Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band IV (1992) Spalten 650-652 Autor: Konrad Hilpert

KREUTZ, Benedict, zweiter Präsident des Deutschen Caritasverbandes (DCV), * 15.1. 1879 als Sohn einer Handwerkerfamilie in St. Peter (Schwarzwald), † 25.7. 1949 in Freiburg i.Br. - Nach dem Abitur in Freiburg studierte B.K. zunächst in Eichstätt Philosophie, danach katholische Theologie in Freiburg. Den Kaplansjahren (Priesterweihe 1902) in Birndorf, Durlach und Freiburg folgte das Pfarramt in der Industriegemeinde Untergrombach bei Bruchsal (1910, nominell bis 1920); seit 1915 war B.K. vorwiegend als Feldgeistlicher im Einsatz, u.a. in Polen und Finnland. Die Aufgeschlossenheit für soziale Fragen führte schon seit der Studienzeit zur Mitarbeit und nachdrücklichen Förderung kirchlicher Arbeiter- und Caritasvereine, schließlich zum Aufbau eines vorbildlichen sozialen Zentrums mit Kindergarten, Krankenpflegestation, Volksbad, Bibliothek und Schulungsraum (Elisabethenhaus in Untergrombach). Aus dem Krieg heimgekehrt wurde B.K. 1919 mit der Einrichtung und Leitung der Hauptvertretung des DCV in Berlin betraut. Diese Tätigkeit erlaubte ihm, zahlreiche Kontakte zu Ministerien, Verbandsleitungen und Entscheidungsträgern zu knüpfen, die ihm und über ihn auch dem deutschen Episkopat später von größtem Nutzen waren. Nebenbei konnte er an der Universität Berlin Volkswirtschaft studieren; diese Studien fanden ihren Abschluß mit einer Dissertation über die Wohlfahrtspflege im ländlichen Raum, mit der B.K. 1922 von der Universität Münster zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Bereits im Jahr zuvor war B.K. in die Zentrale des DCV nach Freiburg berufen worden, um die Nachfolge von L. Werthmann als Präsident anzutreten. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod aus. - B.K. war eine energische und markante Persönlichkeit, die ihre Ziele mit unbeirrbarer Beharrlichkeit, Klugheit und organisatorischem Geschick verfolgte. Seine Präsidentschaft umfaßt eine Zeit schwerster Herausforderungen sozialer und politischer Art: Zweimal mußten die vielfältigen materiellen und sozialen Folgenöte eines verlorenen Kriegs aufgefangen und gelindert werden. Durch die von B.K. betriebene fachliche Strukturierung des Verbands, die Setzung von Prioritäten für dessen Arbeit und den Aufbau eines dichten Netzes von Aus- und Fortbildungsangeboten (von besonderer Bedeutung: die Gründung des Seminars für Wohlfahrtspfleger, des Jugendleiterinnen-Seminars und des Seminars für Seelsorgehilfe [alle in Freiburg], die Mitgründung des Instituts für Caritaswissenschaft an der Universität Freiburg, die Gründung des Caritas-Instituts für Gesundheitsfürsorge in Köln-Hohenlind) wurde der DCV zu einem der leistungsfähigsten und weit über den katholischen Raum hinaus anerkannten Träger der freien Wohlfahrtspflege. Darüber hinaus konnte B.K. mittels zahlreicher Denkschriften und Gutachten, die bei ihm eingeholt wurden, die Wohlfahrtsgesetzgebung der Weimarer Republik mitgestalten. Außerdem setzte er sich für die Zusammenarbeit mit der Inneren Mission sowie den anderen Verbänden der Wohlfahrtspflege ein und war einer der Initiatoren zur Gründung der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege. Auch beim Aufbau der internationalen Caritas war B.K. eine treibende Kraft. Die starke Stellung des Verbands im Verein mit dem taktischen Geschick seines Präsidenten ließen den DCV die politische Bedrängnis bestehen. Trotz Ohnmacht gegenüber staatlichen Anordnungen (zwischen 1939 und 1941 fielen allein aus katholischen Anstalten etwa 12 Tausend Behinderte und Erbkranke den nationalsozialistischen Euthanasiemaßnahmen zum Opfer!), schmerzlichen Einschränkungen und andauerndem Argwohn gelang es, den DCV vor der Gleichschaltung zu bewahren, ohne ihn in seiner grundsätzlichen Zielsetzung und in seiner kirchlichen Einbindung zu kompromittieren. Das wirkte sich in den ersten Jahren nach 1945 besonders segensreich aus, als der DCV neben dem Hilfswerk der Evang. Kirche die einzige noch funktionsfähige Wohlfahrtsorganisation mit einem flächendeckenden Netz war, über das jetzt ein Großteil der Hilfe aus dem Ausland gezielt an die Endempfänger verteilt werden konnte. - Der unermüdliche und mutige persönliche Einsatz von B.K. und seine Verdienste um die Schaffung einer leistungsfähigen kirchlichen Liebestätigkeit erfuhren zu Lebzeiten zahlreiche kirchliche und staatliche Ehrungen. 1942 wurde er zum Apostolischen Protonotar ernannt; 1947 verlieh ihm die Theologische Fakultät der Universität Freiburg die theologische Ehrendoktorwürde.

Werke: Das Gemeindeheim auf dem Lande. Eine Studie über seine Geschichte, soziale und ökonomische Bedeutung und Durchführbarkeit (Diss. Münster), 1922; Art. Caritas und Deutscher Caritasverband, in: Handwörterbuch der Wohlfahrtspflege, hrsg. v. O. Karstedt u.a., 1924, 102-110; Die sozial-caritative Bedeutung der Bodenreform, 1925; Caritasarbeit im neuen Deutschland, in: Soziale Arbeit und Gemeinschaft, hrsg. v. H. Althaus, 1936, 244-255; zahlreiche Reden, Referate, Stellungnahmen, Ansprachen und kurze Beiträge finden sich in der Zeitschrift Caritas 16, 1910-47, 1946.- Maschinenschriftliche Bibliographie B.K. (bis 1939), zusammengestellt v. H. Rolfes (64 S.), im Archiv des DCV in Freiburg.

Lit.: B.K. zum Gedenken, hrsg. v. Karl Borgmann, o.J. (1949); - Karl Borgmann, Dr. Kreutz, Benedikt, in: Freiburger Diözesan-Archiv 71, 1951, 233-236; - ders., B.K. Zur 10. Wiederkehr seines Todestages, in: Caritas 60, 1959, 231-236; - Gustav v. Mann-Tiechler, B.K. (1879-1949), in: ders., Menschen als Helfer, 1966, 23-27; - Hans-Josef Wollasch, Beiträge zur Geschichte der deutschen Caritas in der Zeit der Weltkriege. Zum 100. Geburtstag von B.K., 1978; - ders., B.K. (1879-1949), Präsident des Deutschen Caritasverbandes, 1979; - ders., B.K. (1879-1949), in: Zeitgeschichte in Lebensbildern, hrsg. v. J. Aretz, R. Morsey, A. Rauscher, Bd. V, 1982, 118-133; - LThK2 VI, 605 (Borgmann); - Badische Biographien. NF I, 193-195 (Wollasch); - StL7 III, 701-703 (Wollasch).

Konrad Hilpert

Werkeergänzung:

1919

Das deutsche Auswanderungsproblem. In: Raphaels-Blatt. 30. Jg. Nr. 1/2 (Juli/August 1919), S. 14-17; Das Reichswanderungsamt. In: Raphaels-Blatt. 30. Jg., Nr. 1/2 (Juli/August 1919), S. 29-31; Wer allein darf ungestraft den Heimatboden verlassen. In: Raphaels-Blatt. 30. Jg., Nr. 3-5 (1919), S. 41-44; Inlandsiedlung. In: Ebd. 60-65;

1928

Caritasverband und Auslandsdeutschtum in der Vorkriegszeit. In: Ludwig Schade (Hrsg.), Jahrbuch des Reichsverbandes für die katholischen Auslandsdeutschen 1927/28, Münster 1928, 69-76;

1933

Vom Sinn und Wert konfessioneller Liebestätigkeit. In: Soziale Praxis. Jg. 42, H. 19 (11. Mai 1933), Sp. 569-575.

Literaturergänzung:

1998

Hans-Josef Wollasch: Kreutz, Benedict - zweiter Präsident des Deutschen Caritasverbandes e.V. (DCV). iN. Hugo Maier (Hg.), Who is who der Sozialen Arbeit 1998. S. 328-330; - Manfred Hermanns: Heinrich Weber. Sozial- und Caritaswissenschaftler in einer Zeit des Umbruchs. Würzburg 1998, insbes. S. 64-66 und S. 80-81; -

2008

Catherine Maurer: Der Caritasverband zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik. Freiburg i.Br. 2008.

Letzte Änderung: 28.07.2010