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Band VII (1994)Spalten 1079-1081 Autor: Hans-Christoph Goßmann

QOHÄLÄT. Q. ist ein Weisheitslehrer, der sich zur Zeit des frühen Hellenismus in dem nach ihm benannten Buch kritisch mit den Weisheitstraditionen auseinandersetzt. Der Name Q. gibt Rätsel auf: Die Form Q. ist das feminine Partizip des Verbes # (ni. - sich versammeln; hi. - versammeln) im Qal, in dem dieses Verb sonst jedoch nicht belegt ist. U.U. handelt es sich bei Q. um die Berufsbezeichnung des Versammlers oder Versammlungsleiters, die zum Eigennamen wurde. M. Buber gibt Q. mit `Sammler' wieder. Die LXX übersetzt Q. mit 'Ekklhsiast/V, was in der Vulgata übernommen wurde (Ecclesiastes). Das Buch gehört zu den 5 Megillot und wird am Laubhüttenfest verlesen. Aufgrund seiner skeptischen, teilweise pessimistisch anmutenden Einstellung ist es eines der umstrittensten Bücher des AT. Seine Aufnahme in den Kanon verdankt es seiner Zurückführung auf König Salomo, die in der Königsfiktion in den ersten beiden Kapiteln begründet ist. Das Buch ist zwar sehr viel einheitlicher als etwa das Buch der Sprüche, aber kein Traktat zu einem Thema, sondern eine Zusammenstellung von Sentenzen, bei der sich allerdings größere zusammenhängende Einheiten erkennen lassen. Es ist mit einer Überschrift versehen (11) und um zwei Epiloge (129-11 und 1212-14) erweitert. Q. ist wahrscheinlich im 3. Jh.v.Chr. entstanden. Es setzt den abgeschlossenen Pentateuch voraus. Der Makkabäeraufstand hat in Q. keinen Niederschlag gefunden, und als terminus ante quem ist die Entstehungszeit von Sirach anzusehen, da dieser Q. voraussetzt. Q. bietet ein spätes Hebräisch, das dem der Mischna bereits sehr ähnlich ist und viele Aramaismen und zwei persische Lehnwörter (25 und 811) aufweist. Auch wenn der Entstehungsort nicht mit letzter Sicherheit zu benennen ist, so spricht doch viel dafür, daß Q. in Palästina, wahrscheinlich in Jerusalem, entstanden ist. Q. ist von hellenistischem Gedankengut beeinflußt. Zu seinen wichtigsten Aussagen gehört, daß der Mensch sich die Welt letztlich nicht ganz erschließen kann, und daß seinem Streben nach Gewinn durch den Tod eine unüberwindliche Grenze gesetzt ist.

Lit.: Kommentare zu Qohälät; - A. Schoors, Emphatic and Asseverative ki in Koheleth, in: H.L.J. Vanstiphout u.a. (Hrsg.), Scripta signa vocis. FS J.H. Hospers, 1986, 209-215; - B. Isaksson, Studies in the Language of Qoheleth. With Special emphasis on the Verbal System (SSU, Bd. 10), Uppsala 1987; - I.J.J. Spangenberg, Poems about Death and Life of Ecclesiastes. Diss. University of South Africa 1987; - R. Gelio, Osservazioni critiche sul mašal di Qoh 7,5-7, in: Lateranum 54, 1988, 1-15; - M.V. Fox, Qohelet and his Contradictions, JSOT, Suppl. Ser. 71, 1989; - D.C. Fredericks, Chiasm and Parallel Structure in Qoheleth 5: 6-6: 9, in: JBL 108, 1989, 17-35; - H.-Chr. Goßmann, Hebräisch-Deutsche Präparation zu Qohälät, Lüdenscheid-Lobetal 1989; - J.-J. Lavoie, Étude exégétique et intertextuelle du Qohélet. Rapport entre Qohélet 1-11. Diss. Montreal, 1989; - G. Lehmann, Bibliographie zu Qohelet, als Anhang zu D. Michel, Untersuchungen zur Eigenart des Buches Qohelet, BZAW 183, Berlin/New York 1989; - N. Lohfink, Kohelet und die Banken: Zur Übersetzung von Kohelet V 12-16, in: VT 39, 1989, 488-495; - D. Michel, Untersuchungen zur Eigenart des Buches Qohelet, BZAW 183, Berlin/New York 1989, 290-322; - M. Schubert, Die Selbstbetrachtungen Kohelets. Ein Beitrag zur Gattungsforschung, in: Theologische Versuche, 17, 1989, 23-34; - R. Bartelmus, Haben oder Sein - Anmerkungen zur Anthropologie des Buches Kohelet, in: Biblische Notizen, Nr. 53, München 1990, 38-67; - E. Bons, Ausgewählte Literatur zum Buch Kohelet, in: BiKi 45, 1990, 36-42; - Kl. Butting, Weibsbilder bei Kafka und Kohelet. Eine Auslegung des 7. Kapitels des Predigers, in: Rosch Pina. Der Eckstein, Nr. 10, 1990, 31-54 (überarbeitet nachgedruckt in: Texte & Kontexte 14, April 1991, Nr. 49, 2-15); - J. Cervera, Una lectura postmoderna de l'»Ecclesiastes«, in: EstFr 91, 1990, 297-340; - J.R. Davila, Qoheleth and Northern Hebrew, in: Maarav 5/6, 1990, 69-87; - J. Ebach, ... und Prediger 3 auslegen hat seine Zeit. Über Zusammenhänge von Exegese und Zeit, beobachtet beim Auslegen von Koh 3,1-15, in: Einwürfe 6, 1990, 95-123; - V.M. Fernandez, El valor de la vida presente en Qohelet, in: RevBib 52, 1990, 99-113; - M.A. Klopfenstein, Kohelet und die Freude am Dasein, in: H. Obst (Hrsg.), Überlieferung und Geschichte. FS G. Wallis, Wissenschaftliche Beiträge / Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 38 (= A 125), Halle/Saale 1990, 93-103; - N. Lohfink, Das »Poikilometron«. Kohelet und Menippos von Gadara, in: BiKi 45, 1990, 19; - Ders., »Freu dich junger Mann...«. Das Schlußgedicht des Koheletbuches (Koh 11,9-12,8), in: BiKi 45, 1990, 12-19; - Ders., Qoheleth 5: 17-19 - Revelation by Joy, in: CBQ 52, 1990, 625-635; - Ders., Von Windhauch, Gottesfurcht und Gottes Antwort in der Freude, in: BiKi 45, 1990, 26-32; - R. Lux, »Ich, Kohelet, bin König...«. Die Fiktion als Schlüssel zur Wirklichkeit in Kohelet 1,12-2,26, in: EvTh 50, 1990, 331-342; - D. Michel, Art. Koheletbuch, in: TRE, Bd. 19, Berlin/New York 1990, 345-356; - Ders., Kohelet und die Krise der Weisheit. Anmerkungen zur Person, Zeit und Umwelt Kohelets, in: BiKi 45, 1990, 2-6; - Ders., Probleme der Koheletauslegung heute, in: BiKi 45, 1990, 6-11; - Ders., Zur Philosophie Kohelets. Eine Auslegung von Kohelet 7,1-10, in: BiKi 45, 1990, 20-25; - M.O. Wise, A Calque from Aramaic in Qoheleth 6:12, 7:12; and 8:13, in: JBL 109, 1990, 249-257; - A. Lange, Weisheit und Torheit bei Kohelet und in seiner Umwelt. Eine Untersuchung ihrer theologischen Implikationen, EHS. T 433, Frankfurt a.M./Bern/New York/Paris 1991; - L. Schwienhorst-Schönberger, »Nicht im Menschen selbst gründet das Glück...« (Koh 2,24), in: Erbe und Auftrag 67, 1991, 116-120; - Ders., »Nicht im Menschen selbst gründet das Glück« (Koh 2,24). Kohelet im Spannungsfeld jüdischer Weisheit und hellenistischer Philosophie, Münster Kath. Theol. Habil. 1992.

Hans-Christoph Goßmann

Letzte Änderung: 10.02.1999