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Verlag Traugott Bautz
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LAURENTIUS von Rom, heilig (Fest 10. August), Diakon. - 257 erließ Kaiser Valerian ein Edikt, das unter Androhung der Todesstrafe die Feier des christlichen Kultes und die Versammlungen der Christen in den Katakomben verbot. Eine Verschärfung stellte im Jahr darauf ein weiterer Erlaß des Kaisers dar, nach dem alle christlichen Amtsträger (Papst, Bischöfe, Priester und Diakone) bei ihrer Ergreifung sofort hinzurichten waren. Cyprian von Karthago bezeugt, daß Papst Sixtus II. gemeinsam mit einigen Diakonen beim Gottesdienst in der Calixtus-Katakombe überrascht wurde. Mit dem Papst starben vier der Diakone (vgl. Epist. LXXX, 1). Der Name des L. begegnet hier noch nicht. Die spätere Überlieferung weiß von zwei weiteren Diakonen, die kurze Zeit darauf aufgegriffen und hingerichtet worden seien. Bei dem zuletzt übriggebliebenen Diakon habe es sich um L. gehandelt. Obwohl keine genaueren historischen Belege vorlagen, gestaltete die Überlieferung die Passio des L. im Lauf der Zeit immer weiter aus. Aufgrund der Tatsache der frühen Bezeugung wird man von einem historischen L. ausgehen müssen, dessen Zeugnis tiefen Eindruck bei der römischen Gemeinde hinterlassen hatte. Der nicht ganz zuverlässige Liber Pontificalis (1. Redaktion 530-532) kennt als Todestag den 10. August 258. Bereits die »Depositio martyrum« von 354 kannte jedoch schon sein liturgisches Gedächtnis im »Coemeterim an der Straße nach Tibur« (Via Tiburtina). In den Epigrammen Damasus' (366-384) heißt es, er sei durch Geißelhiebe, Henkersknechte, Flammen, Folter und Gefängnis umgekommen. Ambrosius deutete die ihm vorliegende Passio - sie trug vermutlich schon legendarische Züge - als Tod auf dem Feuerrost. Noch in seinen Qualen habe der Diakon die Kraft zu scherzenden Worten aufgebracht (vgl. De officiis I, 41, II, 8; Ep. XXXVII, 36). Ähnliches berichtet Prudentius in Peristephanon II. Über Augustinus (Ser. 302-305) und Maximus von Turin (Hom. 71) erfolgte die weitere Überlieferung. Die römische Gemeinde brachte dem Gedenken des L. nach dem Fest der beiden Apostel Petrus und Paulus die größte Verehrung entgegen. Konstantin hatte eine Basilika in der Nähe seines Grabes errichten lassen, die durch einen besonderen Gang mit der Gruft verbunden war. Mehrfach erweitert ist San Lorenzo fuori le mura heute eine der sieben Hauptkirchen Roms. Zahlreiche Kirchen übernahmen das Patrozinium und sorgten, gemeinsam mit der Aufnahme L.s in den Kanon der Messe für eine weitverbreitete Verehrung des Heiligen. Eine spätere Hinzufügung ist die spanische Herkunft des L. Sixtus II. habe ihn auf dem Weg zum Konzil von Toledo kennengelernt (das erste fand 589 statt!). Wegen der relativ späten Identifizierung mit dem übriggebliebenen Diakon gewinnt die These an Glaubwürdigkeit, L. stehe gar nicht mit Sixtus II. in unmittelbarer Verbindung, er habe vielmehr sein Leben erst bei der Verfolgung durch Diokletian (um 305) verloren. Weitere Ereignisse trugen später zur Intensivierung der L.-Verehrung bei: Der Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld (10.8. 955) sorgte für eine Verbreitung im deutschsprachigen Raum; Philipp II. von Spanien legte den Escorial in Form eines Rostes an und gedachte damit seines Sieges über die Franzosen (10.8. 1557). Das L.fest hatte schon früh eine Vigil (4. Jahrhundert), eine Oktav (seit 600). Beide entfielen erst durch die Neuordnung von 1969. Es existiert eine griechische Übertragung der Passio. L. wird als junger, bartloser und barhäuptiger Diakon mit Dalmatik dargestellt. Seine Attribute sind der Rost (vgl. Mosaik im Mausoleum der Galla Placidia, Ravenna, Mitte 5. Jahrhundert), ein Kelch mit Goldstücken bzw. einer Börse (der Legende nach verteilte L. das Kirchenvermögen an die Armen, den »wahren« Schatz der Kirche, statt es an den Kaiser auszuliefern), ein Buch (L. als Verwalter der liturgischen Kirchenbücher), ein Prozessionskreuz, die liturgischen Geräte des Diakons (so im Osten), die Palme, die ihm ein Engel beim Martyrium überreichte. Er ist der Patron der Armen, der Bibliothekare, der Köhler und Bäcker, der Köche und Glasbläser; er wird angerufen gegen Verbrennungen, Fieber, Hexenschuß und Feuersgefahr. Das einstmals reichentwickelte Brauchtum ist heute verkümmert.
Lit.: AASS, Aug. II. (1751, 1867), 485-532; - BHL, 4752 (Prudentius), 4753-4772 (Passio), 4773-4789 (Legenden), Suppl. 19112, 187 f., Novum Suppl. 1986, 518-521; - BHG2, 976-978b; - MartHieron, 431 f.; - MartRom, 332; - Synaxarium CP, 881 f.; - Pio Franchi de' Cavalieri, S. L. e il supplizio della graticola, in: RQ 14 (1900), 159-176; - C. Huelsen, Le chiese di Roma, Rom 1927, 280-297; - E. Schäfer, Die bedeutung der Epigramme des Papstes Damasus für die Gesch. der Hl.verehrung, in: EphLit 46 (1932), 220-227; - H. Delehaye, Recherches sur le légendaire romain, in: AnBoll 51 (1933), 33-98; - V. L. Kennedy, The Saints of the Canon of the Mass, Vatikanstadt 1938, 189 ff.; - Neil Ker, A palimpset in the national liturgy of Scotland. Early fragments of Augustine's »De trinitate«, the »Passio S. L.« and other Texts, in: Edinburgh Bibliographical Society Transactions 3 (1956), 171-178; - Pierre Jounel, L'été 258 dans le calendrier romain, in: La Maison Dieu 52 (1957), 44-58; - A. Paredi, Il Centennario di L. martire romano,in: Vita e Pensiero 41 (1958), 579-589; - Corpus Basilicorum Christianarum Romae, Bd. II, Nr. 1, Vatikanstadt 1959; - G. Eusterschulte, Legendäre Bestandteile des breviers als zeugnisse des Glaubens, in: Lj 11 (1961), 160-162 (zu L.); - J. van den Bosch, De Liturgie van St. L. Martelaar Diaken in het Romeins Missaal, (Diss. Nijmegen) Breda 1963; - François Halkin, Inédits byzantins, Brüssel 1963; - Paul Devos, Les passions grecques de S. L. (BHG3, 977c) et de S. Babylas (BHG3, 2053), in: AnBoll 82 (1964), 132; - Ekkart Sauser, Bekenner seiner Herrlichkeit - das Zeugnis frühchristl. Martyrer, Innsbruck 1964, 73-77; - B. de Caiffier, A propos de l'iconographie de S. L., in: AnBoll 85 (1967), 44; - Lucas Brinkhoff (Hrsg.), Liturgisch Woordenboek, II, Roermond 1965-1968, 1444-1446; - leander petzoldt, L., in: Lex. der christl. Ikonographie, hrsg. von Wolfgang Braunfels, VII, Rom-Freiburg 1974, 374-380; - Ekkart Sauser, Korrektur und Bereicherung der Feier des L.tages, in: Ders., Heilige und Engel im Kirchenjahr, Regensburg 1979, 67-72; - W. McCarthy, Prudentius. Peristephanon 2. Vapor and the martyrdom of L., in: VigChr 36 (1982), 282-286; - Werner Williams-Krapp, die dt. und niederländ. Legendare des MA.s, Tübingen 1986, 431; - Gérard Nauroy, Le martyre de L. dans l'hymnodie et la prédication des IVe et Ve siècles et l'authenticité ambrosienne de l'hymne »Apostolorum supparem«, in: RevEAug 35 (1989), 44-82; - Bächtold-Stäubli V, 924-933; - Baudot-Chaussin VIII, 175-183; - Sandro Carletti/Maria Chiara Celletti, L., in: Bibliotheca Sanctorum VIII, 108-130; - Catholicisme VII, 51-53; - DACL VIII, 1917-1961; - EC VII, 1538-1545; - Künstle II, 396 ff.; - LThK 1VI, 413 f.; - LThK 2VI, 830 f.; - Réau III/2, 787-792; - RGG 3IV, 241; - Wetzer-Welte VII, 1523 f.
Ekkart Sauser
Literaturnachträge:
1986
Karl Böck, Menschen und Heilige. 2. Aufl. Donauwörth 1986, S. 455-458; -
1990
Giovanni N. Verrando, Alla base e intorno alla più antica passio dei santi Abdon e Sennes, Sisto, Lorenzo ed Ippolito, in: Augustinianum 30.1990, S. 145-220; -
2008
Clemens Jöckle, Der hl. L. Diakon u. Märtyrer. Kehl am Rhein 2008.
Letzte Änderung: 04.12.2009