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Verlag Traugott Bautz
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LIPINER, Siegfried; Schriftsteller; * 24.10. 1856 in Jaroslaw (Polen), + 30.12. 1911 in Wien. - Seit 1871 in Wien wohnhaft studierte er dort wie an der Universität Leipzig Philosophie, Literatur- und Naturwissenschaft. Nach der Promotion 1894 betätigt er sich als freier Schriftsteller und Journalist in Wien. Er übersiedelte 1879 nach Straßburg, wo er 1881 Bibliothekar und später Direktor der Bibliothek des Reichsrates wurde. Er verkehrte viel im Kreis seines Freundes Gustav Mahler, v.a. mit R. von Kralik. Mit seinem Epos »Der entfesselte Prometheus« fand er unter anderem Anerkennung bei Nietzsche und suchte 1878 Kontakt zu Richard Wagner. Als Übersetzer der Werke des polnischen Autors Adam Mickiewicz wurde er bekannt und er schrieb das Libretto für Karl Goldmarks Oper »Merlin« (1886). 1891 trat er vom jüdischen Glauben zum evangelischen Bekenntnis über und arbeitete an einer Christustrilogie. Seine guten Konzepte und die durchdachte sprachliche Ausdrucksweise wurden von zu langatmigen Reflexionen belastet.
Werke: Der Entfesselte Prometheus. Eine Dichtung in 5 Gesängen. Leipzig 1876; Renatus. Epische Dichtung. Leipzig 1878; Ueber die Elemente einer Erneuerung religiöser Ideen der Gegenwart. Vortrag gehalten im Leseverein der deutschen Studenten Wien. Wien 1878; Buch der Freude. [Gedichte] Leipzig 1880; Bruder Rausch (Fragment eines Epos) 1883; Merlin. Operndichtung in 3 Akten. Musik von Karl Goldmark. Textbuch. Leipzig 1886; Homunculus. Eine Studie über `Faust' und die Philosophie Goethes. Diss. Wien 1894; Kassandra. Drama 1910; Adam. Ein Vorspiel. Stuttgart 1913, Bern 1974; Hippolytos. Drama 1893; Der neue Don Juan. Trauerspiel in 5 Akten. Stuttgart 1914; Herr Thaddäus oder Der letzte Eintritt in Litauen: ein Epos aus der Napoleonischen Zeit. Von Adam Mickiewicz, übers. von S. L. Freiburg im Breisgau 1951.
Lit.: Brezina, Gabriele; S.L. Eine Monographie. Diss. Wien 1925; Hartungen, Hartmut von; Der Dichter S. L. (1856-1911). Diss. München 1935; - Schein, Ida; Die Gedanken- und Ideenwelt S.L.s. Diss. Wien 1936; - DBE 6, 415; - Biographisches Jahrbuch XVIII 1917, 284-290; - OeBL V, 231; - Kosch, LL3 IX, 1504-1505; - Deutsches Biographisches Archiv MF I 770, 86; - Ejud XI, 278; - JewEnc VII, 72.
Walter Troxler
Textanmerkung
Er übersiedelte 1879 nach Straßburg... dies ist nicht richtig. '1879 war er in Straßburg, anschließend wieder in Wien und arbeitete hier als Journalist. 1881 Bibliothekar, dann Dir. der Bibl. des Reichsrates, um deren Ausgestaltung er sich große Verdienste erwarb.'(Österreichischen Biographischen Lexikon 1815-1950, Hrsg. Österreichische Akademie der Wissenschaften, V. Band, Wien 1972). Lipiner war über 30 Jahre (1881 - 1911) Direktor der Bibliothek des Reichsrates (heute Parlamentsbibliothek) in Wien.
Letzte Änderung: 15.07.2001