Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Nachschlagewerk mit aktuellen Nachträgen


MOSE Band VI (1993) Spalten 151-169 Autor: Frank Schumann MOSE, um 1200 v. Chr., nach jüdischem und christlichem Verständnis als »Knecht Gottes« Erretter Israels aus ägyptischer Fronarbeit, Begründer des israelitischen Jahwe-Glaubens und Übermittler der für den israelitischen Glauben maßgeblichen Gesetze (10 Gebote u.ä.) -



Wenn man etwas über die historische Gestalt des Mose sagen will, so muß man zunächst die Frage nach den Quellen stellen. Der Hauptschwerpunkt liegt hier zweifellos bei den biblischen Büchern Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium (= 2.-5. Buch Mose). Nun hat uns aber die alttestamentliche Forschung deutlich gezeigt, daß diese biblischen Quellen (für die Mose betreffenden Texte sind dies die jahwistische, die elohistische, die priesterschriftliche Quellenschrift des Pentateuch und das Deuteronomium) nicht einfach als historische Berichte für eine Mosebiographie herangezogen werden können. Sie sind eine Ineinanderverpflechtung von Überlieferungssträngen, wobei durchaus auch Personen nachträglich einem Überlieferungsstrang zugeordnet wurden. Damit stellt sich natürlich auch die Frage nach der Zugehörigkeit des Mose zu den einzelnen, den Überlieferungssträngen zugrunde liegenden historischen Begebenheiten. M. Noth hat dies sehr pessimistisch beurteilt und ist bei seinen Analysen zu dem Ergebnis gekommen, daß Mose ursprünglich historisch nur zur Überlieferung von der Hineinführung in das palästinische Kulturland gehört. Allerdings fällt es schwer, sich alle diese in den Überlieferungssträngen genannten Ereignisse ohne Mose vorzustellen. Denn beachtenswert bleibt hier doch die Frage, wie es kommen konnte, daß Mose auch mit den anderen Themensträngen (Exodus, Sinai, Wüstenzeit) in Verbindung gebracht wurde. Vor allem durch S. Herrmann wurde diese Fragestellung aufgegriffen. Er geht dabei von der Feststellung aus, daß es die Geschichte ist, die die Überlieferung schafft. In der Überlieferung von Mose finden sich also folgerichtig historische Angaben (»historische Möglichkeiten«, S. Herrmann, Mose, 1968, S. 327). Wenn man diese Angaben auf ihre innere Wahrscheinlichkeit eines historischen Zusammenhangs hin befragt und alle möglichen nichtbiblischen Quellen benutzt, kann es gelingen, ein - wenn auch nur grobes - Bild des historischen Mose zu zeichnen. -