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Band XXXI (2010) Spalten 747-760 Autor: Frank Rudolph

KRAFFT, Adam, Theologe, Reformator in Hessen, Visitator, Superintendent, * wohl 1493 in Fulda, † 9. September 1558 in Marburg. - Sein Vorname erscheint auch als Adamus oder Adamo, sein Nachname als Craft, Crafft, Crato und Crafftonus. Er erscheint als Magistrum Adamum, Crafftonus Fuldensis, M(agistrum) Adam (von) Fulda, Crato Fuldensis, Adam vom Foll und als Adam Vegetius. Adam Krafft hat in Fulda, Erfurt, Hersfeld, Kassel und Marburg gelebt. - Adam Krafft stammte aus einer angesehenen Familie in Fulda. Sein Vater Hans Krafft wurde im Oktober 1511 für zwei Jahre zu einem der vier damals üblichen Fuldaer Bürgermeister gewählt. Adam Krafft war Schüler der äußeren Klosterschule in Fulda und Schüler einer Lateinschule. Entweder in Neuburg an der Donau oder - was wahrscheinlicher ist - in Neuenberg bei Fulda. Wohl bereits als Schüler wurde er mit humanistischen Ideen bekannt. Einer seiner Lehrer war Crotus Rubianus. - Ab dem Wintersemester 1512 (oder ab 1513) studierte er an der Universität Erfurt. Dies war die nächstgelegene Hochschule. Krafft gehörte in Erfurt wohl zum Collegium Amplonianum, einer Stiftung, die durch den Gelehrten Amplonius Ratnick 1412 entstanden war. In Erfurt kam Krafft, wohl seit 1518, in einen Kreis junger Humanisten, der sich um den aus Homberg/Efze stammenden Conrad Muth (Mutianus Rufus) scharte. Mit ihm stand er lange in enger Verbindung. Er lernte Eobanus Hessus kennen und gehöre zum "Literarischen Orden". Er war mit Camerarius befreundet. 1514 wurde er Bakkalaureus, 1519 Magister artium und durfte nun selbst Lehrveranstaltungen halten. Er verehrte Erasmus von Rotterdam und hielt an der Universität Vorlesungen über dessen "Lob der Narrheit". Erasmus von Rotterdam war in diesen Jahren das Ideal vieler junger Leute. Ebenso hielt er eine Lehrveranstaltung über das "Handbüchlein des christlichen Streiters" (Enchiridion militis christiani) des Erasmus, in dem dieser seine humanistische Theologie entfaltete. - 1517 begann die evangelische Bewegung in den ersten hessischen Städten, ausgelöst durch den Thesenanschlag von Martin Luther. Seit 1520/1521 breitete sich die Reformation in Hessen immer weiter aus, in Mainz (Wolfgang Capito, Kaspar Hedio), in Bingen (Melchior Ambach), in Alsfeld (Tilemann Schnabel), in Frankfurt (Hartmann Ibach) und in Butzbach (Kaspar Göbel). Krafft war 1519 Zuhörer bei der Leipziger Disputation, dem Streitgespräch zwischen Martin Luther und Johannes Eck. Dort lernte er Andreas Bodenstein von Karlstadt, zu diesem Zeitpunkt noch Weggefährte von Luther, und Philipp Melanchthon kennen. Krafft wurde zu einem humanistisch geprägten Lutheraner. Am 7. April 1521 predigte Luther in Erfurt im Augustinerkloster. Diese Predigt machte großen Eindruck auf Krafft. Spätestens ab diesem Zeitpunkt predigte Krafft selbst im Sinne der Reformation. - Ende Juni 1521 verließ Krafft Erfurt. In Erfurt gärte es. Patrizier standen gegen Bürger, kursächsische Interessen gegen die von Mainz. An der Universität verloren die Humanisten an Einfluß. Als nach den Erfurter Pfaffenstürmen Ende Juni 1521 die Pest ausbrach, ging Krafft in seine Heimatstadt Fulda zurück und wurde Nachfolger seines früheren Lehrers Crotus Rubianus. Er wurde 1521 Rector iuvenum in Fulda. 1523 bekam er eine Vikariatsstelle an der Stadtpfarrkirche. 1524 besuchte ihn Philipp Melanchthon auf einer Reise in die Pfalz. Krafft predigte im lutherischen Sinne und hatte Zulauf. Wohlwollen und Angriffe gegen ihn wechselten sich ab. - Ende 1524/Anfang 1525 ging Krafft nach Hersfeld, dort wurde er Pfarrer. Vermutlich wollte er mit diesem Umzug drohenden Sanktionen zuvorkommen und erwartete in Hersfeld unter dem liberalen Abt Crato I. bessere Arbeitsbedingungen. Abt Crato hat seiner Einstellung in Hersfeld sicherlich zugestimmt. In Hersfeld versuchte er, die aufständischen Bauern durch seine Predigten zu mäßigen. Seine Rolle im Bauernkrieg ist ihm sein Leben lang nachgetragen worden. Er betonte immer wieder, daß er im Bauernkrieg beschwichtigend gepredigt habe. 1525 war er für wenige Tage erneut in Fulda. Nach dem Ausbruch der Bauernunruhen im April 1525 hatte Johann von Henneberg - Koadjutor und später Abt - gebeten, nach Fulda zurückzukehren, um beruhigend zur wirken. Ein großer Teil der Fuldaer Bürger hatte nach dem ehemaligen Prediger Krafft verlangt. Krafft traf in Fulda auf eine radikalisierte Situation. In Fulda lehnte man seine mäßigenden Predigten ab und nötigte ihn nach drei Tagen, die Stadt wieder zu verlassen. Hersfeld hatte sich mittlerweile den Bauernunruhen angeschlossen. Bürgermeister Ottensaß führte die Aufständischen. Der Abt hatte sich in Schloß Eichhof zurückgezogen. Die Menge stürmte das Stift, plünderte die Abtswohnung und mißhandelte Stiftsbedienstete. Landgraf Philipp von Hessen zog im Kampf gegen die Bauern gegen Hersfeld und Fulda. Am 28. April 1525 ergab sich Hersfeld dem Landgrafen, am 3. Mai 1525 Fulda. Philipp von Hessen, der sich seit 1524 zu Luther bekannte, ließ Krafft im Mai 1525 nach Fulda kommen und eine Predigt halten. Kraffts Feinde bezichtigten ihn der Anzettelung des Aufstandes, obwohl er nicht in der Stadt gewesen war. Nach der Predigt vor dem Landgraf ernannte dieser Krafft am 15. August 1525 zum landgräflich hessischen Hofprediger in Kassel und zum Visitator. Krafft war als Feldprediger des Landgrafen im Bauernkrieg vor Mühlhausen beteiligt. - Von 1525 bis 1527 wirkte Krafft als Hofprediger in Kassel. Am 27. Februar 1526 schloß Philipp von Hessen das Gotha-Torgauische Bündnis, den ersten protestantischen Bund. Im Juni 1526 beeinflußte Krafft die Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck stark. Vielleicht auf Vermittlung von Krafft hielt Johannes Trygophorus (Hefentreger) auf Einladung von Graf Philipp IV. von Waldeck am 29. April 1526 in Altwildungen eine Probepredigt. Daraufhin wurde Trygophorus von den beiden waldeckischen Grafen Philipp III. und Philipp IV. zum Pfarrer der Stadtkirche in Waldeck berufen, wo er am 17. Juni 1526 seine Antrittspredigt in einem lutherischen Gottesdienst hielt. Dies war die Einführung der Reformation in Waldeck. Noch im gleichen Jahr organisierten Philipp IV. und Graf Wolrad II. von Waldeck-Eisenberg auf einer Synode im Kloster Volkhardinghausen mit ihren Pfarrern die Waldeckische Lutherische Landeskirche. Dabei ließen sie sich weitgehend von dem "Evangelischen Ratschlag an Graf Philipp IV. zu Waldeck" von Krafft leiten. Krafft begleitete Philipp von Hessen zum Reichstag in Speyer (25. Juni bis 27. August 1526). Adam Krafft predigte dort in seiner Herberge vor vielen tausend Zuhörern. Auf diesem Reichstag wurde eine Entscheidung der Religionsfrage zunächst in die Hände der Fürsten gelegt. - Anfang Oktober lud Landgraf Philipp von Hessen die hessischen Städte, die Geistlichen, die Ritter und die Vertreter der Städte und Klöster zu einer Versammlung ein. Vom 21. bis 23. Oktober 1526 fand die in Homberg/Efze eine "Synode" statt. Die genaue rechtliche und inhaltliche Bedeutung der Versammlung ist unklar. Es handelte sich wohl um ein territoriales Konzil, um einen Landtag oder eine Disputation. Die Versammlung gilt als die Gründungssynode der hessischen protestantischen Landeskirche. Auf der Synode wurde eine Reformationsordnung diskutiert. Verhandlungsgrundlage waren die 158 Thesen des ehemaligen Franziskanermönchs Franz Lambert von Avignon. Da Franz Lambert die deutsche Sprache nicht beherrschte, trug Adam Krafft den geladenen Ständen das neue Kirchenprogramm auf Deutsch vor. Die Anwesenden stimmten ihm zu, mit Ausnahme vom Marburger Franziskanerguardian Nikolaus Ferber. Im Anschluß an die Synode wurde ein Ausschuß gebildet, um eine Kirchenordnung für ganz Hessen im Namen der Synode zu entwerfen. Die "Reformatio Ecclesiarum Hassiae" (Reformation der Kirche Hessens) wurde von diesem Ausschuß bis Mitte/Ende Dezember 1526 verfaßt. Die Verfasserschaft ist umstritten, maßgeblichen Einfluß hatte wohl Franz Lambert von Avignon. Die Reformatio orientierte sich an den Vorstellungen der Schweizer und Oberdeutschen Reformatoren. Der Kirchenaufbau sollte auf der Grundlage selbständiger Gemeinden geschehen. Das Priestertum aller Getauften wurde betont. Die Reformatio wurde Martin Luther zur Begutachtung zugesandt. Luther riet in einem Brief vom 7. Januar 1527, die Einführung der neuen Ordnung aufzuschieben, bis die Christen in Hessen reif genug seien für die neue Ordnung. Philipp von Hessen folgte diesen Rat. Die Ordnung wurde nicht veröffentlicht, es traten jedoch nach und nach einige Teilordnungen in Kraft. - Ende 1526 wurde die landgräfliche Hofhaltung von Kassel nach Marburg verlegt und Krafft zog im Mai 1527 nach Marburg. 1527 wurde eine Klosterreform durchgeführt, an der Krafft beteiligt war. Über 50 Klöster wurden säkularisiert, die Abfindung der Mönche wurde geregelt und die Verwaltung des Klosterguts. Dadurch wurden erhebliche finanzielle Mittel frei. Diese Mittel flossen in die Pfarrerbesoldung, die Armenpflege, die Stadthospitäler, die Landhospitäler für Sieche, Blinde und Geisteskranke, in die Versorgung unverheirateter Töchter des hessischen Adels und in die Gründung der neuen Universität. Die Säkularisation der Klöster in Hessen war Ende 1527 abgeschlossen. - Am 30. Mai 1527 wurde in Marburg an einem Tag die Reformation eingeführt und die erste protestantische Universität gegründet. Am 28. Mai 1527 wurden Adam Krafft und Johann Amandus zu Pfarrern an der Pfarrkirche in Marburg eingesetzt. Am 30. Mai 1527, dem Himmelfahrtstag, führte Krafft auf Anordnung von Landgraf Philipp den evangelischen Gottesdienst in der Marburger Pfarrkirche ein. Am gleichen Tag vollzog der Marburger Rektor Johannes Eisermann (Ferrarius) mit der ersten Immatrikulation von 104 Studenten den Beginn der neuen Universität in Marburg. Die feierliche Eröffnung der Universität war etwas später, am 1. Juli 1527. Die Universität hatte eine Theologische, eine Juristische, eine Medizinische und eine Philosophische Fakultät ("Artistenfakultät"). Adam Krafft war von 1527 bis zu seinem Tod 1558 Professor der Theologie. Als Professor, als Dekan der theologischen Fakultät (1536) und als mehrmaliger Rektor der Universität (1529, 1540, 1553) nahm Krafft an der Entwicklung der neuen Hochschule großen Anteil. Krafft hat als Professor seine humanistische Bildung wohl hauptsächlich für die Auslegung neutestamentlicher Schriften verwertet. 1527 wurde in Marburg auch der Armenkasten zur Unterstützung der Armen und Kranken geschaffen. Seit 1527 gehörte Krafft zum Marburger Hofgericht und war Gutachter in Eherechtsfragen. - Im Juni 1527 (Pfingsten) bestellte Philipp von Hessen Visitatoren unter Leitung seines Hofpredigers Adam Krafft. Die Visitatoren besuchten im Auftrag des Landgrafen die Pfarrer und die Gemeinden im Land. Sie setzten altgläubige Geistliche ab und neue ein. Sie benannten die Mißstände in die Gemeinden und drangen auf Beseitigung. Sie kontrollierten die Verbreitung der protestantischen Lehre, die Verwaltung der Sakramente, den Lebenswandel der Pfarrer und die Finanzen. Im Oktober/November 1527 visitierte Krafft die Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Im November war er in St. Goar, begleitet von Gerhard Eugenius Ungefug. Ungefug informierte die Pfarrer über die Kirchenreform. Der Gottesdienste sollte nun nach der "Deutscher Messe" von Martin Luther gefeiert werden. Die Wallfahrten waren einzustellen. Ende 1527 war ganz Hessen visitiert. Durch die Visitationen wurde die Reformation durchgesetzt und das religiöse Leben der Bevölkerung änderte sich. 1528 (oder 1526) heiratete Adam Krafft die Marburger Krämerstochter Agnes Ibach. Philipp schenkte Krafft 1528 in Marburg ein Haus. Dem Paar wurden die Kinder Nathanael, Charitas, Hilarius, Caspar, Theophilus und Adam geschenkt. Bei oder nach der Geburt des letzten Kindes, verstarb seine Frau 1544. 1548 heiratete er Afra (Affra) Weißmann verwitwete Scherer. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Martin, Nikolaus, Katharina und Philipp hervor. - 1528 wurde ein Vertrag zwischen dem Mainzer Erbstift und Hessen geschlossen. Der zweite Reichstag in Speyer war im März/April 1529, die katholischen Stände protestierten dort gegen die reformatorischen Veränderungen in Hessen und in anderen evangelischen Fürstentümern. In Marburg plante Philipp von Hessen die Gebeine der hl. Elisabeth von Hessen zu begraben, um damit die Verehrung ihrer Reliquien zu beenden. Die Marburger Prediger Erhard Schnepf, Hartmann Ibach, Johannes Rosenweber und Adam Krafft teilten am 10. Juni 1529 dem Landgrafen ihre Bedenken mit und rieten ihm, das Vorhaben zu überdenken und vorerst aufzuschieben. Der Landgraf ließ dann erst am 18. Mai 1539 nach einem feierlichen Gottesdienst in Anwesenheit zahlreicher Adliger, Professoren und Bürger den Elisabethschrein öffnen und die darin enthaltenen wenigen Gebeine und die Schädelreliquie auf das Marburger Schloß bringen. Später wurden die Gebeine auf dem Friedhof der Michaeliskapelle vergraben, wo sie nicht mehr auffindbar waren. Krafft rechtfertigte dieses Vorgehen theologisch. - Vom 1.-4. Oktober 1529 fand in Marburg das Religionsgespräch über das Abendmahl statt. Philipp von Hessen hatte zu diesem Gespräch eingeladen und hoffte, den seit 1525 schwelenden Streit zu beenden. Gesprächspartner waren Martin Luther, Justus Jonas und Philipp Melanchthon aus Wittenberg, Andreas Osiander aus Nürnberg, Stephan Agricola aus Augsburg und Johannes Brenz aus Schwäbisch Hall. Eine weitere Gruppe kam mit Johannes Oekolampad aus Basel, Ulrich Zwingli aus Zürich sowie Martin Bucer und Caspar Hedio aus Straßburg. Unter den Gesprächspartnern war auch Adam Krafft. In 14 Artikeln über wichtige Lehrstücke wurde zwischen dem lutherischen und dem reformierten Lager Übereinstimmung erzielt. Im 15. Artikel "Vom Abendmahl" wurde die scharfe gegenseitige Ablehnung zumindest gemindert, eine Einigung aber nicht erzielt. - 1530 wurde die erste hessische Kastenordnung eingeführt, bei der Krafft entscheidend mitwirkte hatte. Die Kastenordnung entstand wohl zwischen dem 30. Januar und dem 1. Mai 1530. Sie enthielt 26 Punkte. Die kirchlichen Finanzen wurden neu geregelt. Der Gotteskasten diente nun der Besoldung der Pfarrer und Schulmeister und der Unterstützung der würdigen Armen und Kranken. Die Kasse wurde vom Pfarrer und vom Kastenmeister verwaltet. Die Kastenordnung wurde in den folgenden Jahren mehrfach überarbeitet, die folgende wurde am 17. Januar 1533 veröffentlicht. Im Juni 1530 war der Reichstag in Augsburg mit der Übergabe der Confessio Augustana am 25. Juni 1530. Krafft unterstützte 1530/1531 die Einführung der Reformation in Göttingen. - 1530 wurde Krafft Superintendent der Superintendentur Marburg durch einen "Gewaltbrief" von Philipp von Hessen. Der Bezirk Marburg bestand aus den Ämtern Driedorf, Marburg, Blankenstein, Biedenkopf, Battenberg, Frankenberg, Wolkersdorf, Hessenstein, Rostenthal, Schönstein, Wetter, Kirchhain, Allendorf an der Lumbda, Staufenberg, Gießen und Königsberg. Im gleichen Jahr erscheinen fünf weitere Superintendenten: Johannes a Cempis in Kassel, Georg Möller in Rotenburg an der Fuld, Tilemann Schnabel in Alsfeld, Gerhard Eugenius Ungefug in St. Goar, Nikolaus Maurus und später Bernhard Weigersheim in Darmstadt. Die Superintendenten wurden 1530 ernannt, die Ernennung aber erst am 22. Juli 1531 in einem Ausschreiben niedergelegt. Die sechs Superintendenten waren ranggleich. Die Aufgabe, die Krafft bis dahin allein hatte, verteilte sich nun auf sechs Personen. Die sechs Superintendenten kamen jährlich mit Vertretern ihrer Diözesen zu Generalsynoden zusammen. - Ab 1531 begann Philipp von Hessen die bereits vorhandenen Hospitäler neu zu organisieren. Er stimmte einer neuen Ordnung für das bereits bestehende Hospital Gudensberg zu, die ihm Adam Krafft vorlegte. Krafft und Heinz von Lüder entwickelten sich zu Fachleuten des hessischen Spitalwesens. Sie besuchten ab 1532 die bestehenden Hospitäler, Siechenhäuser und Einrichtungen. Der Landgraf erließ am 29. Oktober 1532 eine Verfügung betreffend die Visitationen der Spitäler und Kästen, die zunächst an Krafft und von Lüder gerichtet war. Beide wiesen die Spitalmeister in die neuen Hospitalordnungen ein und stellten die Spitäler unter die neue Aufsicht der Landesherrschaft. Philipp von Hessen befahl allen Beamten, Pfarrern, Kastenmeistern und Spitalmeistern, Krafft und von Lüder gehorsam zu sein. - Die erste amtliche Handlung der Superintendenten war 1532 die Unterzeichnung der auf einer Synode in Homberg von Geistlichen beratenen und beschlossenen "Ordnung der Christlichen kirchen im fürstenthumb zu Hessen" in Homberg/Efze. Krafft hatte an der Gottesdienstordnung mitgewirkt. Die Gottesdienstordnung enthielt eine Zusammenstellung der Feiertage und Angaben zur Feiertagsheiligung. Sie handelte von den Wochengottesdiensten, der Kindertaufe, der Eheschließung, der Hochzeitsfeier und von den Krankenbesuchen der Pfarrer. Es ging um Fragen der Kirchenzucht, um Bann, Abendmahlsverhör, die Katechismusprüfung für alle Abendmahlsgäste und die Beichtfeier am Samstagabend. - - 1533 wirkte Krafft an der Reformation in Höxter mit. Im Herbst 1535 befürwortete Krafft die Pläne einer Restitution des Bartholomäusstiftes. 1536 wurde die Wittenberger Konkordie in Hessen eingeführt. 1537 unterzeichnete Krafft zusammen mit den hessischen Theologen Johannes Draconites (Drach) aus Marburg, Antonius Corvinus (Rabe) aus Witzenhausen und Dionysius Melander aus Kassel die Schmalkaldischen Artikel. Sie taten das als Ausdruck ihrer persönlichen Überzeugung, nicht als offizielle Bekenntnisurkunde. 1537 wurde die Wahl-, Visitations- und Synodalordnung in Hessen eingeführt. - Von 1538 bis 1540 gestaltete Martin Bucer die hessische Kirche mit. Philipp von Hessen war seit 1529 mit Bucer in Briefwechsel, Bucer hatte am Religionsgespräch 1529 teilgenommen. Bucer schuf in Hessen in der Auseinandersetzung mit den Täufern 1539 die Ziegenhainer Zuchtordnung. Philipp von Hessen ging es darum, die Täufer zu überzeugen, nicht zu verfolgen. Bucer führte im Spätherbst 1538 Gespräche mit ihnen, Krafft hatte Anteil an der Lösung der Täuferfrage. Den Täufern ging es um Ordnung und Zucht, Bucer nahm diese Forderung auf. In der "Ordenung der Christlichen Kirchenn zucht, Für die Kirchen im Fürstenthumb Hessen" (Ziegenhainer Zuchtordnung, beraten am 25. November 1538, veröffentlicht 1539) und in der "Ordnung der Kirchenübung für die Kirchen zu Kassel" (Kasseler Kirchenordnung, 1539) löste Bucer die Ausübung der Kirchenzucht aus den Polizeiordnungen heraus und überließ sie den Kirchengemeinden. Adam Krafft gehörte zu den Unterzeichnern. Große Bedeutung bekamen die Einführung des Ältestenamts, die Bestimmungen über die Kirchenzucht und die Einführung der Konfirmation. - Krafft nahm am Wormser Religionsgespräch teil, das vom 28. Oktober 1540 bis zum 18. Januar 1541 stattfand und am Regensburger Religionsgespräch 1540. 1542/1543 beriet Krafft die freie Reichsstadt Wetzlar bei der Einführung der Reformation, seit dem 24. Juli 1541 war Philipp von Hessen der Schutzherr Wetzlars. Zur gleichen Zeit war Krafft auch in Gesprächen mit Gießen. 1543 bat Graf Wolrad II. Krafft nach Korbach. Er predigte mehrmals in der Kilianskirche. In Anlehnung an die Kastenordnung des Wildunger Reformators Johann Trygophorus (Hefentreger) half Krafft bei der Entstehung der Korbacher Kastenordnung. 1544 wurde die Reformation in Korbach eingeführt. - Am 4. März 1540 ließ sich Philipp in Rotenburg/Fulda bei Lebzeiten seiner Gemahlin Christine von Sachsen mit Margareta von der Saale trauen. Die Doppelehe fand mit Luthers Einverständnis und in Melanchthons Gegenwart statt. 1546 verhängte Kaiser Karl V. über Philipp von Hessen und Friedrich von Sachsen die Reichsacht. Im folgenden Schmalkaldischen Krieg 1546/1547 verloren die Protestanten. Am 19. Juni 1547 ergab sich Philipp von Hessen in Halle Kaiser Karl V. Die kaiserlichen Truppen zerstörten die landgräflichen Festungen in Rüsselsheim, Gießen und Kassel, die Festung Ziegenhain besetzten sie nicht. Karl V. verordnete den Evangelischen nach der Niederlage des Schmalkaldischen Krieges 1548 das Augsburger Interim. Mit einigen Ausnahmen sollten die katholischen Verhältnisse wieder hergestellt werden. Philipp von Hessen unterschrieb im Gefängnis das Augsburger Interim. Die Pfarrer und die Gemeinden in Hessen weigerten sich jedoch, das Interim durchzuführen. Landgräfin Christine und Sohn Wilhelm, der die Regentschaft übernommen hatte, lehnten das Interim ab. Wilhelm berief sich dabei auf seine Konfirmation. Der evangelische Glaube blieb in Hessen verwurzelt. Philipp ordnete an, daß die Geistlichen, die sich weigerten das Interim anzunehmen, auf seine Kosten bezahlt wurden. Im August 1549 wandte er sich schließlich selbst von dieser "religiösen Zwischenlösung" ab. In der Zeit des Interims konnte Krafft positiv wirken. Seine Persönlichkeit hat in Oberhessen Gemeinden, Pfarrer und Beamte zum Widerstand gegen das Interim geeint. Philipp von Hessen kann 1552 wieder frei. - 1545 war Krafft in Oberbreidenbach, es ging ihm wohl mit anderen zusammen darum, daß nichts vom Kirchengut aus katholischer Zeit verschleudert wurde. 1547 wirkte Kraft bei den Verhandlungen gegen Theobald Thamer mit. Thamer (1502-1569) stammte aus dem Elsaß, er hatte in Wittenberg mit finanzieller Unterstützung des Landgrafen Philipp von Hessen Theologie studiert, war Griechischlehrer in Frankfurt/Oder gewesen und wurde 1543 von Philipp als Theologieprofessor und Prediger an der Elisabethkirche nach Marburg gerufen. Als strenger Lutheraner kam Thamer 1544 mit Andreas Hymerius in Konflikt über das Abendmahl. Nach schlimmen Erlebnissen als Feldprediger 1546/1547 zweifelte Thamer, ob allein der Glaube gerecht macht. Thamer polemisierte gegen einen werklosen Glauben und damit gegen das "sola fide" der lutherischen Rechtfertigungslehre. Thamers 1548 verfaßtes Glaubensbekenntnis bedeutet die Lösung von der Lehre der Reformation. Die protestantischen Theologen sahen durch die Betonung der guten Werke durch Thamer das Verdienst Christi geschmälert. Auch Krafft verfaßte in diesem Streit 1548 ein Bekenntnis. Thamer wurde nach vielen Auseinandersetzungen, vor allem mit Drach und Krafft, und etlichen Verweisen am 8. August 1549 wegen seiner Gedanken bis zur Rückkehr Philipps von Hessen beurlaubt. - Zur Hochzeit seiner Tochter Charitas lud Krafft Graf Wolrad II. von Waldeck ein. Immer wieder waren Gutachten anzufertigen, 1548 etwa zu der Frage, ob ein Evangelischer das Abendmahl unter einerlei Gestalt nehmen dürfe. 1549 wirkte Krafft bei der Abfassung des Marburger Gesangbuchs mit. Am 21. Mai 1554 war er mit Caspar Kauffunger und Andreas Hyperius hessischer Delegierter beim Naumburger Konvent. 1557 trat die Marburger Kirchenordnung in Kraft, bei der mitgewirkt hatte. Krafft starb am 9. September 1558 in Marburg an Wassersucht im Alter von 65 Jahren. Der Marburger Pfarrer Nikolaus Roding hielt den Trauergottesdienst am 11. September 1558, der Kasseler Superintendent Bartholomäus Meyer die Leichenpredigt. Krafft wurde in der Pfarrkirche in Marburg beigesetzt. Seine Grabstelle ist heute nicht mehr lokalisierbar. - Krafft hat große Bedeutung als Theologe, Visitator, Superintendent, Professor, Reformator und Organisator der kirchlichen Neuregelung in Hessen. Er wirkte zumeist in Hessen. Im Auftrag von Philipp von Hessen nahm Krafft jedoch wiederholt an auswärtigen Missionen teil. Er hat bei der Einführung der Reformation in Göttingen, in der Grafschaft Waldeck, Höxter, in Nassau-Usingen, in Nassau-Weilburg, Frankfurt am Main und in der Grafschaft Wittgenstein mitgewirkt. Er trug die Last mehrerer Ämter, hatte offensichtlich eine ausstrahlende Wirkung, war oft zum Gespräch bereit war und auf Ausgleich bedacht. Krafft war Lehrer von Daniel Greser. Die evangelische Kirche Fuldas hat ihm zu Ehren ihr Gemeindehaus 1983 in "Adam-Krafft-Haus" umbenannt.

Werke: Vorrede zu Antonius Corvinus "loci doctrinarum in evangelia cum dominicalia, tum de sanctis annototis. Marburg, 1536; - Ein kurz einfeltig Bekenntnis des Glaubens, den Fürstlichen Rethen zu Marpurgk auff jr beger vbergeben. 1548, gedruckt Eisleben 1564.

Lit.: Meyer, Bartholomäus: Oratio funebris in obitum Adami Vegetii. Marburg, 1558; - Strieder, Friedrich Wilhelm, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte. Band. 2. Göttingen, 1781ff, 378-385; - Justi, Karl Wilhelm: Hessische Denkwürdigkeiten. Band 2. Marburg, 1800; - Hassencamp, Friedrich Wilhelm: Hessische Kirchengeschichte seit dem Zeitalter der Reformation. Band 1. Frankfurt am Main, 1864; - Heppe, Heinrich: Kirchengeschichte beider Hessen I. Marburg, 1876. - Anonym: Adam Krafft. In: Buchonia. Fulda, 1881; - S., J.: Schenkungsbrief Landgraf Philipps des Großmütigen [für Adam Krafft], in: Hessenland 9 (1895), 79-80; - Herrmann, Fritz: Hessisches Reformations-Büchlein für Schule und Haus. Marburg, 1904; - Küch, Friedrich: Landgraf Philipps Entscheidung und Anteilnahme an der Einführung der Reformation in Hessen. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 38 (1904), 210-242; - Schaefer, Friedrich Wilhelm: Adam Krafft, der Reformator Hessens. Bildungsgang und Wirksamkeit bis zum Jahre 1530. Darmstadt, 1911; - Schaefer, Friedrich Wilhelm: Adam Krafft, der Reformator Hessens. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde 8, Heft 1 (1912), 1-46, 67-110; - Eger, Karl; Friedrich, Julius: Kirchenrecht der evangelischen Kirche im Großherzogtum Hessen I. Darmstadt, 1914; - Sohm, Walter: Territorium und Reformation in der hessischen Geschichte 1526-1555. (VHKHW 11,1). Marburg, 1915; Schmitt, Wilhelm: Die Synode zu Homberg und ihre Vorgeschichte. Homberg, 1926; - Diehl, Wilhelm: Evangelische Bewegung und Reformation im Gebiet der heutigen hessen-darmstädtischen Lande. Darmstadt, 1926; - Buchberger, Michael: Art.: Krafft. In: Lexicon für Theologie und Kirche. 2. Aufl. 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Frank Rudolph

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Letzte Änderung: 28.12.2009