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Band XX (2002)Spalten 1367-1369 Autor: Frank Sobiech

STELZENBERGER, Johannes, kath. Moraltheologe, * 12. August 1898 in Münchnerau b. Landshut, † 19. März 1972 in Stockdorf b. München; Priester der Erzdiözese München. - Nach dem Studium an der Philos.-theol. Hochschule in Freising und der Universität München wurde er am 29. Juni 1923 im Dom zu Freising zum Priester geweiht. Nach anfänglichem Wirken in der Pfarrseelsorge promovierte er im Jahre 1927 in München und habilitierte sich anschließend 1930 in Würzburg. In den Jahren 1935/36 versah er eine Gastprofessur an der Katholischen Universität in Santiago de Chile. Nach kurzer Tätigkeit an der Universität Würzburg lehrte er von 1936 bis 1939 als Professor für Moraltheologie an der Universität Breslau. Am 1. August 1939 wurde er als Heeres- bzw. Divisionspfarrer zur Wehrmacht eingezogen. Im Dezember 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, bekleidete er von 1950 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1966 den Lehrstuhl für Moraltheologie in Tübingen. - Sein Werk wird bestimmt durch die Frage nach dem Beitrag der Geschichte zur Erhellung christlicher Sittlichkeit, wobei er sittlichen Prinzipien als sittlichen Grundentscheidungen große Bedeutung beimißt. Als Instanz zur Aktualisierung dieser Prinzipien auf den konkreten Fall betrachtet er das Gewissen als entwickeltes Wertempfinden der "sittlichen Persönlichkeit". Er beklagte sowohl einen zu wenig überdachten Rekurs auf das Gewissen, der der Entwicklung dessen Wertempfindens zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, als auch eine starre Unterordnung des Gewissens unter einen abstrakten Moralkodex. Sein Lehrbuch der Moraltheologie stellte er unter das in der Geschichte dieser Wissenschaft schon bei Johann Baptist v. Hirscher (1788-1865) in ähnlicher Form begegnende biblisch orientierte Einheitsprinzip der "Königsherrschaft Gottes". - Die bleibende Bedeutung seines Werks liegt im Aufweis der historischen Fundierung der Moraltheologie sowie in der Erhellung des Gewissensverständnisses in der patristischen Literatur.

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Werke (Auswahl): Die Mystik des Johannes Gerson (Breslauer Studien zur historischen Theologie; X) (Diss. München 1926/27), Breslau 1928; A. J. Fahrmann, A. J. Roßhirt, J. M. Feder: Drei Würzburger Moraltheologen der Aufklärungszeit; in: Max Buchner (Hrsg.): Aus der Vergangenheit der Universität Würzburg: Festschrift zum 350jährigen Bestehen der Universität, Berlin 1932, 268-295; Die Beziehungen der frühchristlichen Sittenlehre zur Ethik der Stoa: Eine moralgeschichtliche Studie (Habil. Würzburg 1930), München 1933 (Neudr. Hildesheim 1989); Anton Joseph Roßhirt: Eine Studie zur Moraltheologie der Aufklärungszeit, Breslau 1937; Über Syneidesis bei Klemens von Alexandreia; in: MThZ 4 (1953), 27-33 = in: Walter Dürig; Bernhard Panzram (Hrssg.): Studien zur historischen Theologie: Festgabe für Franz Xaver Seppelt, München 1953, 27-33; Conscientia bei Tertullianus; in: Vitae et Veritati: Festgabe für Karl Adam, Düsseldorf 1956, 28-43; Conscientia bei Augustinus: Studie zur Geschichte der Moraltheologie, Paderborn 1959; Biblisch oder romantisch ausgerichtete Moraltheologie?; in: ThQ 140 (1960), 291-303; Conscientia in der ost-westlichen Spannung der patristischen Theologie; in: ThQ 141 (1961), 174-205; Das Gewissen: Besinnliches zur Klarstellung eines Begriffes, Paderborn 1961; Syneidesis im Neuen Testament (Abhandlungen zur Moraltheologie; I), Paderborn 1961; Physiologische Begleiterscheinungen des Gewissenserlebnisses nach der frühchristlichen Literatur; in: ThQ 142 (1962), 129-147; Syneidesis, Conscientia, Gewissen: Studie zum Bedeutungswandel eines moraltheologischen Begriffes (Abhandlungen zur Moraltheologie; V), Paderborn 1963; Syneidesis bei Origenes: Studie zur Geschichte der Moraltheologie (Abhandlungen zur Moraltheologie; IV), Paderborn 1963; Wertnorm und Gewissen; in: ThQ 143 (1963), 175-188; Reich Gottes bei den deutschen Moraltheologen 1800-1850; in: Herbert Haag; Rudolf Schnackenburg; Johannes Stelzenberger: Moraltheologie und Bibel: 3 Vorträge beim Kongreß der deutschsprachigen Moraltheologen 23.-27. Sept. 1963 in Freising (Abhandlungen zur Moraltheologie; VI), Paderborn 1964, 70-98; Lehrbuch der Moraltheologie: Die Sittlichkeitslehre der Königsherrschaft Gottes, Paderborn 19652 (frz. Übers. Tournai 1960; ndrl. Übers. Brügge 1962; ital. Übers. Torino 1968); Das Menschenbild Johann Baptist Hirschers; in: Joseph Ratzinger; Johannes Neumann (Hrsgg.): Theologie im Wandel: Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Katholisch-theologischen Fakultät an der Universität Tübingen 1817-1967 (Tübinger theologische Reihe; 1), München 1967, 565-581; Gewissen; in: Heinrich Fries (Hrsg.): Handbuch theologischer Grundbegriffe: Band 2, München 19702, 150-159. - In den Jahren 1961 bis 1965 Herausgeberschaft der von ihm begründeten "Abhandlungen zur Moraltheologie" sowie von 1950 bis 1972 mitverantwortliche Zeichnung der "Theologischen Quartalschrift".

Bibliographie: Josef Rief: Johannes Stelzenberger zum Gedenken; in: ThQ 152 (1972), 380-387/384-387.

Lit. (Auswahl): Erich Kleineidam: Die Katholisch-theologische Fakultät der Universität Breslau 1811-1945, Köln 1961, 155 u.ö.; - Rudolf Hofmann: Moraltheologische Erkenntnis- und Methodenlehre (Handbuch der Moraltheologie; VII), München 1963, 228-233/230; - Herbert Vorgrimler; Robert Vander Gucht (Hrsgg.): Bilanz der Theologie im 20. Jahrhundert: Perspektiven, Strömungen, Motive in der christlichen und nichtchristlichen Welt: Band III, Freiburg i.Br. 1970, 337; - Josef Rief: Johannes Stelzenberger zum Gedenken; in: ThQ 152 (1972), 380-387; - LThK3 IX (2000), Sp. 956 f.

Frank Sobiech

Literaturergänzung:

Jürgen Brüstle, Studentenseelsorge im Spannungsfeld des Weltanschauungskampfes zwischen Katholischer Kirche und Nationalsozialismus 1933 bis 1945, in: FDA 117 (1997) 111-215, hier 119f.

Letzte Änderung: 09.04.2011