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Band XVII (2000)Spalten 1208-1210 Autor: Tade Matthias Spranger

SCHILLING von Cannstatt, Georg, Großbailli des souveränen militärischen und Krankenpfleger-Ordens des hl. Johannes zu Jerusalem, zu Rhodos und zu Malta, (* um 1490 in Neuffen, † 2. Februar 1554 auf Schloß Heitersheim. - Sch. v. C. stammte aus einem alten schwäbischen Geschlecht staufischer Ministerialer. Sein Vater stand im Dienste des Grafen von Württemberg. Sch. v. C. trat im Alter von etwa 14 Jahren in den Orden ein. Entgegen anderslautender Stimmen im Schrifttum stellt eine solche Aufnahme in jungen Jahren die Ausnahme dar. Sch. v. C. wird erstmals in einem Brief des Georg von Hirschfeld erwähnt. Dieser Freund Luthers machte 1517 ein Wallfahrt zum heiligen Grab und wurde bis Rhodos von einem »Jorge Schilling« begleitet. Sch. v. C. war in Ansehung der türkischen Bedrohung nach Rhodos zum Kriegsdienst eingezogen worden. In den Kämpfen der großen Belagerung von Rhodos durch die Türken 1522 erwarb er sich erhebliche Verdienste. Die Erlebnisse dieser Zeit hinterließen bei ihm einen so bleibenden Eindruck, daß er sich später in seiner Kommende Heitersheim ein Wandgemälde mit einem Plan von Rhodos samt den Kriegsereignissen anfertigen ließ. In den Jahren nach der Belagerung erhielt er nacheinander die Kommenden Sulz, Dorlisheim, Überlingen, Bubikon, Hall und Mergentheim. Als der Orden nach dem Verlust von Rhodos heimatlos geworden war, bot Karl V. dem Orden an, Malta als Lehen zu übernehmen. 1524 wurde deshalb eine achtköpfige Ordens-Kommission von Viterbo aus nach Malta gesandt. Sch. v. C. vertrat in dieser Kommission die Zunge von Deutschland. Die 1527 getroffene Entscheidung des Generalkapitels, Malta als neuen Ordenssitz anzunehmen, wird allgemein auf den Einfluß Sch. v. C.'s zurückgeführt, dessen Ansehen im Orden letztlich schwerer wog als der massive Widerstand der französischen Zungen (Auvergne, Frankreich, Provence) gegen die Wahl Maltas. Am 13. April 1534 wurde Sch. v. C. Großbailli, also Oberhaupt der deutschen Zunge innerhalb des Ordens. 1535 mußte er sich erneut auf militärischem Terrain behaupten, als er unter Karl V. am Feldzug gegen Chair-ed-Din Barbarossa teilnahm. Im Rahmen dieses für die Christen überaus erfolgreichen Unternehmens eroberte Sch. v. C. mit seinen Soldaten Tunis, wodurch etwa 20.000 christliche Sklaven befreit wurden. Weitere militärische Operationen folgten und hielten Sch. v. C. im Mittelmeerraum. Seine Beteiligung an den diversen Karawanen gegen die Freibeuter der Berberküste brachten ihm den Ruf eines der besten Befehlshaber des Ordens ein. Von 1535 bis 1537 übernahm er den Posten des Gouverneurs von Tripolis. Als Inhaber dieses schwierigen Amtes wies er frühzeitig auf das Problem hin, die Festung im Falle eines ernstlichen Angriffs zu halten. Jahre später sollte sich die Richtigkeit dieser Einschätzung bewahrheiten. Im März 1541 folgte die Ernennung zum Generalkapitän der Galeeren. In dieser Stellung gelang Sch. v. C. die Gefangennahme Ibrahims. Dieser war der Vater des Piraten Kust Ali Abdul Rahaman. Im Austausch gegen Ibrahim gelangte schließlich der spätere Großmeister Jean Parisot de la Valette wieder in Freiheit. Sch. v. C. erzielte aber nicht nur militärische Erfolge. Auch als hervorragender Diplomat hat er bei zahlreichen Gelegenheiten geschickt die Interessen des Ordens vertreten. 1546 kehrte Sch. v. C. nach Deutschland zurück und wurde nach umfangreichen Verhandlungen über die ihm mit dem neuen Amt zufallenden Kommenden Großprior des Großpriorats von Deutschland mit Sitz in Heitersheim. Auf dem Reichstag 1548 in Augsburg wurde Sch. v. C. in Anwesenheit aller Fürsten des Reiches der seltene Titel eines »Reichsfürsten« verliehen. Von diesem Ereignis zeugt eine Porträtmedaille, deren einziger Abguß sich heute in der Staatlichen Münzsammlung München befindet. Der Titel »Reichsfürst« wurde auf die 22 nachfolgenden Großprioren der Zunge Deutschlands vererbt. Am 2. Februar 1554 starb Sch. v. C. Weder ist überliefert, ob er auf Schloß Heitersheim oder bei einem seiner Besuche auf Malta verschieden ist, noch findet sich seine Grabstelle. Indes hat dieser Umstand dem Andenken an einen der bedeutendsten deutschen Ordensritter keinen Abbruch getan.

Lit.: E. Rossi, Il Domino degli Spagnoli e dei Cavalieri di Malta a Tripoli, Rom 1937; - Alfred Graf von Kageneck, Die deutschen Malteser und ihr Fürstentum Heitersheim, in: Deutsches Adelsblatt 56 (1938), Nr. 25, 834 ff.; - P. Steinert, Das Fürstentum Heitersheim und das Johannitermeistertum in Deutschland, Berlin/Oderberg 1942; - Ernst Kirchhoff, Der Souveräne Johanniter-Malteser-Ritter-Orden und sein deutsches Großpriorat Heitersheim, Münster 1949; - Walter Schneider, Das Fürstentum und Johanniter-Großpriorat Heitersheim und sein Anfall an Baden, Diss. Freiburg 1950; - Hubert Graf von Waldburg-Wolfsegg/Adam Wienand, Der Orden auf Malta, in: Adam Wienand (Hrsg.), Der Johanniter-Orden/Der Malteser-Orden, Der ritterliche Orden des hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem. Seine Aufgaben, seine Geschichte, Köln 1970, 195 ff. (210 f.); - L. Hecht, Heitersheim - Aus der Geschichte der Malteserstadt, Heitersheim 1972; - Wolf-Dieter Barz, Georg Schilling von Cannstatt - Ein deutscher Johanniter auf Malta, in: Der Johanniterorden in Baden-Württemberg, Mai 1984; - Michael Galea, Die deutschen Ordensritter von Malta, Malta 1996, 41 ff.

Tade Matthias Spranger

Letzte Änderung: 19.05.2000