahrhundertwende der kirchengeschichtlichen
Disziplin zu neuem Aufschwung und Eigenstand gegenüber den systematischen
Fächern verhalfen. Nicht von ungefähr sind in der »Festgabe Knöpfler«
(München 1907) auch exegetische Aufsätze aufgenommen: Exegese wie
Kirchengeschichte verstanden sich der historisch-theologischen Wissenschaft
zugehörig und entsprechend den gleichen methodischen Grundsätzen verpflichtet.
(Festgabe 1907, 275) Geprägt vom Geist wissenschaftlichen Ernstes,
kirchlicher Gesinnung und Objektivität beschrieb K. sein Selbstverständnis
als Theologe wie folgt: »Der Historiker hat jedoch nach meiner Überzeugung
keinen Panegyrikus, auch keine Apologie - als inwiefern die Wahrheit
von sich aus apologetisch wirkt - zu schreiben, sondern Geschichte,
d.h. das, was geschehen ist, nicht aber das, was nach dieser oder
jener Anschauung hätte geschehen sollen« (Lehrbuch, Vorwort). Neben
dem Ertrag eigener wissenschaftlicher Publikationen kommt K. das Verdienst
zu, die Bedeutung der Seminararbeiten innerhalb des Universitätsstudiums
erkannt und ausgebaut zu haben. Auf diese Weise konnten sich Lehrer
und Schüler persönlich kennenlernen sowie der theologische Nachwuchs
methodisch geschult und zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit
angeleitet werden. Als reiche Frucht dieser Tätigkeit in seinem kirchenhistorischen
Seminar erschienen jene Veröffentlichungen, die K. als Herausgeber
leitete und deren Verfassern er hilfreich zur Seite stand. K.s rund
800 Seiten umfassendes »Lehrbuch der Kirchengeschichte« galt über
Jahrzehnte als Standardwerk des Lehrbetriebes an theologischen Ausbildungsstätten.
Sein Wahlspruch lautete: Deo et veritati!
Werke: Conciliengeschichte (Carl Joseph von Hefele, bearb.),
Bd. 5 und 6, zweite vermehrte und verbesserte Aufl. von Alois Knöpfler,
Freiburg 1886 und 1890; A.K., Walafridi Strabonis. Liber de Exordiis
et Incrementis quarundam in observationibus ecclesiasticis rerum,
München 1890; A.K., Die Kelchbewegung in Bayern unter Albrecht V.,
1891; A.K., Wert und Bedeutung des Studiums der Kirchengeschichte,
1893; A.K., Lehrbuch der Kirchengeschichte, Freiburg 1. Aufl. 1895;
4. Aufl. 1906; 6. Aufl. 1920; ungarische und spanische Übersetzung;
A.K., Johann Adam Möhler. Ein Gedenkblatt zu dessen hundertstem Geburtstag,
München 1896; A.K., Das Vaterunser im Geiste der ältesten Kirchenväter
in Bild und Wort (mit L. Glötzle), 1898; A.K. (Hrsg.), Veröffentlichungen
aus dem Kirchenhistorischen Seminar München (bis 1920 erschienen 45
Hefte) - A.K., Rabani Mauri de institutione clericorum libri tres,
1900; A.K., Das Christusbild und die Wissenschaft (Rektoratsrede 1911).
Lit: Franz X. Seppelt, Alois Knöpfler, in: Hochland 5
(1907), 228 bis 230; - Heinrich M. Gietl und Georg Pfeilschifter
(Hrsg.), Festgabe Alois Knöpfler zur Vollendung des 70. Lebensjahres,
Freiburg 1917; - Joh. Bapt. Aufhauser, A.K. zum Gedächtnis, in:
Allgemeine Rundschau, 18 (1921); - Georg Pfeilschifter, A.K.,
in: Deutsches Biographisches Jahrbuch, 3. Bd., 1927; - Franz X.
Eggersdorfer, Die Philosophisch-Theologische Hochschule Passau. 300
Jahre ihrer Geschichte, Passau 1933 (369-371); - LThK, VI, 21961,
Sp. 359 f.; - August Hagen, Gestalten aus dem schwäbischen Katholizismus,
4 Bde, Stuttgart 1948-1962, II, 342-380; - Joseph Bernhart, Lebenserinnerungen.
Münchener Universität I und II, in: Hochland 56/57 (1963/64), 153-164
bzw. 72-82, hier: 78 f.; - Hans-Jörg Nesner, Das Erzbistum München
und Freising zur Zeit des Erzbischofs und Kardinals Franziskus von
Bettinger (1909-1917) (= Münchener Theologische Studien, 28 Bd., 1987),
159-174.