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Band IV (1992) Spalten 967-968 Autor: Gabriel Adriányi

LADISLAUS I. König von Ungarn. * 1040, † am 29. Juli 1095, zweiter Sohn des Königs Béla I. (1060-1063) und der Tochter des polnischen Herzogs Mieszko II., Richeza (Rixa). Schon als Prinz spielte er in der Landespolitik eine bedeutende Rolle und verhalf seinem älteren Bruder Géza I. (1074-1077) zum Thron. Nach dessen Tod, 1077, selber zum König erhoben, wurde er durch seine majestätische Erscheinung, ritterliche Tugenden und staatsmännischen Fähigkeiten Inbegriff des christlichen Herrscherideals. Er wehrte die Einbrüche der heidnischen Kumanen 1085 und 1091 erfolgreich ab; durch seine geschickte Außenpolitik festigte er die internationale Lage Ungarns gegenüber Ansprüchen des Deutschen Reiches und baute die königliche Zentralgewalt mit Hilfe einer modernen Gesetzgebung und der Stärkung des feudalen Eigentums kräftig aus. Als der kroatische König Zvonimir 1089 starb, rief seine Witwe Jelena (Ilona), die ältere Schwester L.s, diesen nach Kroatien. L. eroberte zwischen 1089 und 1091 das Land, die Kroaten erkannten die Herrschaft des ungarischen Königs aber erst 1102 an. L. vollendete die hierarchische Struktur Ungarns (Großwardein, Zagreb), förderte durch Klostergründungen (Somogyvár, Szentjobb) die kirchliche Kunst und Kultur, unterstützte die gregorianische Reformbewegung (Synode zu Szabolcs 1092) und ließ 1083 Stephan I., dessen Sohn Emmerich sowie den Märtyrerbischof Gerhard (+ 1046) heiligsprechen. Aus seiner Ehe mit Adelhaid, der Tochter des deutschen Gegenkönigs Rudolf von Rheinfeld stammten zwei Töchter: die eine (Piroska = Irene) wurde die Frau des byzantinischen Kaisers Johannes Komnenos, die andere, die des russischen Fürsten Jaroslaw. Seine Ruhestätte in der von ihm erbauten Kathedrale zu Großwardein, wurde für Jahrhunderte bevorzugter Ort von Pilgerfahrten. 1192 von Coelestin III. heiliggesprochen (Fest am 27. Juni), lebte seine ritterliche Gestalt in zahlreichen Legenden weiter. Sein Kult blühte besonders im 14. - 15. Jahrhundert (Münzen, Altäre, Bilder, Statuen usw.), er ist aber auch heute noch einer der populärsten Heiligen Ungarns, wie auch die zahllosen Vornamen -László- beweisen.

Lit.: Legenda major, legenda minor der Vita S. Ladislai regis, deutsch: Bogyay, Thomas-Bak, János-Silagi, Gabriel, Die Heiligen Könige (= Ungarns Geschichtsschreiber Bd. 1.) Graz-Wien-Köln 1976. 147-193; - Karácsonyi, János, Szent László király élete (Das Leben des hl. Königs Ladislaus). Budapest 1926; - Szilárd, Leó, Szent László a magyar lirában (Der hl. Ladislaus in der ungarischen Lyrik) Pécs 1926; - Horváth, Cyrill, Szent László legendáinak eredetéröl (Entstehung der Ladislauslegenden). Budapest 1928; - Lukcsics, Pál, Szent László király ismeretlen legendája (Eine ungekannte Legende des Hl. Ladislaus). Budapest 1930; - Pintér, László, St. Ladislaus. König, Held und Heiliger. Budapest 1942; - Toldy, László, Szent László király élete (Leben des heiligen Königs Ladislaus). Budapest 1946; - Mezey, László, (Hrsg.), Athleta Patriae. Tanulmányok Szent László történetéhez (Beiträge zur Geschichte des Hl. Ladislaus). Budapest 1980.

Gabriel Adriányi

Literaturergänzung:

Vita sancti Ladislai confessoris regis Hungariae (†1095) accedente appendice sermonem Leonardi Praxatoris de sancto Ladislao continente, ed. István Hajdú in: Cahiers de l'Institut du moyen-âge grec et latin 77 (a. 2006), p. 3-83.

Letzte Änderung: 09.09.2008