STERNEDER, Hans, Österr. Dichter und Mystiker, * 7.2. 1889 in Eggendorf (Niederösterreich), + 1981 in Bregenz/Vorarlberg. - Zunächst Lehrer, dann freier Schriftsteller in Gloggnitz/Niederösterreich. Zuletzt lebte und dichtete er in Bregenz. Prof. h.c. Die Gestalt dieses Pädagogen, Dichters und Mystikers war einerseits sehr zurückhaltend, andererseits wirkte seine behutsame Art, mit großer Liebe und mystischem Sinn den »Dingen auf den Grund zu gehen« ungemein. Man könnte ihn einen mystischen Pädagogen nennen. Dadurch wurde er auch für das religiöse Leben Österreichs und darüber hinaus zu einem stillen, bedeutsamen Anreger, in allem Seele und Geist zu entdecken. So wirkte er, gewollt-ungewollt, gegen alle Verknöcherung religiösen Lebens, religiöser Formen sowie religiösen Brauchtums. Er leistete dadurch der Kirche Österreichs einen großen Dienst, obwohl dies »offiziell« kaum zur Kenntnis genommen wurde. In etwa ist er mit dem Tiroler Sebastian Rieger, gen. Reimmichl, zu vergleichen, wenngleich er nie diese Popularität erreichen konnte. St. steht im Dienste der Beseelung des kulturellen Lebens überhaupt und er kann so auch nicht kirchengebundene, geistige Menschen ansprechen. - In einer ganz besonderen Weise tritt seine mystische Ader zu Tage in seinem Hymnus »Der Sang des Ewigen. Das Hohelied der schöpferischen Urkraft« (1928), in »Der Edelen Not. Vision um die Naumburger Figuren« (1938), in »Der Schlüssel zum Tierkreis-Geheimnis und Menschenleben« (1956), in »Das kosmische Weltbild« (1963), in »Die große Verwandlung« (1958). - Zur Beseelung kirchlicher Feste und religiösen Brauchtums dienen vor allem »Frühling im Dorf« (1928), »Sommer im Dorf« (1930). Ganz besonders ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen: »Zauber der Dorfweihnacht« (1961). Hier erscheinen manche Parallelen zu Seb. Riegers (Reimmichl) »Weihnacht in Tirol«. Sehr eigenwillig und wiederum anregend für diesbezügliches kirchliches Denken erscheint das Buch: »Die Neugeburt der Ehe« (1928). Zum Phänomen »Schicksal« oder »Vorsehung« äußerte sich St. vor allem auch in dem Roman: »Die Zwei und ihr Gestirn« (1927).
Werke: Der Bauernstudent (Leipzig 1921); Der Sonnenbruder (Leipzig 1922), Der Wunderapostel (Leipzig 1924); Die Zwei und ihr Gestirn (Leipzig 1927;, Frühling im Dorf-Tagebuch einess Besinnlichen (Leipzig 1928); Der Sang des Ewigen - Das Hohelied der schöpferischen Urkraft (Leipzig 1928), Die Neugeburt der Ehe (Leipzig 1928); Sommer im Dorf-Tagebuch eines Besinnlichen (Leipzig 1930); Der seltsame Weg des Klaus Einsiedel (Leipzig 1933); Der Edelen Not-Vision um die Naumburger Figuren. (Leipzig 1938); Der Schlüssel zum Tierkreis-Geheimnis und Menschenleben, München 1956; Die große Verwandlung. Mysterienspiel über den Einweihungsweg, München 1958; Das kosmische Weltbild, Garmisch-Partenkirchen 1963; Tierkreis-Geheimnis und Menschenleben, Pfulingen 1964, Zauber der Dorfweihnacht, 1961; Also spricht die Cheopspyramide, Freiburg i.Br. 1968.
Lit.: Fr. A. Weiße, Hans Sterneder, Diss. phil. Wien 1941; - H. Giebisch-G. Gugitz, Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart, Wien 1964, 402; - G.v. Wilpert-A. Gühring, Erstausgaben deutscher Dichtung - Eine Bibliographie zur deutschen Literatur 1600-1990, 2. Auflage, Stuttgart 1992, 1448-1449.