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Band XI (1996)Spalten 1266-1267 Autor: Gerhard Keller

THOMA, Albert, ev. Pfarrer und Schriftsteller, * 2.12. 1844 in Dertingen, + 15.3. 1915 in Karlsruhe. - Th. begann nach dem Besuch der Dorfschule in Dertingen und des Gymnasiums in Wertheim a. Main im Jahr 1865 das Studium der evangelischen Theologie an der Universität Heidelberg. Er wechselte für ein Semester nach Jena und legte 1869 sein Examen ab. Seine erste Anstellung war in Mittelschefflenz. Die Dienstorte wechselten anfangs sehr rasch. Im Jahr 1871 übernahm er eine Vertretung am Dom zu Bremen. Im Krieg 1870/71 arbeitete Th. als Krankenpfleger. Bereits 1874 veröffentlichte er eine erste Arbeit in der Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie. Im Jahr 1875 kam er als Vikar in einen neu entstehenden Arbeitervorort von Mannheim. In die Mannheimer Zeit fällt die Eheschließung mit Frieda Keller und die Veröffentlichung eines ersten theologischen Buches. Nach einem kurzen Dienst als Pfarrer in Plankstadt (1879-80) wurde er Professor am Lehrerseminar in Heidelberg, ein Amt das seinen Neigungen und Fähigkeiten mehr entsprach als der Pfarrdienst. Nachdem 1886 in Erfurt der Evangelische Bund zur Wahrung der »deutsch-protestantischen Interessen« gegründet worden war, betrieb er dessen Ausbreitung nach Baden. Er rief 1888 den Ortsverein Karlsruhe ins Leben, dem noch im gleichen Jahr ein badischer Landesverein folgte. Der Bunde paßte gut in das Umfeld des badischen Kulturkampfes. Er strebte eine aktive Politik gegen die Ausbreitung der katholischen Kirche an, ab 1889 war Th. Vorsitzender des Landesvereins. Auch seine schriftstellerische Tätigkeit diente nun den Zielen des Bundes, vor allem die ab 1894 verfaßten Festspiele. Th. genoß ein hohes Ansehen. Im Jahr 1898 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Jena. Eine Krönung seines Lebenswerkes stellt die Errichtung einer Diakonissenanstalt mit Krankenhaus in Freiburg 1898 dar. Im Jahr 1914 wurde er in die Synode der evangelischen Landeskirche gewählt. - Die Bedeutung von Th. liegt einmal in seiner langjährigen Tätigkeit an der Pädagogischen Hochschule und des daraus resultierenden großen Einflusses auf eine Generation von Volksschullehrern. Er schrieb zu diesem Zweck auch Lehrbücher, etwa ein Hilfsbuch zur Behandlung der biblischen Geschichte. Th. verfaßte auch ein in seiner Zeit wirkungsvolles umfangreiches literarisches Werk von großer Spannweite. Es reicht von theologischer Fachliteratur über populäre Werke zur Kirchengeschichte bis zu Ortsgeschichten, Romanen, Erzählungen und Festspielen, die zunächst kirchliche Themen hatten (Gustav-Adolf-Spiel, Melanchthon-Spiel), später aber im Sinne einer Zusammenarbeit von Thron und Altar auch zu Jubiläen des badischen Großherzogs erschienen. Th. ging mit den Strömungen seiner Zeit. Seine zahlreichen Schüler gründeten einen »Thoma-Bund«. Einige seiner Bücher erlebten noch nach seinem Tode Neuauflagen.

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Werke: (In Auswahl): Eine vollständige Liste der selbständigen Veröffentlichungen ist bei Emilie Pospisil abgedruckt. Der Krieg von 1870, Karlsruhe 1870; Saulus, Heidelberg 1876; Die Genesis des Johannes-Evangeliums, Berlin 1882; D. Luthers Leben, Berlin 1883 (Neuauflage 1917); Das Leben Gustav Adolfs, Karlsruhe 1894; Gustav-Adolf-Spiel, Karlsruhe 1894; Der Stadtschreiber von Kenzingen, Heidelberg 1896; Philipp Melanchthon's Leben, Karlsruhe 1897; Melanchthon-Spiel, Karlsruhe 1897; Katharina von Bora, Freiburg 1898; Festspiel zum Großherzog-Jubiläum, Karlsruhe 1902; Karl Friedrich von Baden, Heidelberg 1903; Geschichte von Mühlburg, Karlsruhe 1903; Konrad Wiederhold, München 1803; Bernhard von Weimar, Weimar 1904; Der Pfälzer Robinson, Lahr 1906; Junker Jörg, Karlsruhe 1909; Jesus und die Apostel, Gotha 1910; Hilfsbuch zur Behandlung der biblischen Geschichte, Bühl 1912; Die Lützowerin, Leipzig 1913; San We Pung Yu, Görlitz 1914.

Lit.: H. Rapp, Albert Th. in: Protestantische Monatshefte 19, 1915, 118-122; - Emilie Pospisil, Aalbert Th., Ein Lebensbild, Bühl, 1922; - Br. Goldschmit, Albert Th. in: Kirche und Heimat, Karlsruhe, 19312, 234-239; - Georg Hupp, Albert Th. in: Mein Heimatland 23, 1936, 103-105.

Gerhard Keller

Letzte Änderung: 17.12.2011