Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Nachschlagewerk mit aktuellen Nachträgen
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HAMPE, Karl Ludwig Band XXIV (2005) Spalten 759-761 Autor: Hiram Kümper HAMPE, Karl Ludwig, Historiker, * 3. Februar 1869 in Bremen † 14. Februar 1936 in Heidelberg -

H. entstammte einem eingesessenen, mittelständischen Bürgerhaushalt, sein Vater Heinrich Eduard H. (1817-1903) handelte mit Büchern und Musikalien; seine Mutter Betty, geborene Frieder (1834-1898) stammte ebenfalls aus Bremen. H.s Bruder Theodor Eduard (1866-1933) war ein bekannter Literatur- und Kunsthistoriker (vgl. Wulf Schadendorf, in: NDB 7, 1966, 599f.). Nach Abschluß der Hochschulreife studierte H. ab 1888 zunächst Geschichte und Germanistik in Bonn, ein Jahr später auch Nationalökonomie in Berlin, wo er 1893 von Paul Scheffer-Boichorst mit einer Studie über den letzten Staufer Konradin promoviert wurde. Anschließend wurde H. für fünf Jahre Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica (MGH), für die er unter anderem an maßgeblichen Editionen karolingischer Briefsammlungen mitwirkte. In diesen Zeitraum fielen auch zwei ausgedehntere Archivreisen nach England und Frankreich. 1898 habilitierte sich H. in Bonn und erhielt dort zunächst eine außerordentliche Professur, bevor 1903 der Ruf nach Heidelberg als Nachfolger von Dietrich Schäfers auf eine Professur für Mittlere Geschichte und Historische Hilfswissenschaften erfolgte, wo er bis zu seiner Emeritierung 1934 wirkte. Rufe nach Frankfurt und Berlin (1921) schlug H. zugunsten Heidelbergs aus. Seine über dreißigjährige Lehrtätigkeit am Historischen Seminar hat entscheidend zur Entwicklung von dessen internationalen Ruf beigetragen. In den Jahren 1907/08 und 1921/22 war er dort Dekan, 1924/25 Rektor der Universität. Insgesamt promovierte H. über sechzig Doktoranden; zu seinen Schülern gehören namhafte Historiker wie Friedrich Baethgen oder Percy Ernst Schramm. Als besonders bedeutsam sind seine vielfach neuaufgelegte "Deutsche Kaisergeschichte in der Zeit der Salier und Staufer" (1909) und die "Herrschergestalten des deutschen Mittelalters" (1927) anzusprechen, die durch eine charakteristische Verbindung von genauster Quellenarbeit und literarischem Anspruch gekennzeichnet sind. Seit 1919 hatte sich H. für die nationalliberale DDP engagiert, der er auch nach deren Rechtsorientierung unter Reinhold Maier und Theodor Heuss noch verbunden blieb. 1933/34 ließ er sich unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Regierungsübernahme auf eigenen Wunsch frühzeitig pensionieren.

H. starb am 14. Februar 1936 in seinem Heidelberger Wohnhaus. Sein Nachlaß wurde 2003 von verschiedenen Aufbewahrungsorten in der UB Heidelberg zusammengeführt. Die Kriegstagebücher 1914-1919 sind als eine der wenigen vollständigen, akribisch edierten Tagebücher dieser Zeit 2004 erschienen.

Werke: Geschichte Konradins von Hohenstaufen, Berlin 1894 (Nachdruck mit einem Anhang von Hellmut Kämpf, Leipzig 31942); Kritische Bemerkungen über die Kirchenpolitik der Stauferzeit, in: HZ 93 (1904), 385-426; Eine Schilderung des Sommeraufenthaltes der römischen Kurie unter Innozenz II. in Subiaco 1202, in: Historische Vierteljahrschrift 8 (1905), 509-535; Ungedruckte Briefe zur Geschichte Richards von Cromwell aus der Sammlung Richards von Pofi, in: NA 30 (1905), 673-690; Über die Flugschriften zum Lyoner Konzil von 1245, in: Historische Vierteljahrschrift 11 (1908), 297-313; Die frühesten Stigmatisationen und der hl. Franz von Assisi, in: Internationale Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik 4 (1910), 1485-1494; Miszelle zu Jakobs von Vitry Leben und Werken, in: Archiv für Kulturgeschichte 8 (1910), 217-224; Über eine Ausgabe der Briefsammlung des Cod. lat. 11867 der Pariser Nationalbibliothek (Sbb. d. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 1,8), Heidelberg 1910; Mitteilungen aus der Capuaner Briefsammlung I-IV (Sbb. d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 2,5 / 2,13 / 3,14), Heidelberg 1910-1912; Ein ungedruckter Bericht über das Konklave von 1241 im römischen Septizionum (Sbb. d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 4,1) Heidelberg 1913; Die Schuld der belgischen Regierung. Eine Antwort an Prof. Waxweiler, in: Internationale Monatsschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik 10 (1916), 161-210; Treitschke in London, in: ebd., 865-872; Eine frühe Verknüpfung der Weissagung vom Endkaiser mit Friedrich II. und Konrad IV. (Sbb. d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaft, phil.-hist. Klasse 8,6), Heidelberg 1917; Preußen und die belgischen Festungsverträge von 1818 und 1831 (Sbb. d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaft, phil.-hist. Klasse 8,6), Heidelberg 1918; Der Zug nach Osten. Die kolonisatorische Großtat des deutschen Volkes im Mittelalter (Aus Natur und Geisteswelt 731), Leipzig u.a. 1921; Papst Innozenz IV. und die sizilische Verschwörung von 1246 (Sbb. d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaft, phil.-hist. Klasse 14,8), Heidelberg 1923; Eberhard Gothein. Eine Gedächtnisrede, in: HZ 129 (1924), 476-490; Zur Geschichte Arnolds von Bresica, in: HZ 130 (1924), 58-69; Zur Gründungsgeschichte der Universität Neapel, zugl. Mitteilungen aus der Capuaner Briefsammlung V (Sbb. d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaft, phil.-hist. Klasse 14,10), Heidelberg 1924; Die Aktenstücke zum Frieden von San Germano 1230, hrsg. von K. H. (MGH D 4.4), Berlin 1926; Herrschergestalten des deutschen Mittelalters, Leipzig 1927 (zahlr. Nachdr.); Zur Auffassung der Fortuna im Mittelalter, in: Archiv für Kulturgeschichte 17 (1927), 20-37; Ein sizilianischer Legatenbericht an Innocenz III. aus dem Jahre 1204, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 20 (1928/29), 40-56; Deutsche Kaisergeschichte in der Zeit der Salier und Staufer, Leipzig 61929; Zu Peter Vischers des Aelteren Gedächtnis (gest. 7. Januar 1529), in: Forschungen und Fortschritte 5 (1929), 10-12; Der Kulturwandel um die Mitte des 12. Jahrhunderts, in: Archiv für Kulturgeschichte 21 (1931), 129-150; Das neueste Lebensbild Kaiser Friedrichs II., in: HZ 146 (1932), 441-475; Das Hochmittelalter. Geschichte des Abendlandes von 900 bis 1250, Berlin 1932; Die Persönlichkeit Karls, in: ders. (Hrsg.): Karl der Große oder Charlemagne. Acht Antworten deutscher Geschichtsforscher, Berlin 1935, 9-29; Das Schriftwerk Theodor Hampes (1866-1933), in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1934/35, 19-38; Zum Sturz des Hochmeisters Heinrich von Plauen, in: Forschungen und Fortschritte 11 (1935), 197f.; Neues zur Haltung Königs Wilhelm I. in der Kaiserfrage, in: Forschungen und Fortschritte 12 (1936), 30f.; Theodor Eduard Hampe, in: Lebensläufe aus Franen (Veröff. d. Gesellschaft f. Fränkische Geschichte 7), Erlangen 1936, 133-142; Wilhelm I., Kaiserfrage und Kölner Dom. Ein biographischer Beitrag zur Geschichte der deutschen Reichsgründung, Stuttgart 1936; - K. H. 1869-1936: Selbstdarstellung, mit einem Nachwort hrsg. von Hermann Diener, Heidelberg 1969; Kriegstagebuch 1914-1919, hrsg. von Folker Reichert u. Eike Wolgast, München 2004

Lit.: Friedrich Baethgen: K. H. (Nachruf), in: Forschungen und Fortschritte 12 (1936), 123f.; - ders.: K. H., in: Archiv für Kulturgeschichte 27 (1937), 1-32 (mit Werkverzeichnis); - ders.: K. H. 1869-1936, in: Mediaevalia 2 (Schriften der MGH 17,2), 480-493 (ohne Werkverzeichnis); - ders.: Art. K. H., in: NDB 7 (1966), 599; - Walter Goez: K. H. † 14. Februar 1936, in: Archiv für Kulturgeschichte 26 (1936), 379f.; - Hermann Jakobs: Geschichteschreiben als Erzählvorgang. Zum 50. Todestag von K. H. am 14. Februar 1986, in: Ruperto-Carola 38 (1986), 127-129; - Percy Ernst Schramm: Nachruf K. H., in: HZ 154 (1936), 438f.; - Gerd Tellenbach: K. H., in: Zs. f. d. Geschichte d. Oberrheins 89 (1937), 225-232.

Hiram Kümper

Werkeergänzung:

2007

Kriegstagebuch 1914 - 1919. Hrsg. von Folker Reichert u. Eike Wolgast. 2. Aufl. München 2007.

Literaturergänzung:

2009

Folker Reichert, Gelehrtes Leben. K.H., d. Mittelalter u.d. Geschichte d. Deutschen. Göttingen 2009.