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Band VII. (1994) Spalten 1188-1189 Autor: Martin Persch

RADBOD, Erzbischof von Trier, + 30.3. 915. R. entstammte einem alemannischen Geschlecht und soll vor seiner Wahl zum Erzbischof von Trier (8. April 883 ?) nach der Darstellung des Regino von Prüm Abt von Mettlach gewesen sein. Tatsächlich war seine Wahl auf Betreiben Kaiser Karls (III.) des Dicken (876-887) erfolgt. Der neue Erzbischof hat sich höchst energisch um den inneren und äußeren Aufbau des von den Normannen verwüsteten Bistums bemüht. Dem inneren Aufbau diente eine im Jahre 888 (oder 893) abgehaltene, noch ganz unter dem Schock des Normannensturmes stehende Provinzialsynode, die in Metz gemeinsam mit den Bischöfen von Metz, Toul und Verdun sowie den Grafen und Edlen, aber auch den Priestern des Landes gehalten wurde. R. hat während seiner langen Regierungszeit auch entscheidend in die Organisationsstrukturen des Bistums eingegriffen. Er hat das seit dem 4. Jahrhundert nachgewiesene und im 8. und 9. Jahrhundert im Trierer Sprengel zum Höhepunkt gekommene Institut der Chorbischöfe abgeschafft und an ihre Stelle fünf Archidiakone eingesetzt, die ihren Sitz allerdings an den bisherigen Dienstorten der Chorbischöfe (Trier, Longuyon, Dietkirchen, Karden und Tholey) nahmen. Allerdings konnten sie keine Pontifikalfunktionen ausüben, da diese nun dem Erzbischof vorbehalten blieben. So hat R. nicht unerheblich dazu beigetragen, daß in Trier eine immer stärkere Konzentrierung der bischöflichen Gewalt im gesamten Mittelalter stattfinden konnte. Als Zwischeninstanz zwischen Klerus und Laien wurde das Amt des Sendschöffen eingeführt, das im wesentlichen bis 1801 bestand. Unter Zwentibold, Ludwig (IV.) dem Kind und Karl (III.) dem Einfältigen diente Radbod Lothringen bzw. Westfranken als Kanzler, was zu einer nicht zu unterschätzenden Vergrößerung der erzbischöflichen Macht in materieller und geistlicher Hinsicht führte. Karl stellte Radbod 913 eine Urkunde aus, in welcher er Klerus und Volk von Trier das Recht zusicherte, den Erzbischof frei zu wählen. Damit war eine direkte königliche Beteiligung an der Wahl ausgeschlossen. In einer Wadgassener Urkunde vom Jahre 902 hatte Ludwig dem Erzbischof bereits landesherrliche Rechte in der Bischofsstadt und ihrer Umgebung zugesichert (Münzrecht, Zoll, königliche Güter mit den auf ihnen sitzenden Königsmannen samt Leistungen und Abgaben), so daß der weiteren mittelalterlichen Entwicklung nach Vereinigung von geistlicher und weltlicher Macht in der Person des Trierer Erzbischofs entscheidende Hilfestellung geboten wurde. R., ein besonderer Förderer Reginos von Prüm, starb am 30.3. 915 in Trier. Seine Grabstelle ist nicht bekannt.

Lit.: Jakob Marx d. J., Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier. Band I: Allgemeines, Trier 1923, 14 ff. und 30 ff.; - Peter Oster, Führende Männer im Trierer Land, in: Trierische Landeszeitung. Erste Sonder-Nummer zur Jahrtausendfeier vom 21. Juli 1925, s. 11-14; - F. Gause, Zwentibolds Verhältnis zu den lothringischen Grossen Erzbischof Radbod und Graf Reginar, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 109 (1926) 145-155; - Albert Heintz, Die Anfänge des Landdekanates im Rahmen der kirchlichen Verfassungsgeschichte des Erzbistums Trier, Trier 1951, passim; - Handbuch des Bistums Trier XX (1952) 32; - Emil Zenz (Hrsg.), Die Taten der Trierer. Gesta Treverorum, Bd. I, Trier 1955, 56; - Florentine Mütherich, Das Bergkristallsiegel des Erzbischofs Radpod von Trier, in: Festschrift für Erich Meyer zum 60. Geburtstag, Hamburg 1959, 68-74; - Ferdinand Pauly, Aus der Geschichte des Bistums Trier. Band II: Die Bischöfe bis zum Ende des Mittelalters, Trier 1969, 46-51; - Adolf Paulus, Warum hatte Wetzlar einen Erzpriester?, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 22 (1970) 21-60; - Erich Düsterwald, Kleine Geschichte der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier, St. Augustin 1980, 23-25; - Warren Sanderson, Archbishop Radbod, Regino of Prüm and late carolingian art and music in Trier, in: Jahrbuch der Berliner Museen 24 (1982) 41-61; - ADB XXVII 366-369.

Martin Persch