QUERVAIN, Alfred de, * 28.9. 1896 in La Neuveville BE, † 30.10. 1968
in Bern. de Q. studierte In Bern, Basel, Marburg und Berlin
Evang. Theologle und Philosophie. Wichtige Einsichten verdankte
er dem christ-katholischen Professor Arnold Gilg und dem Philosophen P. Natorp. Nach dem Staatsexamen, das de Q. In Bern ablegte
(1921), war er Pfarrer an verschiedenen Gemeinden (La Neuveville,
Stuttgart, Elberfeld und Laufen BE). 1929 erwarb er den Grad eines
Lizentiaten der Theologie in Basel und habilitierte sich im folgenden
Jahr für Systematische Theologie ebenfalls In Basel. 1935
folgte er einem Ruf als Dozent an die Kirchliche Hochschule der
bekennenden Kirche in Deutschland in Elberfeld, nahm aber weiterhin
auch seinen Lehrauftrag in Basel wahr. Während des Kirchenkampfes
in Deutschland stand de Q. fest auf der Seite der bekennenden Kirche.
1944 wurde er als ao Professor für Ethik nach Bern
berufen. Seit 1948 lehrte er als oP Ethik, Soziologie, praktische
Exegese und französische Theologie. Als Ethiker lehnte er mit Karl
Barth und anderen gesinnungsethische Entwürfe ab, weil diese unmöglich
mit der Botschaft von der in Christus Wirklichkeit gewordenen Gnade
zu vereinbaren sei. Ebenfalls der dialekt. Theologie
verpflichtet ist seine Betonung der Humanität des Menschen als
freie Setzung Gottes im Schöpfer- und Gnadenakt, durch die die menschliche
Welt der Sittlichkeit radikal in Frage gestellt werde. Deshalb kann de Q.
nicht von einem christlichen Humanismus reden,
sondern nur von der Liebe Gottes zum Menschen. -
Die wesentlichen Schwerpunke seiner wissenschaftlichen Arbeit sind
die politische Ethik und Grundsatzreflexionen über das menschliche
Handeln angesichts des Willens Gottes. Interessant, daß
der Professor auch eine Fülle von Predigten und biblischen Betrachtungen
für einen größeren Leserkreis publiziert hat.
Werke: Es gibt eine umfaßende Bibliographie, die von Reinhold de
Quervain zusammengestellt worden ist: Johann Jakob Stamm / Ernst
Wolf (Hrsg.), Freude am Evangelium. FS für Alfred de Quervain, München 1966,
173-180; Hervorzuheben sind: Gesetz und Freiheit. Eine
Zwiesprache mit dem römischen Katholizismus der Gegenwart, 1930;
Die theologischen Voraussetzungen der Politik, 1931; Das Gesetz
des Staates, 1932; Vom christlichen Leben. Eine Auslegung von
Römer 12 und 13, 1934; Vom rechten Verständnis der christlichen
Freiheit und von der Bewährung dieser Freiheit im bürgerlichen Leben, 1935;
Volk und Obrigkeit, eine Gabe Gottes, 1937; Christi
Reich und die irdischen Reiche, 1939; Die Heiligung. Ethik I, 1942,
21946; Kirche, Volk, Staat. Ethik II,1, 1945; Humanismus und Evang.
Theologie, 1947; Ehe und Haus. Ethik II,2, 1953; Ruhe und Arbeit,
Lohn und Eigentum. Ethik II,3, 1956; Das Judentum in der Lehre und
Verkündigung der Kirche heute (ThExh NF 130), 1966.