QUIRINIUS P. SULPICIUS, römischer Senator zur Zeit des Kaisers Augustus, * zu unbekannter Zeit im ersten Jahrh. v. Chr. in Lanuvium (heute Lanuvio)
südlich des Lago di Nemi im Gebiet der Colli Albani, † 21 n. Chr. Aus einer
Familie des Ritterstandes stammend, stieg er aufgrund militärischer Bewährung
in den Ämtern des ordo equester auf, ohne daß sich der genaue Verlauf in
den spärlichen Worten von Tacitus, Ann. III 48, 1 erkennen läßt. Daraufhin
wurde er von Kaiser Augustus in den Senatorenstand aufgenommen: In diesem
war er also ein homo novus. Um 15 v. Chr. dürfte er nach der Prätur proconsul Cretae et Cyrenae gewesen sein: Am ehesten in dieser Funktion wird er
die libyschen Stämme der Garamanten und Marmariden unterworfen haben, wie
es Florus, Epit. II 31, 41 = IV 12, 41 berichtet. Dieser Erfolg war der Grund
dafür, daß er vom Kaiser zum zweiten consul ordinarius (ordentlicher Konsul)
des Jahres 12 designiert wurde. Wohl in den Jahren 5 und 4 übernahm er als
legatus Augusti pro praetore (kaiserlicher Statthalter) die Verwaltung der
Provinz Galatia et Pamphylia: Hier eroberte er die Bergfestungen des Stammes
der Homonadenser in Kilikien (Strabon, Geogr. XII 6, 5) und erhielt für diese
Taten die ornamenta triumphalia verliehen. Anschließend kann er für ein Jahr
(in der Zeitspanne zwischen 3 v. Chr. und 2 n. Chr.) als Prokonsul Asia verwaltet und damit eine der zwei höchsten Statthalterschaften in Senatsprovinzen bekleidet haben, doch ist dies keineswegs sicher. Von 2 bis 4 n. Chr.
begleitete Q. nach Tacitus' Worten (s. o.) als comes et rector den älteren der
beiden Adoptivsöhne des Augustus, C. Caesar, während dessen Feldzug in
Armenien. Zuvor besuchte er noch den späteren Kaiser Tiberius, der sich
damals im selbstgewählten Exil auf Rhodos aufhielt, und erwarb sich dadurch
dessen Freundschaft. Kurze Zeit darauf, im Jahre 6, erhielt Q. mit dem Amt
des legatus Aug. pro praetore von Syrien die ranghöchste kaiserliche Statthalterschaft, wahrscheinlich durch den Einfluß des neuen Thronfolgers Tiberius. In dieser Dienststellung fügte er Judäa nach der Absetzung des Klientelkönigs Herodes Archelaos Syrien hinzu und führte hier einen census (Volkszählung) durch: Allgemeine Angaben dazu macht Fl. Josephus, Ant. Iud. 17, 13, 5; 18,
1, 1 und 18, 2, 1 f. Details sind in der Grabinschrift eines ritterlichen Offiziers
in Q.'s Heer genannt (CIL III 6687 = ILS 2683), der in der Stadt Apamea die
Zählung vornahm. Dieser Census, der unter den Juden zu Mißstimmung und
Aufstand führte (siehe Josephus), wird im Lukasevangelium 2, 1, 2 zu Unrecht
in die Zeit der Geburt Jesu Christi datiert, möglicherweise aufgrund einer
Verwechslung der Statthalterschaft des Q. in Syrien mit der in Galatien. Auf
jeden Fall kann ein römischer Statthalter keinen Census in einem Gebiet
abgehalten haben, das einem einheimischen Fürsten unterstand: Deshalb kann
Q. nicht in der wahrscheinlichen Geburtszeit Christi tätig gewesen sein, als
noch Herodes der Große als König von Judäa regierte. Schon Tertullian, Adv.
Marcionem IV 19, 10 erkannte das Problem und schrieb die Volkszählung einem
anderen, früheren römischen Statthalter zu, doch ist dies wegen der genannten staatspolitischen Verhältnisse nicht möglich. Eine akephale Inschrift aus
Tibur (Tivoli), welche die drei wohl letzten Ämter eines Konsulars aufzählt
(CIL XIV 3613 = ILS 918 = IIt IV 4, 1), wird traditionell Q. zugewiesen; dies
ist jedoch nicht zweifelsfrei zu belegen. Nach dem Amt des syrischen Statthalters übernahm Q. anscheinend keine weiteren. Aus seinen zwei Ehen mit
Claudia Appi f(ilia) und Aemilia Lepida, beide Angehörige alter patrizischer
Familien, hatte er keine Kinder, doch waren diese Verbindungen auch nicht
glücklich: Von seiner zweiten Frau ließ er sich scheiden und sagte in ihrem
Prozeß wegen verschiedener moralischer Vergehen vor dem Senat im Jahre 20
entschieden gegen sie aus. Q. starb im folgenden Jahre und erhielt auf
Antrag des Kaisers Tiberius, in dessen früher Regierungszeit er einen beträchtlichen Einfluß ausübte (Tacitus, Ann. III 48, 2, spricht von praepotens
senectas), vom Senat ein Staatsbegräbnis zugesprochen.
Lit.: Strabon, Geographica XII 6, 5; - Flavius Josephus, Antiquitates Iudaicae XII
13, 5; - XVIII 1, 1 und 2, 1 f.; - Tacitus, Annales III 48; - Florus, Epitoma II 31, 41
= IV 12, 41; - Tertullianus, Adversus Marcionem IV 19, 10; - William M. Ramsay,
Studies in the Roman Province of Galatia I: The Homonadeis and the Homonadensian War, JRS 7, 1917, 229-283; - Emil Schürer, Geschichte des jüdischen
Volkes im Zeitalter Jesu Christi, Bd. 15, 1920, 508-543 = Ders., The History of
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Edinburgh 1973, 381 f., 399-427; - Hermann Dessau, Zu den neuen Inschriften des
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