NIKOLAUS LANKMANN von Falkenstein, kaiserlicher Kaplan und Diplomat († nach 1489). - Die erreichbaren Tatsachen über das Leben des Nikolaus Lankmann hat zuletzt Paul Uiblein im Jahre 1985 zusammengetragen; dennoch lassen sich nur einige Elemente seine Biographie rekonstruieren. 1446 in Passau zum Priester geweiht, dürfte Nikolaus Lankmann vor dem Jahre 1422 als Sohn des Peter Lankmann im niederösterreichischen Falkenstein geboren worden sein. - Das einschneidenste Ereignis in seinem Leben war zweifellos seine Gesandtschaft nach Portugal und Italien, die er in den Jahren 1451/52 gemeinsam mit dem wohl etwas älteren und in diplomatischen Dingen erfahreneren Jakob Motz aus Kempten im Auftrag Kaiser Friedrichs III. unternommen hat. Wenn eine in Lankmanns Nachlaß überlieferte und 1448 am burgundischen Herzogshof zu Hesdin datierte Predigt tatsächlich von ihm selbst stammt, dann dürfte er bereits an den Vorverhandlungen, die zur Brautwahl des Habsburgers führten, beteiligt gewesen sein. Die Reise nach Portugal begann im März 1451 in Wiener Neustadt, führte durch Schwaben, Savoyen, Dauphiné, Languedoc, Katalonien, Aragon, Navarra, Kastilien, León, Asturien und Galizien nach Lissabon, wo Lankmann Anfang August 1451 an der Prokurationsheirat zwischen der Infantin Eleonore und Jakob Motz als Vertreter Friedrichs III. teilnahm. Nach ausgedehnten Abschiedsfesten am Hof Alfons V. reiste Lankmann im Gefolge der portugiesischen Prinzessin zur See entlang der nördlichen Mittelmeerküste nach Italien und erreichte nach mehr als dreimonatiger Fahrt am 2. Februar 1452 den Hafen von Livorno. Sofort begab er sich von dort zu Friedrich III. nach Florenz und überbrachte ihm die Nachricht von der Ankunft seiner Braut. Über Siena, Rom, und Neapel gelangte er - noch immer als Begleiter Eleonores - auf dem Landweg nach Manfredonia, von dort zu Schiff über die dalmatinische Küste nach Venedig und schließlich durch Friaul, Kärnten, Steiermark zurück nach Wiener Neustadt (Ankunft am 16. Juni 1452). - Wohl bald nach seiner Rückkehr, jedenfalls noch vor dem Jahre 1455, hat Lankmann einen umfangreichen Bericht über seine Erlebnisse niedergeschrieben, der von Gerd Tellenbach als eines der beachtlichsten Dokumente aus der »Frühgeschichte abendländischer Reisebeschreibung« gewürdigt worden ist. Die anschauliche Schilderung der zeitgenössischen Reisepraxis - ständige Erneuerung von Geleitsbriefen und Pässen, Gefahren durch Räuber und Piraten, Besuch von Sehenswürdigkeiten und Pilgerorten am spanischen Jakobsweg -, die detaillierte Beschreibung einer Fülle von Zeremonien - Heirat und Verabschiedung der Eleonore in Lissabon, Empfang in Livorno und Pisa, Einholung, Trauung und Krönungen in Rom, Jagd-Feste und Hochzeitsfeierlichkeiten in Neapel, Empfang in Venedig und Wiener Neustadt - sowie die Wahrnehumg und Darstellung fremder Länder und Kulturen machen das Werk Lankmanns zu einem kulturgeschichtlich überaus interessanten Zeugnis. Besonders aber für die Geschicke der Kaiserin Eleonore, die Lankmann auch nach der Ankunft in Österreich weiter verfolgt hat (Österreichischer Aufstand, Geburt der fünf Kinder, Tod), ist Lankmann der ausführlichste Augenzeuge. Die als `Desponsacio et Coronacio serenissimi domini Imperatoris Friderici tercii et eius auguste domine Leonore' betitelte Schrift wurde im 15. Jahrhundert wiederholt abgeschrieben, kam 1503 auf Lateinisch sowie in der deutschen Übersetzung des Bischofs Nikolaus Kaps in den Druck und diente - zusammen mit einem bislang Kaspar Enenkel zugeschriebenen Romzugbericht - als Vorlage für Kaiser Maximilians I. autobographischen `Weißkunig'. - Das enge Verhältnis zu Eleonore hatte offenbar auch nach der Rückkehr aus Italien weiterhin Bestand. Lankmann, der bereits 1451 zur Kapelle Friedrichs III. gehörte, wurde mit einer Urkunde vom 2. Juli 1464 von der Kaiserin zu ihrem Kaplan ernannt. Pfründe erwarb er sich in Wiener Neustadt, Klosterneuburg, Stein an der Donau, Wullersdorf und Nieder-Nechsendorf. Die letzte Nachricht über ihn datiert vom 12. Mai 1489.
Werke: a) Handschriften: Wien ÖNB, cod. 3286, fol. 1r-46v; Wien ÖNB, cod. 3288, fol. 1r-47r; Wien ÖNB, cod. 3636, fol. 269r-279v; Wien ÖNB, cod. 9784, fol.1r-47v (nach Wien, cod. 3286); Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, cod. Rot 140 (nach Wien, cod. 3288); Thorn (verschollen?); b) Editionen: De nuptiis Inuictissimi Friderici Imperatoris tercii ac Leonore uxoris deque eorundem coronatione ac prolum propagatione a Reuerendissimo domino Nicolao episcopo Ypponensi compilatus libellus, Augsburg 1503 (mit einem Widmungsschreiben von Bischof Nikolaus Kaps) (nach Wien, cod. 3288); Nicolai Lanckmanni de Falckenstein Historia Desponsationis Friderici III. cum Eleonora Lusitanica, ed. Marquard Freher/Burkhard Gotthelf Struve, Rerum Germanicarum Scriptores II, Straßburg 1717, 55-80 (nach dem Druck von 1503); Historia desponsationis et coronationis Friderici III. et conjugis ipsius Eleonorae, authore Nicolao Lanckmanno de Valckenstein, ed. Hieronymus Pez, Scriptores rerum Austriacarum veteres ac genui II, Leipzig 1725, 569-606 (nach Wien ÖNB, cod. 3288); Diario da viagem, e jornada da Infanta D. Leonor (...), escrito por Nicolao Lanckmano de Valckenstein, ed. Antonio Caetano De Sousa, Provas da História genealógica da Casa real portuguesa I, 3, hrsg. von Manuel Lopes de Almeida/César Pegado, Coimbra 1947, 329-370 (nach der Edition von 1717); Desponsatio et Coronatio Serenissimi Domini Domini Imperatoris Friderici III et eius Auguste Domine Leonore auctore Nicolao Langkmanno de Valckenstein, ed. Aires A. Nascimento, Leonor de Portugal, Imperatriz da Alemanha. Dißrio de Viagem do Embaixador Nicolau Lanckman de Valckenstein, Medievalia VI, Lissabon 1992 (nach Wien ÖNB, cod. 3286); d) Übersetzungen: Deutsch von Nikolaus Kaps, gedruckt bei Hans Otmar, Augsburg 1503; Portugiesisch in der zweisprachigen Ausgabe von Aires A. Nascimento, Lissabon 1992.
Quellen und Lit.: Diploma Leonorae Augustae (vom 2.7.1464), ed. Hieronymus Pez, Scriptores rerum Austriacarum veteres ac genui II, Leipzig 1725, 607f.; - Joseph Chmel, Geschichte Kaiser Friedrichs IV. und seines Sohnes Maximilian I. Bd. II: Geschichte K. Friedrichs IV. als König (1440-1452), Hamburg 1843, 679-700; - Ernst Birk, D. Leonor von Portugal, Gemahlinn Kaiser Friedrichs des Dritten 1434-1467. Ein Vortrag, Wien 1858, 10-27; - Ignaz Franz Keibinger, Geschichte des Benediktiner-Stiftes Melk II, 2, Wien 1869, 559f. und 562-565; - Ottokar Lorenz, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter seit der Mitte des 13. Jahrhunderts II, Berlin 31887 (zuerst 1870), 305f.; - Victor Bayer, Die Historia Friderici III. imperatoris des Enea Silvio de' Piccolomini. Eine kritische Studie zur Geschichte Kaiser Friedrichs III., Prag 1872, 126-130 und mehrfach; - Albert Starzer, Regesten zur Geschichte der Pfarren von Niederösterreich I, in: Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich XXIV 1890, 342-350, hier 350; - Friedrich von Krones, Leonor von Portugal, Gemahlin Kaiser Friedrichs III., des steirischen Habsburgers (1436-1467). Ein Lebens- und Zeitbild, in: Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark XLIX 1902, 53-120, besonders 61-79; - Eduard Katschthaler, Topographie von Niederösterreich VI, hrsg. von Max Vancsa, Wien 1909, s. v. Melk, 370-508, hier 418; - Joseph Strobel, Studien über die literarische Tätigkeit Kaiser Maximilians I., Berlin 1913, 98-149; - Vinzenz Oskar Ludwig, Der Kanonisationsprozeß des Markgrafen Leopold III. d. Hl., in: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg IX 1919, CXXIII, CXXVI, CCII, 82f.; - Josef Mayer, Geschichte von Wiener Neustadt II (I, 2), Wiener Neustadt 1926, 9, 328 und 340; - Franz Pesendorfer, Der Weißkunig Kaiser Maximilians I., Diss. phil. Wien 1931 (masch.), 39-44; - Alphons Lhotsky, Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs, MIÖG Erg.-Bd. XIX, Graz/Köln 1963, 361f.; - Antonia Zierl, Kaiserin Eleonore und ihr Kreis. Eine Biographie (1436-1467), Diss. phil. Wien 1966 (masch.), 55-113 und mehrfach; - Monumenta Henricina XI: 1451-1454, ed. António Joaquim Dias Dinis, Coimbra 1970, n. 24 (36f.), 51f. (69-72); - Gerd Tellenbach, Zur Frühgeschichte abendländischer Reisebeschreibung, in: Ders., Ausgewählte Abhandlungen und Aufsätze III, Stuttgart 1988, 1099-1128 (zuerst 1977), 1114f. und mehrfach; - Gerd Tellenbach, Glauben und Sehen im Romerlebnis dreier Deutscher des fünfzehnten Jahrhunderts, in: Ders., Ausgewählte Abhandlungen und Aufsätze III, Stuttgart 1988, 1151-1180 (zuerst 1979), hier 1163-1171; - Paul Uiblein, Die Quellen des Spätmittelalters, in: Erich Zöllner (Hrsg.), Die Quellen der Geschichte Österreichs, Wien 1982, 112; - Paul Uiblein, Verf.-Lex. V, Berlin/New York 21985, s. v. Niklas Lankmann von Falkenstein, 603-607; - Antonia Hanreich, D. Leonor de Portugal, esposa do Imperador Frederico III (1436-1467), in: Ludwig Scheidl/José A. Palma Caetano (Hrsg.), Relações entre a Áustria e Portugal. Testemunhos históricos e culturais, Coimbra 1985, 3-27, besonders 15-21; - Jan-Dirk Müller, Verf.-Lex. VI, Berlin/New York 21987, s. v. 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Eleonore, Gemahlin Kaiser Friedrichs III., in: Gerald Beyreuther/Barbara Pätzold/Erika Uitz (Hrsg.), Fürstinnen und Städterinnen. Frauen im Mittelalter, Freiburg i. Br./Basel/Wien 1993, 255-282, besonders 261-268; - Christian Halm, Europäische Reiseberichte des späten Mittelalters. Eine analytische Bibliographie I: Deutsche Reiseberichte, Kieler Werkstücke Reihe D Bd. V, Frankfurt a. M. 1994, Nr. 47 (119-121); - Antonio H. de Oliveira Marques, Deutsche Reisende im Portugal des 15. Jahrhunderts, in: Marília dos Santos Lopes/Ulrich Knefelkamp/Peter Hanenberg (Hrsg.), Portugal und Deutschland auf dem Weg nach Europa, Weltbild und Kulturbegegnung V, Pfaffenweiler 1995, 11-26; - Folkhard Cremer, »Kindlichait, Junglichait, Mandlichait, Tewrlichait«. Eine Untersuchung zur Text-Bild-Redaktion des Autobiographieprojektes Kaiser Maximilians I. und zur Erziehungsgeschichte des Weisskunig, Engelsbach/Frankfurt/St. Peter Port 1995, 28f.; - Erwin Koller, Die Verheiratung Eleonores von Portugal mit Kaiser Friedrich III. in zeitgenössischen Berichten, in: Antonio H. de Oliveira Marques/Alfred Opitz/Fernando Clara (Hrsg.), Portugal - Alemanha - África. Do Imperialismo Colonial ao Imperialismo Político, Actas do IV Encontro Luso-Alemão, Lissabon 1996, 43-56; - Erwin Koller, `O Portugal, o Portugal, wie gar ain guts kunigreich bist du!' Die Brautwerbungsbotschaft Friedrichs III. im `Weißkunig', in: Michael Gebhardt/Max Siller (Hrsg.), Literatur und Sprache in Tirol. Von den Anfängen bis zum 16. Jahrhundert. Akten des 3. Symposiums der Sterzinger Osterspiele (10.-12. April 1995), Innsbruck 1996, 293-321; - Paul-Joachim Heinig, Kaiser Friedrich III. (1440-1493). 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