STROBEL, Jakob (Georg Philipp J.), ev. Pfarrer, Missionar, * 19.2. 1832 in Frankfurt (Main), † 27.8. 1912 ebenda. - Sohn des Schneiders Franz Peter S. in Frankfurt. Nach dem Abschluß seiner Ausbildung zum Handlungsgehilfen trat S. im August 1850 der Ev. Missionsgesellschaft in Basel bei. Es folgte eine sechsjährige Einarbeitung. Am 20.4. 1856 wurde er in St. Katharinen zu Frankfurt durch Kons.-Rat Pfarrer Dr. Johann Philipp König ordiniert. Die Einsegnung erfolgte am 16.5. in St. Elisabeth. Am 21.5. wurde er von der Kommission verabschiedet und am nächsten Tag bereits reiste er im Dienst der Basler Mission über England und das Kap der guten Hoffnung an seinen Bestimmungsort Kananur (Cannanore) in Südindien. Nach zweijähriger Dienstzeit wurde er am 16.5. 1858 als Missionspionier nach Palghat (Indien), geschickt. Am 20.2.1859 heiratete er in Kananur Emma Maria Jäger, geb. 30.9. 1829 in Frankfurt als Tochter eines Kaufmanns, die die weite Reise alleine unternommen hatte. Als sich seine Frau nach einer Choleraerkrankung nicht wieder vollständig erholte, kehrten beide am 17.9. 1863 nach Basel und schließlich nach Frankfurt zurück, wo Maria S. am 13.11. starb. Danach war er sechs Monate lang in England als Seemannsmissionar tätig. Am 2.8. 1864 wurde er von der Ges. f. Innere Mission zum ersten Vereinsgeistlichen und Stadtmissionar in Frankfurt berufen. Hier wirkte er in den verschiedenen Einrichtungen der Gesellschaft, im Jünglings- und Gesellenverein, der Knabensonntagsschule, dem Sonntagsnachmittagsverein für weibliche Dienstboten, dem Magdalenenverein. Außerdem schrieb er für den "Christlichen Hausfreund". Ebenfalls 1864 heiratete er Bertha Jäger, eine Schwester seiner ersten Frau. Bei seiner Arbeit für die Innere Mission wurde er seit Anfang 1865 von Missionshelfer Carl Ritter (s.d.) aus Frankfurt unterstützt. In der Judengasse, dem ehemaligen Ghetto, gingen sie von Haus zu Haus, um arme und kranke christliche Bewohner zu besuchen, denen dieses mehr und mehr heruntergekommene Quartier Notunterkünfte bot. Am 1.8.1865 wurde er erneut von der Basler Mission, diesmal zum Agenten und Missionsprediger für Frankfurt und Hessen-Nassau, berufen. Ab Januar 1875 war er als Pfarrer und später als Metropolitan (Dekan) an der St. Jakobskirche in Bockenheim (heute zu Frankfurt) tätig. Dort gründete er den Kirchenchor und war Mitbegründer des dortigen Magdalenenvereins, dessen Vorsitz er lange Jahre inne hatte. Am 6.10.1890 starb seine zweite Frau in Bockenheim. Im April 1906 konnte S. sein 50jähriges Dienstjubiläum begehen. Bei seinem Begräbnis am 30.8. 1912 hielt Superintendent Fritsch aus Hanau und sein Amtskollege Pfarrer Kahl den Trauergottesdienst in St. Jakob zu Bockenheim, am Grab sprach Pfarrer Siebert. Von seinen Söhnen aus erster Ehe wurde Nathanael Pfarrer in Frankfurt-Bornheim, Theophil war zunächst wie er für die Basler Mission tätig (Brüderverzeichnis BV 1075) und später Pfarrer in Daisbach (Baden).
Quellen: Brüderverzeichnis BV 390 bzw. 390a und Nekrolog im Heidenb. No. 10 v. 1912, S. 78, im Archiv Mission 21, Ev. Missionswerk Basel; - Inst. f. Stadtgeschichte Frankfurt (Main).
Lit.: 50 Jahre Innere Mission in Frankfurt a. M., Festschrift, hrsg. v. C. Kayser, W. Teudt, Frankfurt, Ev. Verein f. Inn. Mission 1900, 31, 59, 60, 106; - Nachrufe in: Frankfurter Warte v. 28.8.1912 u. 30.8.1912; - 75 Jahre Innere Mission in Frankfurt a.M., Frankfurt, Brönner 1925, 8; - Ev. Verein für Innere Mission in Frankfurt am Main 1850-1990, hrsg. v. Hans Gustav Treplin, Frankfurt, Ev. Verein f. Inn. Mission [1991], 16.