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Band VII (1994)Spalten 1132-1133 Autor: Walter Troxler

QUIRINUS vom Tegernsee, Martyrer; 3. Jh. - Martyrer und Heiliger, der während der Regierung Claudius Gothicus (268-70) als Christ eingekerkert und enthauptet worden war. Seine Leiche wurde in den Tiber geworfen und blieb auf der Tiberinsel Lykanoia (San Bartolomeo) liegen. Sie soll von persischen Pilgern gefunden am 25. März in der Katakombe des Pontianus bestattet worden sein. - Kapitel 1-4 der Passio St. Q., die wörtlich von der Passio St. Marii (BHL II,815) abhängen sind unglaubwürdig. - Quirinalien des Metellus um 1160 sind davon beeinflußt und auch die zweite Passio des Mönchs Heinrich v. Tegernsee (um 1160-80) und die ihnen folgende Fundatio monasterio Tegernseenensis woben die Legende weiter. Q. erscheint als zweiter Sohn des röm. Kaisers Philippus Arabs; daher auch in Kunst mit Apfel und Szepter abgebildet. - Die Kapitel 5-11 der Passio erscheinen historisch bezeugt. Die Übertragung eines Märtyrerleibes namens Q., der nicht identisch mit Bischof Q. von Siscia, ist durch die beim Tegernsee begüterten Brüder Adalbert und Ottokar (Otgar) und ihren Neffen Uto (Eio) veranlaßst worden. So kamen die Gebeine von Q. von Rom in die Salvatorkirche zu Tegernsee, womit Gründung des Kloster im Zusammenhang steht. Dies geschah nach einer Urkunde Otto II. datiert vom 10.06. 979 (MGH Dipl Otto II Nr 192 S. 219) unter König Pippin und unter Papst Zacharias am 18.05. 746. Möglicherweise aber war es unter Papst Paul I. der um 761 mehrere Leiber, darunter einen am 23. März gefeierten Q. aus den Katakomben in die Silvesterkirche hat übertragen lassen. - Eine zweite Translation erfolgte am 16.6. 804 wohl von der Salvator- in die neue Peterskirche des Klosters, wo die Gebeine auf dem Hochaltar noch ruhen. Das Aufblühen von Tegernsee förderte auch den Kult um Q. - In Tegernsee entstanden vier weitere Viten, wie auch weitere Kultstätten: St. Quirin am Ostufer des Sees. Dort, wo im heutigen St. Quirin der Sarg bei der Übertragung letztmals abgestellt worden sei, entsprang eine Heilquelle. Darüber wurde eine Kapelle erbaut, die 1450 durch eine Steinkirche mit Marmorbrunnen in der Mitte des Schiffes als Gnadenquelle ersetzt wurde. Eine andere Kapelle von St. Quirin am Rombogen entdeckt um 1430 enthielt Erdöl, woraus das Q. Öl hergestellt, das als Heilmittel gilt. Fest 25. März; Translation 16. Juni.

Lit.: 1) Viten Passio I [Ende 9. Jh. verfaßt]. Hrsg. Bruno Krusch, in: MG SS rer. Merov. III 8-20; - Quirinalia in laudibus B. Quirini [um 1150 verfaßt von Metellus] Hrsg. von Peter Christian Jacobsen. 1965; - Passio II et miracula. [verfaßt von Heinrich um 1160/80]. Tw. hrsg. von Th. Mayer, In: Archiv für österreichische Geschichtsquellen III Wien 1849, 325-351; - Historia fundationis monsterii Tegernseensis. [verfaßt 12./13. Jh.] Hrsg. Bernhard Pez, Thesaurus anecdotorum novissimum. Augsburg 1724 III, 475-492; - Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis, ed. Soc Bollandiani. Brüssel 1898/1901 II 1022ff.; - Paul Peters, Die Quirinalien des Metell von Tegernsee mit Ausnahme der Eklogen auf die Quellen hin untersucht. (Diss) Greifswald 1913; - 2. Translation: Theodor Bitterauf, Traditionen des Hochstifts Freising I. München 1905, Nr. 197 S. 187-190; - Johannes Fabricius v. Dillingen, Historia regis sancti Quirini um 1582/86 [Ms in Bay. Staatsbibliothek München Clm 2301]; verkürzt abgedruckt In: Andreas Felix von Oefele, Rerum boicarum scriptores II Augsburg 1763, 52-80; - Thedor Mayer, In: Archiv für österreichische Geschichtsquellen III Wien 1849, 281-325; - St. Q. Jubiläums-Büchelchen, vollständiges, für die Neusser Bürger und auswärtige Pilger nach Neuß enthaltend die Geschichte der Bekehrung und des Märterthumes des hl. Q.; so wie die Jubiläumsbulle nebst den am 5. Mai und den sieben folgenden Tagen zu haltenden Andachten zum hl. Q. und beim Gebrauch des Q.-Wassers. 2. verb. Auflage Düsseldorf 1850; - A. von Reichlin-Meldegg, Die Historie St. Q. München 1890; - Bernhard Schmeidler, Studien zur Geschichtsschreibung des Kl. Tegernsee vom 11. bs zum 16. Jh. München 1935, ND Aalen 1974, 14-17 (Schriftenreihe zur Bayerischen Landesgeschichte 20); - A SS. Martii III. Paris 1865, 542-552; - Bernhard Sepp, In: Monatsschrift des hist. Vereins von Oberbayern V 1896, 29-32; - Georg Ratzinger, Q. und Arsacius. Tegernsee und Illmüsnter. In: Forschungen zur bayerischen Geschichte. Kempten 1898, 457-492; - Maximilian Fastlinger, Die wirtschaftliche Bedeutung der bayerischen Klöster. Freiburg 1903, 156-162; - Sigmund von Riezler, Geschichte Baierns. 8 Bde. Gotha 1878-1914; I.1, 208 f. (2. Aufl. Innsbruck 1927) I.2, 468,478,487f.; - Paul Fridolin Kehr, Regesta Pontificum Romanorum. Hrsg. Albert Brackmann. Berlin 1911, I.2 360-363; - Virgil Redlich, Tegernsee und die deutsche Geistesgeschichte im 15. Jh. München 1931, ND Aalen 1974, 201-203 (Schriftenreihe zur Bayerischen Landesgeschichte 9); - Karl Künstle, Ikonographie der christlichen Kunst II: Ikonographie der Heiligen. Freiburg 1929, 507f.; - Joseph Braun, Tracht und Attribute der Heiligen in der deutschen Kunst. Stuttgart 1943, 619ff. ND Stuttgart 1964, Berlin 1988; - Romuald Bauerreiss, Kirchengeschichte Bayerns 5 Bde. St. Ottilien 1949-55: I, 143, 158; - Rudolf Kriss, Die Volkskunde der altbayerischen Gnadenstätten I. München 1953, 181f., II idem 1955, 252f.; - Robert James Forbes, Studies in Early Petroleum History. Leiden 1958, 58ff., 109f., 129f.; - BS III, 1339; - LThK VIII 1936, 595-96; - LThK VIII 1963, 948-949.

Walter Troxler

Literaturergänzung:

1888

Anon. (vielleicht Gregor Pusch OSB, Archiv u. Historiker von Niederaltaich?), Wunderthätiges Leben und Tod des großen Blutzeugen Christi, des heiligen Quirini, Römischen Rottmeisters und besonderen Patron des zum Kloster gehörigen Gotteshaus Thundorf in Niederbayern, Straubing 1760; Neubearbeitung: Anon. (Vielleicht Andreas Rettenberger, damaliger Expositus in Thundorf?), Das wunderthätige Leben und der Tod des heiligen Martyrers Quirinus, Patrons des Gotteshauses in Thundorf nebst Ursprung und Schicksal der Kirche Thundorf, Osterhofen 1888; -

1946

Michael Hartig, Die mittelalterliche Kunsttätigkeit des Kosters Tegernsee, in: StMBO 60, 1946, 218-231; -

1983

Johann Weissensteiner, Tegernsee, die Bayern und Österreich. Studien zu Tegernseer Geschichtsquellen und der bayerischen Stammessage. Mit einer Edition der Passio secunda s. Quirini = Archiv für Österreichische Geschichte Bd. 133, Wien 1983; -

2007

Elisabeth Söllner, Die Wallfahrt zum hl. Q. in Tegernsee im 18. Jhr., in: BAK 50.2007, S. 75-132.

Letzte Änderung: 09.07.2009