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Band IV (1992) Spalten 152-154 Autor: Gabriele Lautenschläger

KNÖPFLER, Alois, katholischer Kirchenhistoriker, * 29.8. 1847 in Schomburg (württ.Allgäu); + 14.7. 1921 ebd. - Seit 1868 studierte K. Theologie und Philosophie am Wilhelmsstift in Tübingen. Zu den Lehrern, die ihn am meisten beeindruckten, gehörte der spätere Bischof Carl Joseph von Hefele. Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1874 war K. als Seelsorger und Lehrer tätig. Seit 1880 hielt er Vorlesungen im Fach Kirchengeschichte und Patrologie am Lyzeum in Passau; 1886 folgte er einem Ruf an die Universität München. Gemeinsam mit Max Sdralek und Heinrich Schrörs war K. seit 1891 Herausgeber der »Kirchengeschichtlichen Studien«. 1893 erfolgte seine Ernennung zum Rektor der Universität. Als Herausgeber der »Veröffentlichungen aus dem Kirchenhistorischen Seminar München« ermöglichte er seit 1899 seinen zahlreichen Schülern und Studenten, eigene Seminararbeiten zu publizieren. Emeritierung im Jahre 1917. - K. gehörte zu jener Generation katholischer Theologen, die mittels fundierter Quellenforschung und möglichst vorurteilsfreier Auswertung von Quellen und Texten um die Jahrhundertwende der kirchengeschichtlichen Disziplin zu neuem Aufschwung und Eigenstand gegenüber den systematischen Fächern verhalfen. Nicht von ungefähr sind in der »Festgabe Knöpfler« (München 1907) auch exegetische Aufsätze aufgenommen: Exegese wie Kirchengeschichte verstanden sich der historisch-theologischen Wissenschaft zugehörig und entsprechend den gleichen methodischen Grundsätzen verpflichtet. (Festgabe 1907, 275) Geprägt vom Geist wissenschaftlichen Ernstes, kirchlicher Gesinnung und Objektivität beschrieb K. sein Selbstverständnis als Theologe wie folgt: »Der Historiker hat jedoch nach meiner Überzeugung keinen Panegyrikus, auch keine Apologie - als inwiefern die Wahrheit von sich aus apologetisch wirkt - zu schreiben, sondern Geschichte, d.h. das, was geschehen ist, nicht aber das, was nach dieser oder jener Anschauung hätte geschehen sollen« (Lehrbuch, Vorwort). Neben dem Ertrag eigener wissenschaftlicher Publikationen kommt K. das Verdienst zu, die Bedeutung der Seminararbeiten innerhalb des Universitätsstudiums erkannt und ausgebaut zu haben. Auf diese Weise konnten sich Lehrer und Schüler persönlich kennenlernen sowie der theologische Nachwuchs methodisch geschult und zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit angeleitet werden. Als reiche Frucht dieser Tätigkeit in seinem kirchenhistorischen Seminar erschienen jene Veröffentlichungen, die K. als Herausgeber leitete und deren Verfassern er hilfreich zur Seite stand. K.s rund 800 Seiten umfassendes »Lehrbuch der Kirchengeschichte« galt über Jahrzehnte als Standardwerk des Lehrbetriebes an theologischen Ausbildungsstätten. Sein Wahlspruch lautete: Deo et veritati!

Werke: Conciliengeschichte (Carl Joseph von Hefele, bearb.), Bd. 5 und 6, zweite vermehrte und verbesserte Aufl. von Alois Knöpfler, Freiburg 1886 und 1890; A.K., Walafridi Strabonis. Liber de Exordiis et Incrementis quarundam in observationibus ecclesiasticis rerum, München 1890; A.K., Die Kelchbewegung in Bayern unter Albrecht V., 1891; A.K., Wert und Bedeutung des Studiums der Kirchengeschichte, 1893; A.K., Lehrbuch der Kirchengeschichte, Freiburg 1. Aufl. 1895; 4. Aufl. 1906; 6. Aufl. 1920; ungarische und spanische Übersetzung; A.K., Johann Adam Möhler. Ein Gedenkblatt zu dessen hundertstem Geburtstag, München 1896; A.K., Das Vaterunser im Geiste der ältesten Kirchenväter in Bild und Wort (mit L. Glötzle), 1898; A.K. (Hrsg.), Veröffentlichungen aus dem Kirchenhistorischen Seminar München (bis 1920 erschienen 45 Hefte) - A.K., Rabani Mauri de institutione clericorum libri tres, 1900; A.K., Das Christusbild und die Wissenschaft (Rektoratsrede 1911).

Lit: Franz X. Seppelt, Alois Knöpfler, in: Hochland 5 (1907), 228 bis 230; - Heinrich M. Gietl und Georg Pfeilschifter (Hrsg.), Festgabe Alois Knöpfler zur Vollendung des 70. Lebensjahres, Freiburg 1917; - Joh. Bapt. Aufhauser, A.K. zum Gedächtnis, in: Allgemeine Rundschau, 18 (1921); - Georg Pfeilschifter, A.K., in: Deutsches Biographisches Jahrbuch, 3. Bd., 1927; - Franz X. Eggersdorfer, Die Philosophisch-Theologische Hochschule Passau. 300 Jahre ihrer Geschichte, Passau 1933 (369-371); - LThK, VI, 21961, Sp. 359 f.; - August Hagen, Gestalten aus dem schwäbischen Katholizismus, 4 Bde, Stuttgart 1948-1962, II, 342-380; - Joseph Bernhart, Lebenserinnerungen. Münchener Universität I und II, in: Hochland 56/57 (1963/64), 153-164 bzw. 72-82, hier: 78 f.; - Hans-Jörg Nesner, Das Erzbistum München und Freising zur Zeit des Erzbischofs und Kardinals Franziskus von Bettinger (1909-1917) (= Münchener Theologische Studien, 28 Bd., 1987), 159-174.

Gabriele Lautenschläger

Letzte Änderung: 09.06.1998