LADISLAUS I. König von Ungarn. * 1040, † am 29. Juli 1095, zweiter
Sohn des Königs Béla I. (1060-1063) und der Tochter des polnischen
Herzogs Mieszko II., Richeza (Rixa). Schon als Prinz spielte er in
der Landespolitik eine bedeutende Rolle und verhalf seinem älteren
Bruder Géza I. (1074-1077) zum Thron. Nach dessen Tod, 1077, selber
zum König erhoben, wurde er durch seine majestätische Erscheinung,
ritterliche Tugenden und staatsmännischen Fähigkeiten Inbegriff des
christlichen Herrscherideals. Er wehrte die Einbrüche der heidnischen
Kumanen 1085 und 1091 erfolgreich ab; durch seine geschickte Außenpolitik
festigte er die internationale Lage Ungarns gegenüber Ansprüchen des
Deutschen Reiches und baute die königliche Zentralgewalt mit Hilfe
einer modernen Gesetzgebung und der Stärkung des feudalen Eigentums
kräftig aus. Als der kroatische König Zvonimir 1089 starb, rief seine
Witwe Jelena (Ilona), die ältere Schwester L.s, diesen nach Kroatien.
L. eroberte zwischen 1089 und 1091 das Land, die Kroaten erkannten
die Herrschaft des ungarischen Königs aber erst 1102 an. L. vollendete
die hierarchische Struktur Ungarns (Großwardein, Zagreb), förderte
durch Klostergründungen (Somogyvár, Szentjobb) die kirchliche Kunst
und Kultur, unterstützte die gregorianische Reformbewegung (Synode
zu Szabolcs 1092) und ließ 1083 Stephan I., dessen Sohn Emmerich sowie
den Märtyrerbischof Gerhard (+ 1046) heiligsprechen. Aus seiner
Ehe mit Adelhaid, der Tochter des deutschen Gegenkönigs Rudolf von
Rheinfeld stammten zwei Töchter: die eine (Piroska = Irene) wurde
die Frau des byzantinischen Kaisers Johannes Komnenos, die andere,
die des russischen Fürsten Jaroslaw. Seine Ruhestätte in der von ihm
erbauten Kathedrale zu Großwardein, wurde für Jahrhunderte bevorzugter
Ort von Pilgerfahrten. 1192 von Coelestin III. heiliggesprochen (Fest
am 27. Juni), lebte seine ritterliche Gestalt in zahlreichen Legenden
weiter. Sein Kult blühte besonders im 14. - 15. Jahrhundert (Münzen,
Altäre, Bilder, Statuen usw.), er ist aber auch heute noch einer der
populärsten Heiligen Ungarns, wie auch die zahllosen Vornamen -László-
beweisen.
Lit.: Legenda major, legenda minor der Vita S. Ladislai
regis, deutsch: Bogyay, Thomas-Bak, János-Silagi, Gabriel, Die Heiligen
Könige (= Ungarns Geschichtsschreiber Bd. 1.) Graz-Wien-Köln 1976.
147-193; - Karácsonyi, János, Szent László király élete (Das Leben
des hl. Königs Ladislaus). Budapest 1926; - Szilárd, Leó, Szent
László a magyar lirában (Der hl. Ladislaus in der ungarischen Lyrik)
Pécs 1926; - Horváth, Cyrill, Szent László legendáinak eredetéröl
(Entstehung der Ladislauslegenden). Budapest 1928; - Lukcsics,
Pál, Szent László király ismeretlen legendája (Eine ungekannte Legende
des Hl. Ladislaus). Budapest 1930; - Pintér, László, St. Ladislaus.
König, Held und Heiliger. Budapest 1942; - Toldy, László, Szent
László király élete (Leben des heiligen Königs Ladislaus). Budapest
1946; - Mezey, László, (Hrsg.), Athleta Patriae. Tanulmányok Szent
László történetéhez (Beiträge zur Geschichte des Hl. Ladislaus). Budapest
1980.
Gabriel Adriányi
Literaturergänzung:
Vita sancti Ladislai confessoris regis Hungariae (†1095) accedente appendice sermonem Leonardi Praxatoris de sancto Ladislao continente, ed. István Hajdú in: Cahiers de l'Institut du moyen-âge grec et latin 77 (a. 2006), p. 3-83.