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Band VII (1994)Spalten 1100-1102 Autor: Klaus Wegenast

QUERVAIN, Alfred de, * 28.9. 1896 in La Neuveville BE, † 30.10. 1968 in Bern. de Q. studierte In Bern, Basel, Marburg und Berlin Evang. Theologle und Philosophie. Wichtige Einsichten verdankte er dem christ-katholischen Professor Arnold Gilg und dem Philosophen P. Natorp. Nach dem Staatsexamen, das de Q. In Bern ablegte (1921), war er Pfarrer an verschiedenen Gemeinden (La Neuveville, Stuttgart, Elberfeld und Laufen BE). 1929 erwarb er den Grad eines Lizentiaten der Theologie in Basel und habilitierte sich im folgenden Jahr für Systematische Theologie ebenfalls In Basel. 1935 folgte er einem Ruf als Dozent an die Kirchliche Hochschule der bekennenden Kirche in Deutschland in Elberfeld, nahm aber weiterhin auch seinen Lehrauftrag in Basel wahr. Während des Kirchenkampfes in Deutschland stand de Q. fest auf der Seite der bekennenden Kirche. 1944 wurde er als ao Professor für Ethik nach Bern berufen. Seit 1948 lehrte er als oP Ethik, Soziologie, praktische Exegese und französische Theologie. Als Ethiker lehnte er mit Karl Barth und anderen gesinnungsethische Entwürfe ab, weil diese unmöglich mit der Botschaft von der in Christus Wirklichkeit gewordenen Gnade zu vereinbaren sei. Ebenfalls der dialekt. Theologie verpflichtet ist seine Betonung der Humanität des Menschen als freie Setzung Gottes im Schöpfer- und Gnadenakt, durch die die menschliche Welt der Sittlichkeit radikal in Frage gestellt werde. Deshalb kann de Q. nicht von einem christlichen Humanismus reden, sondern nur von der Liebe Gottes zum Menschen. - Die wesentlichen Schwerpunke seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die politische Ethik und Grundsatzreflexionen über das menschliche Handeln angesichts des Willens Gottes. Interessant, daß der Professor auch eine Fülle von Predigten und biblischen Betrachtungen für einen größeren Leserkreis publiziert hat.

Werke: Es gibt eine umfaßende Bibliographie, die von Reinhold de Quervain zusammengestellt worden ist: Johann Jakob Stamm / Ernst Wolf (Hrsg.), Freude am Evangelium. FS für Alfred de Quervain, München 1966, 173-180; Hervorzuheben sind: Gesetz und Freiheit. Eine Zwiesprache mit dem römischen Katholizismus der Gegenwart, 1930; Die theologischen Voraussetzungen der Politik, 1931; Das Gesetz des Staates, 1932; Vom christlichen Leben. Eine Auslegung von Römer 12 und 13, 1934; Vom rechten Verständnis der christlichen Freiheit und von der Bewährung dieser Freiheit im bürgerlichen Leben, 1935; Volk und Obrigkeit, eine Gabe Gottes, 1937; Christi Reich und die irdischen Reiche, 1939; Die Heiligung. Ethik I, 1942, 21946; Kirche, Volk, Staat. Ethik II,1, 1945; Humanismus und Evang. Theologie, 1947; Ehe und Haus. Ethik II,2, 1953; Ruhe und Arbeit, Lohn und Eigentum. Ethik II,3, 1956; Das Judentum in der Lehre und Verkündigung der Kirche heute (ThExh NF 130), 1966.

Klaus Wegenast

Letzte Änderung: 01.02.2001