PELAGIUS I., Papst 556-561, † 3. (4.?) 3. 561 Rom. - Der
dem römischen Stadtadel entstammende Diakon P. begleitet 536 Agapet
I. nach Konstantinopel, wo er als Apokrisiar Papst Vigilius' blieb
und am Hofe großen Einfluß gewann. Er bewirkte die Erhebung des Paulus
von Tabennae zum Patriarchen von Alexandria, mußte ihn aber auf der
Synode von Gaza (542, 539?) wegen Verdachts des Hochverrats absetzen.
P. bewog Kaiser Justinian I., in einem Brief an den Patriarchen Menas
von Konstantinopel den Origenismus zu verwerfen. Nach Rom zurückgekehrt,
übernahm er in Abwesenheit des in Konstantinopel festgehaltenen Papstes
Vigilius eine führende Rolle und sorgte während des Krieges Totilas
gegen die Byzantiner für die notleidende Bevölkerung. 551 begab er
sich wieder nach Konstantinopel und unterstützte Vigilius gegen die
Verurteilung der »Drei Kapitel«, schloß sich jedoch schließlich mit
Vigilius deren Verwerfung an. Justinian bestimmte P. zum Nachfolger
des Vigilius, doch wurde P. in Rom mißtrauisch empfangen. Er wurde
erst am 16. 4. 556 geweiht, legte ein feierliches Glaubensbekenntnis
für das Konzil von Chalkedon ab und reinigte sich durch Eid vom Verdacht
der Mitschuld am Tode des Vigilius (+ 7.6. 555). Mit seiner
Fürsorge für die geplagten Einwohner Roms gewann er deren Sympathie,
konnte aber die ablehnende Haltung des Abendlandes nicht überwinden.
In Gallien bestritt man seine Rechtgläubigkeit, Oberitalien verfiel
einem Schisma. Seit P. war jeder gewählte Papst verpflichtet, vor
der Weihe die Zustimmung des Kaisers einzuholen.
Werke: Schriften: Pelagii in defensione trium capitulorum
libri sex ed. Louis Duchesne et Robert Devreese (Studi e Testi 32,
Città del Vaticano 1932; P. I. papa, Epistolae quae supersunt ed.
Pius M. Gassò, Montserrat-Barcelona 1956, 556-561; Constitutum Papst
Vigilius' vom 14.5. 553(?).
Lit.: Liber pontificalis ed Louis Duchesne2, Paris
1886, 14-36; - Louis Durchesne, Vigile et Pélage, in: Revue des
questions historiques 36, 1884, 369-440; ebd. 37, 1885, 579-593; -
Ders., L'Eglise au VIe siècle, Paris 1925, 219-238; - Hermann
Grisar, Geschichte Roms und der Päpste im Mittelalter 1, Freiburg
i. Br. 1901, 580-582; - Erich Caspar, Geschichte des Papsttums
2, Tübingen 1933, 286-305 u. passim; - Seppelt, 21, 275-292;
- Luise Abramowski, Die Zitate in der Schrift »In defensione trium
capitulorum« des römischen Diakons P., in: Vigiliae Christianae, Amsterdam
1956, 160-193; - Wilhelm Ensslin, Justinian I. und die Patriarchate
von Rom und Konstantinopel, in: Symbolae Osloenses 35, 1959, 123-127;
- Berthold Rubin, Das Zeitalter Justinians I., Berlin 1960, passim;
- Dictionnaire de Théologie Catholique 12, 1933, 660-669; -
RGG3 V, 205; - LThK2 VIII, 249-250.
Wilhelm Kohl
Literaturergänzung:
Ferdinand R. Gahbauer, Beschützer d. Bürger Roms. Papst Pelagius I. - e. Pontifikat in e. unruhigen Epoche d. Kirchengeschichte, in: ÖI 2006, Nr.14, S. 7-9.