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Verlag Traugott Bautz
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NEUMARK, Georg, Dichter, Komponist und Musiker (Gambe), * 16./17.3. 1621 in Langensalza. Eltern: Tuchmacher Michael N. und Martha, geb. Plattner. † 8.7. 1681 in Weimar. - N. wuchs in Mühlhausen (1623) auf und besuchte das Gymnasium in Schleusingen (1632) und Gotha (1636). Auf dem Weg zum Studium nach Königsberg/Pr. 1640 bei Gardelegen ausgeraubt, schlug er sich ärmlich in Hamburg und Kiel (1641 Pädagogicus) durch, bis er 1643 endlich nach Königsberg gelangte und dort wahrscheinlich den Dichterkreis um Heinrich Albert und Simon Dach traf. Nach Aufenthalt in Danzig (1648), Thorn (1649/50), Hamburg u.a. erhielt er 1652 eine Anstellung als Kanzlei-Registrator und fürstlicher Bibliothekar in Weimar; faktisch war er dort Hofdichter (1653 Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft). N.s wechselvollen Lebenslauf schildert das autobiographische Gedicht »Thränendes Hauskreutz«. Sein bekanntestes geistliches Lied (insgesamt werden ihm 34 zugeschrieben) ist »Wer nur den lieben Gott läßt walten« (EKG 298); er soll es in Kiel 1641 gedichtet haben, als er endlich eine Hauslehrerstelle erhielt, nach Herdegens Legende (1744), die der Freischütz-Librettist F. Kind in einer 13strophigen Ballade aufgriff, als er seine Gambe in bitterster Not verkaufen mußte. Ernst Pasqué schuf danach einen Operntext »G.N. und die Gambe«, der mit der Musik von Julius Rietz 1859 in Weimar aufgeführt wurde.
Werke: (Auswahl): Betrübt-verliebter, doch endlich hocherfreuter Hirt Philamon wegen seiner edlen Schäfer-Nymphe Belliflora, Hamburg 1640; Poetisch- und Musicalisches Lustwäldlein, Hamburg 1652; Fortgepflanzter musikalisch-poetischer Lustwald, Jena 1657.
Lit.: F. Knauth, G.N., 1881; - G. Claußnitzer, G.N. (Diss. Leipzig) 1924; - Hdb. z.EKG II/l, 1957, 169 ff.; III/2, 1990, 296 ff.; - Hdb. z. EKG, Sonderband, 1958, 466 f.; - Erich Trunz, »Wer nur den lieben Gott läßt walten«. G.N.s Lied und seine Entstehung in Kiel, in: JLH 30, 1986, 49 ff. (Lit.); - ADB XXIII, 539 ff.; - RE XIII, 771; - RGG3 IV, 1425 f; - MGG IX, 1399 ff. (Lit.).
Karl Dienst
Textanmerkungen:
Neumark wuchs ab 1624 in Mühlhausen auf - das Gymnasium in Gotha besuchte er erst ab 1641. Für die Jahre von 1636-1640 ist ein Aufenthalt in Osterode (Harz)und der Besuch der dortigen Lateinschule anzunehmen - der Überfall bei Gardelegen hat im Herbst 1641 stattgefunden - Hauslehrer in Kiel war Neumark von 1642-1644 - Beginn des Studiums in Königsberg 1644 - Stationen der Rückreise von Königsberg: Thorn 1649-1651; Danzig 1651; Hamburg 1651-1652 - 1655 Berufung in das Amt des Erzschreinhalters der Fruchtbringenden Gesellschaft (wichtigste Position nach dem Oberhaupt!) - das 'Thränende Haus-Kreutz' schildert nicht den Lebenslauf, lediglich die Anmerkung F enthält autobiographische Mitteilungen für die Periode vom Austritt aus dem Gothaer Gymnasium bis zur Abfahrt von Lübeck (1641-1644) - 'Wer nur den lieben Gott läßt walten' ist 1642 in Kiel entstanden.
Werkeergänzung:
Betrübt-Verliebter Doch entlich hocherfrewter Hürte Filamon wegen seiner Edlen Schäffer-Nymfen Belliflora, Königsberg 1648; Keuscher Liebesspiegel, Thorn 1649; Poetisch- und Musikalisches Lustwäldchen, Hamburg 1652; Davidischer Regentenspiegel, Jena 1655; Fortgepflantzter Musikalisch-Poetischer Lustwald, Jena 1657; Poetisch-Historischer Lustgarten, Jena 1667; Poetische Tafeln / Oder Gründliche Anweisung zur Teutschen Verskunst, Jena 1667; Der Neu-Sprossende Teutsche Palmbaum. Oder Ausführlicher Bericht / Von der Hochlöblichen Fruchtbringenden Gesellschaft, Nürnberg 1669; Christlicher Potentaten Ehren-Krohne, Weimar 1675.
Literaturergänzung:
Michael Ludscheidt: Georg Neumark (1621-1681). Leben und Werk. Heidelberg 2002 (Jenaer germanistische Forschungen N. F. Bd. 15); - ders.: Ut fert divina voluntas: 'Wie mein Gott wil, so halt' ich still'. Zum 375. Geburtstag des Dichters Georg Neumark, in: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen 1996/2, 75-86; - ders.: 'Wohl! so such'ich / großer Fürst / Nechst des Himmels deine Gnade'. Georg Neumark als Dichter des Weimarer Hofes, in: Roswitha Jacobsen (Hrsg.): Residenzkultur in Thüringen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Bucha bei Jena 1999, 250-265; - ders.: 'so viel ich in das zehende Jahr / bey dem Ertzschreinhalten wargenommen'. Georg Neumark als Sekretär der Fruchtbringenden Gesellschaft 1655-1667, in: Klaus Manger (Hrsg.): Die Fruchtbringer - eine Teutschhertzige Gesellschaft. Heidelberg 2001, 105-121; - ders.: Artikel GEORG NEUMARK, in: Felicitas Marwinski (Hrsg.): Lebenswege in Thüringen. Thüringer Biographisches Lexikon. 2. Sammlung. Weimar 2002, 144-147; - ders.: Die Weimarer Periode der Fruchtbringenden Gesellschaft von 1651 bis 1667 und die Verwaltung des Erzschreinhalteramtes durch den Dichter Georg Neumark (1621-1681), in: Kurt Nowak u. Detlef Döring (Hrsgg.): Gelehrte Gesellschaften im Mitteldeutschen Raum (1650-1820) Tl. III. Leipzig 2002, 9-22; - Michael Ludscheidt: Die Beziehungen Georg Neumarks zur Reichsstadt Mühlhausen. In: Mühlhäuser Beiträge Bd. 26 (2003), 50-57; - Ders.: Gelehrtenexistenz und höfische Karriere. Georg Neumark in Weimar. In: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte Bd. 11 (2004), 35-53; - Michael Ludscheidt: Gedächtnisstiftende Geselligkeit. Zum Schäfergespräch in Georg Neumarks Ehren=Krohne von 1675. In: Ungesellige Geselligkeit. Festschrift für Klaus Manger. Hg. von Andrea Heinz, Jutta Heinz und Nikolas Immer. Heidelberg 2005, S. 19-44 (Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800. Ästhetische Forschungen Bd. 12).
Letzte Änderung: 06.01.2006