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Band IX (1995)Spalten 1110-1111 Autor: Gisela Fleckenstein

SCHULER, Dionysius (Augustinus OFM (seit 1871)), * 22.4. 1854 Schlatt (Hohenzollern), + 7.9. 1926 Kloster Gorheim (Sigmaringen). - S. war das vierte von fünf Kindern des Landwirts und Schmiedes Johann S. und seiner Ehefrau Genofeva. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium in Sigmaringen, um Geistlicher zu werden. Sein Geburtsort Schlatt wurde von Franziskanern aus Stetten pastoriert, daher rührte der Kontakt zum Orden, der ihn am 9.11. 1871 zum Eintritt veranlaßte. Nach Noviziat und Profeß im Kloster Fulda mußte er seine philosophischen und theolgischen Studien - wegen des Ordensverbotes im Kulturkampf - im Kloster St. Trond der belgischen Franziskanerprovinz absolvieren, wo er am 21.9. 1878 zum Priester geweiht wurde. Zwischen 1879-1881 hielt er sich in Epinal (Département Vosges, Diözese St. Die, Frankreich) und Bergholzzell auf, und von 1881-1893 in Paterson (USA), wo die Provinz Exilniederlassungen gegründet hatte. Dort wurden ihm auch Ordensämter übertragen. Am 15.11. 1893 wurde er Kustos und am 24.4. 1894 erster Provinzialminister der wiedererrichteten Thüringischen Franziskanerprovinz von der Hl. Elisabeth. In seiner Amtszeit förderte er die Ordensstudien und unterstützte die Ordensgeschichtsschreibung. Das 1903 in Rom tagende Generalkapitel wählte S. zum Generalminister des Ordens. Er setzte die Arbeit seines Vorgängers Aloysius Lauer, der auch aus seiner Provinz stammte, fort, und er bemühte sich die unter Leo XIII. 1897 erfolgte Vereinigung der vier franziskanischen Orden zu festigen. 1907 wirkte er bei der Gründung der mehrsprachigen Zeitschrift Archivum Franciscanum Historicum (ab 1908) mit und ließ mit der Herausgabe der Werke Alexander von Hales beginnen. Neben dem Ausbau des römischen Studienhauses Collegium Antonianum initiierte er die Errichtung eines zweiten Studienkollegs des Ordens in Löwen (Belgien). Ebenso förderte er die Missionen des Ordens. Wegen beabsichtigter Neuordnungen, die Papst Pius X. in den Franziskanerorden zugunsten der Kapuziner einführen wollte, wurde S. am 27.10. 1911 zum Titularerzbischof von Nazianz nominiert und am 5.11. in Rom konsekriert. Damit war er faktisch seines Amtes als Generalminister enthoben, denn Pius X. hatte mit der Bischofserhebung den Italiener Pacificus Monza zum neuen Generalminister ernannt. S. kehrte - von seinen deutschen Mitbrüdern hochgeehrt - ins Kloster Gorheim zurück, wo er gelegentlich bischöfliche Funktionen ausübte und seinen Lebensabend beschloß. Er wurde in der Kirche des Gorheimer Konventes beigesetzt. - S. war ein umsichtiger Generalminister, der die Union der Orden bejahte, aber in Intrigen der Kurie geriet, die Bestrebungen nachgab, die alte Zahl der italienischen Provinzen vor der Union wieder herzustellen. Er selbst - ganz in der Tradition seines Ordensgründers - brachte den Anweisungen des Papstes Gehorsam entgegen.

Werke: Rundschreiben an den Orden, Reden, Verlautbarungen, Briefe, in: Acta Ordinis Fratrum Minorum 22 (1903) - 30 (1911).

Lit.: Acta Ordinis Fratrum Minorum 22 (1903), 81 f.; 30 (1911), 373-378; 45 (1926), 256 f.; 48 (1929), 300; 50 (1931), 356, 389, 405, 415 f.; - Gallus Haselbeck, P. Dionysius Schuler. Ein Lebensbild, Fulda 1956; - Gisela Fleckenstein, Die Franziskaner im Rheinland 1875-1918, Werl 1992, 25-29, 251 f.; - Hugo Dausend, in: LThK, Bd. IX, Freiburg 1937, Sp. 349; - Palmatius Säger, in: LThK, Bd. IX, Freiburg 1964, Sp. 512.

Gisela Fleckenstein

Letzte Änderung: 14.03.1999