PRÜMMER, Dominikus Maria, O.P. Thomistischer Moraltheologe. * 3. September 1866 in der Eifel. † 9. Juni 1931 in Freiburg in der Schweiz. - Im Herbst 1866 in dem kleinen Ort Kaltenherberg in der Eifel (nahe Aachen) geboren tritt Heinrich Prümmer (so sein Taufname) 1884 in den Predigerorden ein. Sein Studium der Philosophie und Theologie absolviert er an der Universität Löwen, deren philosophische Fakultät seit 1882 in der katholischen Welt vor allem durch ihre neuscholastische Ausrichtung bzw. den von Désiré Mercier (1851-1926) gegründeten Lehrstuhl für thomistische Philosophie bekannt ist. Zudem gefördert durch die Ordenstradition, in der er steht, wird für P. das Denken des Thomas von Aquin prägend. Ganz im Sinne der sich damals bildenden Löwener Neuscholastik, die Philosophie und Theologie der Vorzeit durch neuere Erkentnisse der Profanwissenschaften bereichern möchte ("vetera novis augere"), besucht er in jenen Jahren zugleich aber auch naturwissenschaftliche und juristische, später auch medizinische Vorlesungen. Die hier erworbenen Kenntnisse werden ihm bei seiner lebenslangen Beschäftigung mit der Moraltheologie besonders hilfreich sein. 1890 wird er zum Priester geweiht. Zunächst arbeitet er kurze Zeit in Venlo (Niederlande) in der Seelsorge, ist aber am dortigen Collegium Albertinum ab 1892 bereits auch als Lektor für Moraltheologie tätig. Diese Tätigkeit setzt er auch, nachdem er im Jahre 1903 zum Prior des Dominikanerkonvents zu Düsseldorf gewählt wurde, fort. 1906 beruft ihn der Ordensmeister als Theologiedozenten in den englischen Dominikanerkonvent von Hawkesyard. Nach seiner 1908 absolvierten Promotion in Theologie und Kirchenrecht erhält er einen Ruf als Professor für Moraltheologie an die Dominikanerfakultät der Universität zu Freiburg in der Schweiz. Im Studienjahr 1926/27 fungiert er dort als Universitätsrektor; den Lehrstuhl für Moraltheologie wird er bis zu seinem Tod im Sommer 1931 innehaben. - Prümmer wurde international vor allem durch seine sehr geschätzten und häufig aufgelegten, während seiner Freiburger Professorenjahre verfaßten moraltheologischen Manualien bekannt. Zwei Jahre vor dem Tod ihres Autors erhielten sie im Auftrag Papst Pius XI eine öffentliche Belobigung durch Kardinal Gasparri und der Papst nahm den Traktat P.'s über die Ehe bei der Abfassung seiner Enzyklika "Casti conubii" (1930) zur Grundlage seiner Ausführungen. Die Handbücher beabsichtigen eine Moraltheologie "nach den Prinzipien des hl. Thomas von Aquin" (so der Untertitel seines wichtigsten Handbuchs der Moraltheologie) zu entwerfen. Diese Prinzipien sind Ausgangspunkt einer strikt theozentrisch fundamentierten Moral, die sich apologetisch vom Deismus und der autonomen Moral im Sinne Kants abgrenzt. Moraltheologie wird in enger Verbindung zur Dogmatik verstanden als theologische Disziplin, die fußend auf den geoffenbarten, durch das Lehramt der Kirche vermittelten Prinzipien die menschlichen Handlungen beurteilt und auf das übernatürliche Ziel des Menschen hin ausrichtet. Die thomistische Grundlegung ermöglicht P. eine weitgehende, hauptsächlich auf die Beichtpastoral abgezweckte Einarbeitung des Kirchenrechts in die Moraltheologie ohne daß dieserhalb deren spekulative Tiefe durch die Kasuistik aufgelöst würde. Dies wird nicht zuletzt an der sehr erfolgreichen Prümmerschen Rezeption des in Frankreich im 19. Jahrhundert entwickelten moraltheologischen Kompensationssystems deutlich.
Werke (Auswahl): Manuale iuris ecclesiastici. In usum clericorum, praesertim illorum, qui ad ordines religiosos pertinent, Freiburg/Breisgau 1909 (ab 6. Aufl.: Manuale iuris canonici in usum scholarum. Editio 6. quam curavit Engelbertus M. Münch, Freiburg/Breisgau 1933); Manuale theologiae moralis secundum principia S. Thomae Aquinatis, Freiburg/Breisgau 1915 (15. Aufl. Barcelona 1961- englische Ausgabe: Handbook of moral theology. Transl. from latin by G.W, Shelton, New York 1957); Brevis conspectus Mutationum quas in theologia moralis introduxit novus Codex Juris Canonici, Freiburg/Breisgau 1918; Vademecum theologiae moralis in usum examinandorum et confessariorum, Freiburg/Breisgau 1921 (6. Aufl. Barcelona 1947). Zahlreiche Artikel in: "Linzer praktische Quartalschrift", "Homiletic and pastoral Monthly", "The Clergy Review" und dem "Bulletin thomiste".
Lit.: Analecta Sacri Ordinis Praedicatorum 39 (1931) 247-249; - Otto Schilling, Moralsysteme, in: LThK2 7 (1935) 315-319; - E.F.J. Müller, D.M.P., in: LThK1 8 (1936) 536-537; - Otto Schilling, Grundriß der Moraltheologie, Freiburg/Breisgau 1949, 76-78; - Paul Hadrossek, Die Bedeutung des Systemgedankens für die Moraltheologie in Deutschland seit der Thomas-Renaissance, München 1950; - Angelus Walz, Andreas Kardinal Frühwirt (1845-1933). Ein Zeit- und Lebensbild, Wien 1950, 522-523; - Bernhard Häring, Das Gesetz Christi. Moraltheologie, Freiburg/Breisgau 1956, 72; - J. Fulgo Groner, D.M. P., in: LThK2 8 (1963) 850; - Servais Pinckaers, L'enseignement de la théologie morale à Fribourg: passé et avenir, in: Serge Thomas Bonino (Hrsg.), Saint Thomas au XXe siècle, Paris 1994, 430-433; - Johannes Reiter, Die katholische Moraltheologie zwischen den beiden Vatikanischen Konzilien, in: Hubert Wolf (Hrsg.), Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland 1870-1962, Paderborn 1999, 231-241; - Andreas Pazifikus Alkofer, "... de rebus physicis humanis instructus" - Dominikus Maria Prümmer, in: Wort und Antwort 42 (2001) 182-185.