Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band VII (1994)Spalten 1133-1135 Autor: Hildegard Ernst

QUIROGA, Diego de, OFMCap, span. Diplomat und Beichtvater der Infantin Maria Anna, Gemahlin Kaiser Ferdinands III., * 16.8. 1574 in Quiroga (Orense), + 10.10. 1649 in Madrid. - Als Sohn eines Adligen schlug Q. zunächst die militärische Laufbahn ein und zeichnete sich als Fähnrich in den Niederlanden durch seine Verwegenheit aus. Am 3.6. 1598 trat er in Figueras (Spanien) in den Kapuzinerorden ein, wurde 1605 zum Priester geweiht und wechselte 1609 nach Madrid, wo er sich als Prediger einen Namen machte. 1615-1618 war Q. Provinzialminister von Valencia, 1622-1627 von Kastilien. - Q. begann seine diplomatische Laufbahn als Berater des italienischen Kapuziners Hyazinth von Casale. Er begleitete ihn im Juni 1621 nach Wien, wo Casale im Auftrag des Papstes Urban VIII. Kaiser Ferdinand II. dazu bewegen sollte, Herzog Maximilian I. von Bayern mit der Kurwürde des geächteten Pfalzgrafen Friedrich V. zu belehnen. Mit Rücksicht auf die spanischen Interessen (Philipp IV. wollte einen Konflikt mit König Jakob II. von England, dem Schwiegervater des Pfalzgrafen vermeiden) war der Kaiser aber nur zu einer geheimen Belehnung Maximilians bereit. Im Dezember 1621 reiste Q. mit Casale nach Madrid. Die Patres erwirkten dort zunächst die Zustimmung des Königs zur öffentlichen Belehnung Maximilians. Nachdem Jakob II. aber ein neues Angebot in Madrid unterbreitet hatte, zog Philipp IV. seine Einwilligung wieder zurück. - 1623 gehörte Q. zu den Beratern des Katholischen Königs, als es um die Werbung des Prinzen von Wales um die Hand der Infantin Maria Anna ging. Er forderte, wie die meisten anderen Theologen, einen Konfessionswechsel des Prinzen. Die Heirat kam nicht zustande. - 1626 wurde die Infantin dem Sohn des Kaisers, Ferdinand, König von Ungarn und später Kaiser Ferdinand III., verlobt. Q. wurde am 15.8. 1628 zum Beichtvater der Infantin ernannt und begleitete sie 1630/31 auf ihrer Reise nach Wien. Er versah dieses Amt bis zum Tode der späteren Kaiserin 1646. In dieser Zeit stand er als Angehöriger des Hofstaates der Infantin auf der Gehaltsliste der spanischen Botschaft in Wien und führte zeitweilig, während der Abwesenheit des Gesandten, deren Geschäfte. Q. wurde mit zahlreichen diplomatischen Aufgaben im Reich betraut. 1632/33 versuchte der Erste Minister Philipps IV., der Conde-Duque de Olivares, über Q. den kaiserlichen Generalissimus Wallenstein für die spanischen Interessen zu gewinnen. Der Kapuziner schickte euphorische Berichte nach Madrid und bestärkte so Olivares in dem Glauben, der Kaiser und mit ihm die spanischen Botschafter Castañeda und Oñate verdächtigten Wallenstein grundlos des Verrats. Es kam darüber zum offenen Streit zwischen Q. und den beiden Gesandten, der zur Folge hatte, daß Castañeda strafversetzt werden sollte. Oñate hielt daraufhin ohne Wissen des Königs die monatlichen Subsidien, die Madrid dem General für das kaiserliche Heer schickte, zurück und stellte sie dem Kaiser in Aussicht für den Fall, daß er Wallenstein absetzte. Erst nach Wallensteins Tod erkannte Olivares, daß er sich von den Schilderungen des Kapuziners hatte täuschen lassen. - Q. wurde 1649 nach Madrid zurückberufen und zum Beichtvater der Infantin Maria Teresa, der zukünftigen Gemahlin Ludwigs des XIV., ernannt. Auf seiner Reise begleitete er die Erzherzogin Maria Anna, die Verlobte Philipps IV., von Wien nach Madrid. Kurz nach seiner Ankunft in Madrid starb der Kapuziner. - Q. gehörte zu dem Stab von Theologen, die immer wieder versuchten, den Kaiser durch rein religiöse Argumente zu bestimmten politischen Entscheidungen zu bringen. Von Olivares war er als Gegenspieler zu dem Beichtvater Ferdinands II., dem Jesuiten Lamormaini, ausgewählt worden, der gegen eine enge Verbindung der beiden habsburgischen Häuser war (vgl. Art. Lamormaini). Q.s unbedingtes Festhalten an Wallenstein war wohl auch durch persönliches Geltungsbedürfnis diktiert, denn auf diese Mission hatte man in Madrid große Hoffnungen gesetzt.

Lit.: Buenaventura de Carrocera, El Padre Diego de Quiroga, diplomático y confesor de reyes (1574-1649), in: Estudios Franciscanos 50 (1949), 71-100; - Dieter Albrecht, Die auswärtige Politik Maximilians von Bayern 1618-1635, 1962; - Diccionario de historia eclesiástica de España, vol. 3, 1973, 2039; - LexCap. 502-503; - Hildegard Ernst, Madrid und Wien 1632-1637, Politik und Finanzen in den Beziehungen zwischen Philipp IV. und Ferdinand II., 1991.

Hildegard Ernst

Letzte Änderung: 11.02.1999