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Band VII (1994)Spalten 1092-1095 Autor: Barbara Wolf-Dahm

QUEIS, Erhard von, Bischof von Pomesanien, * um 1490 in Storkow/Niederlausitz, + 10.9. 1529 in Preußisch Holland. - Herkunft und Jugend Q.s liegen im Dunkeln. Seine humanistisch geprägte akademische Ausbildung genoß er an den Universitäten von Frankfurt/Oder, wo er 1506 immatrikuliert war, sowie Bologna, wo er 1515 nachgewiesen ist und auch zum Doktor der Rechte promoviert wurde. Danach trat der junge Jurist als Kanzler in die Dienste des Herzogs von Liegnitz. Dort wurde der Hochmeister des Deutschen Ordens und Schwager des Herzogs von Liegnitz, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, auf ihn aufmerksam. Albrecht drängte das Domkapitel von Pomesanien, Q. am 10.9. 1523 zum Bischof von Pomesanien zu wählen. Damit wollte er die seit dem Tod des Bischofs Hiob von Dobeneck (25.5. 1521) durch von der Krone Polen beeinflußte römische Kardinäle dem Namen nach regierte preußische Diözese, die dem Deutschen Orden inkorporiert war, wieder einer ordentlichen Leitung zuführen. Allerdings erhielt Q. niemals eine päpstliche Bestätigung seines Bischofsamtes, da Papst Clemens VII. das Bistum Pomesanien seinem Neffen, dem Kardinal Rudolphis, verliehen hatte. Dennoch übernahm er im Oktober 1523 die geistliche und weltliche Herrschaft in dem preußischen Sprengel und trat gleichzeitig in den Deutschen Orden ein. Sein Episkopat fiel in die Zeit des reformatorischen Umbruchs. Schon 1524 sympathisierte Q. offen mit der Lehre Luthers und hielt in Graudenz eine evangelische Predigt. Nachdem Albrecht von Brandenburg am 10.4. 1525 den Ordensstaat Preußen säkularisiert und als weltliches Herzogtum vom König von Polen zu Lehen genommen hatte, huldigte Q. zusammen mit dem samländischen Nachbarbischof Georg von Polenz auf einem Landtag im Mai 1525 dem Landesherrn und bekannte sich zugleich zum neuen Evangelium. Am 1.1. 1525 erließ er ein Mandat zur Förderung der Reformation in der Diözese Pomesanien. In den darin aufgestellten 22 »Themata« orientierte er sich an Luthers Schrift »Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche«, vertrat jedoch teilweise noch radikalere Ansichten als der Wittenberger Reformator. Z.B. verwarf er die Beichte völlig. Zwei Jahre später übertrug er seine weltlichen Herrschaftsrechte und -einkünfte in dem Bistum Herzog Albrecht, um sich ausschließlich seinen geistlichen Pflichten als erster evangelischer Bischof von Pomesanien widmen zu können (23.10. 1527). Zur Sicherung seines Lebensunterhaltes erhielt er vom preußischen Herzog die Ämter Marienwerder (auf Lebenszeit) und Schönberg (als erbliches Lehen) verliehen und darüber hinaus eine lebenslängliche Rente von 500 Mark jährlich (26.10. 1527). Ebenfalls 1527 heiratete Q. Apollonia von Münsterberg und Oels, die Tochter des schlesischen Herzogs Viktorin von Troppau-Münsterberg. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Wiederholt betraute Albrecht von Brandenburg den fähigen Juristen mit politischen Aufgaben. So führte Q. 1525 die Friedensverhandlungen in Budapest und Krakau zur Beendigung des Reiterkrieges sowie zur Vorbereitung der Belehnung Albrechts mit Preußen; an Neujahr 1526 reiste er mit einer Gesandtschaft nach Flensburg und Kiel zur Vereinbarung des Ehekontrakts zwischen Herzog Albrecht und Dorothea von Dänemark; wenig später begleitete er Albrecht zu einem Treffen mit König Sigismund von Polen nach Danzig; 1527 vertrat er das Herzogtum an der Spitze einer Gesandtschaft auf dem Landtag von Königlich-Preußen in Elbing. Im Juli 1526 ernannte ihn der Herzog zum Mitglied des Geheimen Rates. Auch in theologischen Fragen beriet Q. seinen Landesherrn. U.a. arbeitete er an der ersten preußischen Kirchenordnung mit, die am 10.12. 1525 auf dem Landtag zu Königsberg verabschiedet wurde. Seinem Wirken setzte der Tod ein plötzliches Ende. Am 10.9. 1529 erlag Q. in Preußisch Holland einer Seuche, dem sog. »Englischen Schweiß«. Er starb sechs Monate nach seiner Gemahlin Apollonia, die im Kindbett verschieden war. Seine drei Brüder überführten den Leichnam Q.s nach Marienwerder, wo er in der Kathedrale des Bistums Pomesanien beigesetzt wurde. - Aufgrund seines frühen Todes steht Q. in der historischen Forschung stets im Schatten seines berühmteren Amtsbruders, des samländischen Bischofs Georg von Polenz. Dennoch zählt er zu den maßgeblichen Wegbereitern der Reformation in Preußen.

Lit.: Hermann Cramer, Geschichte des vormaligen Bisthums Pomesanien. Ein Beitrag zur Landes- und Kirchen-Geschichte des Königreichs Preußen, 1884, bes. 218-232; - Ders. (Hrsg.), Urkundenbuch zur Geschichte des vormaligen Bisthums Pomesanien. Nebst 5 Tafeln Siegel- und Wappen-Abbildungen und deren Beschreibung, 1887, bes. 274 ff.; - J. W. Otto Richter, E. v. Q., der erste evangelische Bischof von Pomesanien und die Herzoginnen Apollonia und Ursula von Münsterberg, in: Geschichten aus der preußischen Reformationsgeschichte, Bd. 1, 1893, 1-61; - Paul Tschackert (Hrsg.), Urkundenbuch zur Reformationsgeschichte des Herzogtums Preußen, 3 Bde., 1890, Neudr. 1965, bes. I u. II passim.; - Emil Sehling, Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts, Bd. 4, 1911, Nr. 1; - Heinrich Laag, Die Einführung der Reformation im Ordensland Preußen, in: NKZ 36, 1925, 857-873; - Ernst Manfred Wermter, Herzog Albrecht von Preußen und die Bischöfe von Ermland (1525-1568), in: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands 29, 1957, 198-311, bes. 203-213; - Walther Hubatsch, Albrecht von Brandenburg-Ansbach Deutschordens-Hochmeister und Herzog in Preußen 1490-1568, 1960; - Ders., Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, 3 Bde., 1968, bes. I, 26-28, 485-487 u. III, 10 f.; - Ders., Reformation im Osten. Der Weg der ersten preußischen Landeskirche, in: Jahrbuch der Albertus-Universität zu Königsberg 19, 1969, 11-26; - Helmut Freiwald, Markgraf Albrecht von Ansbach-Kulmbach und seine landständische Politik als Deutschordens-Hochmeister und Herzog in Preußen während der Entscheidungsjahre 1521-1528, 1961; - Iselin Gundermann, Herzogin Dorothea von Preußen 1504-1547, 1965; - Robert Stupperich (Hrsg.), Die Reformation im Ordensland Preußen 1523/24. Predigten, Traktate und Kirchenordnungen, 1966, bes. 111 ff.; - Stefan Hartmann (Bearb.), Herzog Albrecht von Preußen und das Bistum Ermland. Regesten aus dem Herzoglichen Briefarchiv und den ostpreußischen Folianten, Tl. 1, 1991; - Altpreußische Biographie II, 526 f.; - RGG V, 734.

Barbara Wolf-Dahm

Letzte Änderung: 11.02.1999