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Band XVI (1999)Spalten 1305-1307 Autor: Johannes Madey

QUIRINI (Querini), Angelo Maria, * 30. März 1680 in Venedig, † 6. Januar 1755 in Brescia. Als junger Benediktinermönch in Florenz knüpfte er Beziehungen zu einheimischen und während seiner ausgedehnten Studienreisen (1710 bis 1714) auch zu ausländischen Gelehrten. So war er mit P. Ambarach und A. Magliabecchi, B. de Montfaucon, P. Papebroch, I. Newton und F. Fénélon bekannt geworden. Nach Italien zurückgekehrt, wurde er vom Kapitel der kassinesischen Benediktinerkongregation beauftragt, die Annalen der italienischen Benediktiner abzufassen. Im Jahre 1718 wurde Q. Mitglied der päpstlichen Kongregation für die Revision der griechischen liturgischen Bücher. Im darauffolgenden Jahr wurde er Abt in Florenz. Schon wenige Jahre später, seit dem 22. November 1723, ist er lateinischer Erzbischof von Korfu; hier bemüht er sich um gute Kontakte zu den orthodoxen Griechen. Papst Benedikt XIII. kreiert ihn am 9. Dezember 1726 zum Kardinal und versetzt ihn am 30. Juli 1727 auf den Bischofsstuhl von Brescia. Hier gründet er 1745 die noch heute bestehende »Bibliotheca Queriniana«. Am 4. September 1730 wird Q. zum Bibliothekar der Römischen Kirche ernannt und zehn Jahre darauf von Papst Benedikt XIV. zum Präfekten der Indexkongregation. Q. arbeitete selbst an zahlreichen Arbeiten zur Liturgie- und Kirchengeschichte. Er hatte eine ausgedehnte Korrespondenz auch mit protestantischen Gelehrten wie J. J. Breitinger und J. G. Schelhorn, selbst mit dem Aufklärer Voltaire. In den Jahren 1747/1748 unternahm er erneut eine Studienreise in die Schweiz und nach Bayern. Die norddeutschen Missionen unterstützte er nach Kräften, ebenso den Bau der St.-Hedwigs-Kirche in Berlin, die jetzt Kathedralkirche des Erzbistums Berlin ist. Trotz all seiner Verdienste kam es häufig zu Differenzen mit Papst Benedikt XIV., so nach der Ernennung von D. Passioneis zum Pro-Bibliothekar und wegen der Einstellung des Papstes im den Auseinandersetzungen mit Venedig um Aquileja. Schließlich wurde Q. aus Rom verbannt und kehrte in sein Bistum zurück. Der preußische König Friedrich II. »der Große« bezeichnete Q. »un grand'homme qui fait à la fois l'honneur de la purpre et de sa patrie«.

Biographie: Commentarii de rebus pertinentibus A. M. Q., 3 Bde, Brescia 1749 (= Autobiographie bis 1740, Fortsetzung durch F. Sanvitale für die Jahre 1740-1752, 2 Bde, Brescia 1761).

Werke: De monastica historia conscribenda, Florenz 1717; Orthodoxa veteris Graeciae officia, 2 Bde, Rom 1721; Enchiridion Graecorum, Benevent 1725; Primordia Corcyrae, Lecce 1725, Brescia 21738; Pauli II vita, Rom 1740; Imago Pauli III, Brescia 1745; Reginaldi Poli epistolae, 4 Bde, Brescia 1744-1752 (Bd. V von F. Sanvitale, Brescia 1757); Decem epistolarum decades, Brescia 1742-1752; N. Coleti (Hrsg.), Epistolae quotquot latino sermoni edidit, Venedig 1756; Epistolae Em.mi et Rev.mi A. M. Q., Venedig 1786; Specimen humanitatis, Brescia 1748 (Briefe protestantischer Gelehrter); Tiara et purpura Veneta (anonym), Brescia 1761.

Lit.: A. Sambuco, Lettere intorno alla morte del card. A. M. Q., Brescia 1757; A. Baudrillart, De Cardinale Q. vita et operibus, Paris 1889; F. Lauchert, in: Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner- und Zisterzienserorden 24 (München 1902), 243-275 (Beziehungen zu deutschen Protestanten); - C. Castelli, Il card. Angelo Maria Q.,in: Brixia sacra 12 (1920), 103-137; - R. Mazzetti, Il card. Angelo Maria Quirini, Brescia 1933; - M. de Caro, Storia monastica e il metodo del card. A. M. Quirini, in: Rivista storica Italiana 50 (Neapel 1933), 90-93; - B. Trifone, Alcune lettre inedite del card. Q. in: Benedictina 4 (1950), 133-1427; - P. Guerini, Il card. A. M. Quirini nel bicentario della sua biblioteca, in: Memorie storiche della diocese di Brescia 17 (Brescia 1950), 57-116; - Pastor XV/1, 150-155; - ECatt X, 395; 197> J. Allendorff, in: Wichmann-Jahrbuch 15-16 (Berlin 1961-62), 125-143; - Miscellanea Queriniana, Brescia 1961; - LThK2 VIII, 945f..

Johannes Madey

Letzte Änderung: 03.12.1999