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Band VII (1994)Spalten 1130-1131 Autor: Josef Theodor Rath

QUIRINUS von Neuss. Die Legenda Aurea des Jakobus de Voragine berichtet von einem römischen Tribunen Quirinus, der in der ersten Hälfte des 2. Jh. eingekerkerte, zum Tod verurteilete Christen zu überwachen hatte, unter ihnen Papst Alexander I, 105-115. Nachdem der Papst seine Tochter Balbina von einem chronischen Halsleiden geheilt hatte, nahmen Vater und Tochter den christlichen Glauben an. Unter Kaiser Hadrian, 119-130, wurden auch sie zum Tode verurteilt. Sie wurden in der Prätextatuskatakombe beigesetzt und ihr Andenken stand hoch in Ehren. Q. soll nämlich bei einem Besuch im mamertinischen Gefängnis die Fesseln gefunden haben, mit denen der Apostel Petrus in der neronischen Verfolgung vor seinem Tod angekettet war. Sie befinden sich in der römischen Petruskirche ťad vinculaŤ. Im Jahre 1050 schenkte der aus Deutschland stammende Papst Leo IX, 1049-1054, die Reliquien des hl. Q. seiner Schwester Gepa, Äbtissin im Benediktinerinnenkonvent in Neuss. Die Neusser machten ihn zum Schutzheiligen ihrer Stadt, bauten über seinem neuen Grab eine der schönsten Kirchen im Rheinland, das Quirinusmünster, und feierten am 30. April mit einem Volksfest sein Gedächtnis, besonders nach 1475, fest überzeugt, daß er im Krieg Karls des Kühnen von Burgund gegen die Städte Köln und Neuss, ihre Stadt vor der Eroberung und der Plünderung bewahrt hatte. Die Verehrung des hl. Quirinus verbreitete sich weit ins linksrheinische Land hinein. Von überallher kamen die Wallfahrer in Pestzeiten und bei Hals- und Hautkrankheiten und nahmen aus dem Quirinusbrunnen Quirinuswasser mit nach Hause. Es gab einen Quirinusbrunnensegen und einen Quirinuspferdesegen. Er gehörte schließlich so sehr zu den hilfsbereiten Heiligen, daß man ihn mit dem Marschall am Kaiserhof verglich und ihn mit noch drei anderen, im Rheinland hochverehrten Heiligen, dem Einsiedler Antonius, dem Papst Cornelius und dem Jäger und Bischof Hubert den Ehrentitel eines Marschalls am Throne des alles beherrschenden Christus, verlieh. Auf der Kuppel des Neusser Münsters steht immer noch sein reich vergoldetes, ehernes Bild, das der französische Revolutionsgeneral Bernadotte, der spätere König von Schweden, vergeblich herunterzuschießen versucht hat.

Lit.: Acta SS Mart. III (1668) 811; - W. Felten, Zur Geschichte der Verehr. der hl. vier Marschälle. Ann. d. hist. Vereins für d. Niederrh. Bd. 104 (1920) 120 ff.; - J. Torsy, Der Hl. Marschall Quirinus, Zur Geschichte seiner Verehrung, Ann. Bd. 153-154, (1953) 7 ff.; - H. Zender, Die Verehrung des hl. Quirinus in Kirche und Volk, Neuss 1967; - Helmut Giliam in: Neuss im Wandel der Zeiten, St. Quirinus, Stadtpatron, Neuss 1969, 402 f.; - C Melchers, das große Buch der Heiligen, Geschichte und Legenden, München 1978, 193 f.

Josef Theodor Rath

Literaturergänzung:

1983

Johann Weissensteiner, Tegernsee, die Bayern und Österreich. Studien zu Tegernseer Geschichtsquellen und der bayerischen Stammessage. Mit einer Edition der Passio secunda s. Quirini = Archiv für Österreichische Geschichte Bd. 133, Wien 1983

1988

Anon. (vielleicht Gregor Pusch OSB, Archiv u. Historiker von Niederaltaich?), Wunderthätiges Leben und Tod des großen Blutzeugen Christi, des heiligen Quirini, Römischen Rottmeisters und besonderen Patron des zum Kloster gehörigen Gotteshaus Thundorf in Niederbayern, Straubing 1760; Neubearbeitung: Anon. (Vielleicht Andreas Rettenberger, damaliger Expositus in Thundorf?), Das wunderthätige Leben und der Tod des heiligen Martyrers Quirinus, Patrons des Gotteshauses in Thundorf nebst Ursprung und Schicksal der Kirche Thundorf, Osterhofen 1888; -

2006

Robert Jauch, Ewige Gemeinschaft mit d. Bürgern d. Reiches Gottes, in: Gottes Wort im Kirchenjahr 2006, Bd. 2, S. 207f.

Letzte Änderung: 09.07.2009