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Band VII (1994)Spalten 1089-1092 Autor: Wolfgang Winhard

QU(E)IRINI, Angelo, Benediktiner, Bischof von Brescia, Kardinal, * 30.3. 1680 in Venedig, als Sohn adeliger Eltern, † 6.1. 1755 in Brescia. Qu. trat 1696 in die Benediktinerabtei S. Chrysogono in Florenz ein. Schon während seines Theol. Studiums knüpfte er zahlreiche Beziehungen zu einheimischen (u.a. P. Ambaradi u. A. Magliabecchi) und ausländischen Gelehrten (Montaucon). In seinem Kloster versah er das Lehramt der Hl. Schrift. Seine Studienreise (1710-1714) nach Deutschland, Holland, Belgien, England und Frankreich erweiterte u.a. den Blick für die Trennung der christlichen Konfessionen. Seine Gespräche und Korrespondenzen zeigen ihn als aufgeschlossenen kath. Theologen. Er erörterte mit Joh. Gg. Schellhorn die Ansichten des Kardinals Reginald Pole zur Einheit der Kirche, mit Joh. Rudolf Kiesling besprach er die Rechtfertigungslehre des Kardinals Contarini. Eine ausführliche Korrespondenz bestand auch zu J.J. Breitinger, Voltaire und Friedrich d.G. Für den Bau der Hedwigskirche in Berlin tritt er öffentlich ein. Auf seiner Studienreise trifft er mit führenden Bollandisten (u.a. Daniel von Papebroch SJ) und Maurinern von St. Germain de Prés zusammen. Überhaupt wird die Beschäftigung mit der historischen Forschung immer mehr zu seinem Schwerpunktgebiet. Zu seinen Gesprächspartnern zählten auch Gottsched, Newton und Fenelon. 1714 wurde er vom Generalkapitel des Cassinensischen Kongregation beauftragt, die Annalen des Benediktinerordens zu schreiben. 1719 wählten ihn seine Mitbrüder zum Abt. Seit 1718 Mitglied der neugegründeten päpstlichen Kommission für die Revision der griechisch-liturgischen Bürger. Am 30.11. 1723 von Cardinal Francisco Barbarino zum Bischof geweiht, begibt er sich als Erzbischof auf die zur Republik Venedig gehörenden Insel Korfu, um die griechische Bevölkerung für die röm.-kath. Kirche zu gewinnen. Von Papst Benedikt XIII. am 9.12. 1726 »in pettore« zum Cardinal gewählt, am 26.11. 1727 feierlich kreiert, wurde er am 30.7. 1727 Bischof der Diözese Brescia. Papst Clemens XII. ernannte ihn am 4.9. 1730 zum Bibliothekar der Vatikanischen Bibliothek, Papst Benedikt XIV. 1740 zum Präfekten der Indexkongregation. Mit Benedikt XIV. kam es zu schweren Differenzen durch die Ernennung Domenico Passioneis zum Probibliothekar, Qu. wurde 1750 aus Rom verbannt. Als Bischof von Brescia bemühte er sich um den Weiterbau des Domes und die Errichtung des Priesterseminars, 1745 gründete er die Bibliotheca Queriniana. 1747 wird er Mitglied der Wiener, 1748 der Berliner Akademie der Wissenschaften. In diesen Jahren unternahm Qu. erneut mehrere Reisen durch die Schweiz und Bayern. Sie gelten vor allem einigen dort bedeutenden Benediktinerklöstern, wo er für Akademieprojekte seines Ordens, besonders für die Pläne des Paters Oliver Legipont, warb. Die erste Reise führte Qu. u.a. nach Kempten, Irsee, Ottobeuren, Ochsenhausen, Weingarten, Isny und Ettal. Im Herbst 1748 erfolgte die 2. Reise mit Aufenthalten u.a. in Benediktbeuern, Tegernsee, Rott und Attel am Inn, Weihenstephan, Mallersdorf, zu einer wissenschaftlichen Disputation in der Fürstabtei St. Emmeram zu Regensburg, in Weltenburg, Ingolstadt, Augsburg, Dillingen. Eine besonders tiefe Freundschaft pflegte Qu. mit der Benediktinerabtei Wessobrunn, der er mehrere wertvolle Figuren stiftete. Seiner anerkannten Gelehrsamkeit und seinem Streben, durch tolerante Haltung Andersgläubige für die Kirche zu gewinnen, stand nicht immer Klugheit und Bescheidenheit gegenüber, Eitelkeit und Heftigkeit sind ebenfalls zu konstatieren; mit scharfer Polemik geht er gegen L. Muratoris Pläne einer Feiertagsreduktion vor. - Qus. lit. Hauptwerke, die 3 Bde. »Epistolarum Reginaldi Poli ... Cardinalis« zeigen ihn als einen sehr geschulten Historiker, der auf zeitgenössische Urkundenforschung bauend, die Leistungen des Cardinals Pole unter Papst Paul III. gegen die Polemika einzelner evangelischer Theologen, jedoch auch die Bemühungen um Einigung, besonders betont. Mehrere Einzelstudien widmen sich historischen Fragen, wie der Translation der Heiligen Dionysius und Markus, sowie der Translation der Heiligen Benedikt und Scholastika, wobei er wiederum mit zahlreichen Urkunden arbeitet. Qu. steht für ein gelehrtes und von der Irenik getragenes Bischofsleben, geprägt von benediktinischer Diskretion und dem Willen zum Mäzenatentum, neuerer historischer Forschung sehr aufgeschlossen.

Werke: De monastica historia conscribenda, 1717; Orthodoxa veteris Graeciae officia 2 Bde., 1715 Primordia Corcyre, 1725; 17382, Pauli II. vita 1740; Imago Pauli III. 1745; Epistolarum Reginaldi Poli S.R.E. Cardinalis et aliorum ad ipsum... Paris I 1744, II 1745, III 1748, IV 1752; V ed. F. Sanvitale 1757; Specimen humanitatis 1748; Commentarii de rebus pertinentibus ad. Angelo Maria S.R.E. 3 Bde. 1749: 2 Bde. Forts. durch F. Sanvitale 1761; Decem epistolarum decades, 1752; Ad Rev. P.D. Bedam Abbatem Wessofontanum... 1753; Ad Rev. Bedam Abbatem Wessofontanum ... 1753 Epistola Altera 1753; Epistolae quotquot latino sermone edidit, ed. N. Coleti 1756; Epistolae Em. et Rev. A.M.Q., 1786.

Lit.: M. Ziegelbauer, Historia rei lit. OSB, I. II, IV.; - A. Baudrillart, De Card. Quirini vita et operibus, 1889; - F. Lauchert, zu den wissenschaftlichen Bestrebungen des Oliverius Legipontius (OSB). Seine Beziehungen zu dem Card. Angelo M. Quirini, in SMBO 23 (1902) 432-439; - Ders., Die irenischen Bestrebungen des Kardinals Angelo Quirini (O.S.B.) speziell in seinem literarischen Verkehr mit deutschen protestantischen Gelehrten, in: SMBO 24 (1903) 243-275; - L. Fresco, Lettere inedite di Benedetto XIV. a Card. Quirini, 1910; - E. de Heeckeren, Correspondance de Benoit XIV. 2 Bde. 1912; - M. De Caro, Storia monastica e il methodo del Card. Angelo M. Quirini, in: RSTI 50 (1933) 90-93; - R. Mazetti, Il Card. A.M. Quirini, 1933; - P. Guerini, Il Card. Angelo M. Quirini nel bicentenario della sua bibliotheca: Memorie storiche della diocesi di Brescia 17 (1950) 57-116; - L. Hammermayer, Die Benediktiner und die Akademiebewegung im kath. Deutschland, in: SMGB 70 (1959) 45-157; - E. Zlabinger, Ludovico Antonio Muratori und Österreich (Veröffentl. d. Univ. Innsbruck Bd. 53) 1970; - W. Winhard, Die Benediktinerabtei Wessobrunn im 18. Jahrhundert, 1988, 53-56; - LThK1 VIII 592 f.; - Pastor, Gesch. d. Päpste 16,1; - LThK2 8, 944 f.

Wolfgang Winhard

Letzte Änderung: 11.02.1999