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Band XII (1997)Spalten 378-379 Autor: Georgios Fatouros

TOUSTAIN, Charles - François, Benediktiner (13.10. 1700 - 1.7. 1754). Geboren in Repas (Séez) als Sproß einer angesehenen Familie, erhielt seine Elementarausbildung (darunter Lateinunterricht) zu Hause. Anschließend studierte er die Rhetorik sowie griechische und lateinische Literatur im Kollegium der benediktinischen Abtei Saint-Germer-de-Fly (Oise). 1717 nahm er das Mönchsgewand und trat in die Kongregation der Mauriner ein. Sein Noviziat absolvierte er im Kloster Saint-Pierre-de-Jumièges, wo er am 20.7. 1718 Profeß ablegte. Während seines Noviziats lernte er René-Prosper Tassin kennen und schloß mit ihm eine enge Freundschaft, die bis zu seinem Tode währte. Nach dem Noviziat studierte T. Theologie und Philosophie in der Abtei Sainte-Trinité von Fécamp; anschließend wurde er von der Leitung der Kongregation nach Rouen in die Abtei Notre-Dame-de-Bonne-Nouvelle geschickt, um Griechisch und Hebräisch zu studieren. Dort lernte er außerdem viele moderne Sprachen, darunter Holländisch. Von dort wurde er in die Abtei Le-Bec-Hellouin beordert, wo er fünf Jahre verbrachte. In diesem in einer abgelegenen Gegend der Normandie liegenden Kloster widmete er seine Zeit dem Studium und dem Gebet und brachte einige seiner philosophisch-theologischen Arbeiten hervor. Im Jahr 1729 erhielt er die Priesterweihe vom Erzbischof von Avranches Le Blanc. 1730 wurde er zusammen mit seinem Freund R.-P. Tassin nach Rouen in die Abtei Saint-Ouen beordert, wo die beiden an einer Ausgabe sämtlicher Werke des Theodoros Studites arbeiteten. Ostern 1747 wurde er mit Tassin auf Anordnung des Generaloberen der Kongregation nach Paris in die Abtei von Saint-Germain-des-Prés und im Juni 1747 in die Abtei Blancs-Manteaux verlegt, wo die beiden Freunde ihre Zusammenarbeit fortsetzten. Nach einer akuten Lebererkrankung, die vierzig Tage dauerte, ist T. daselbst gestorben.

Werke: 1) Remontrances adressées aux Révérends Pères Supérieurs de la Congrégation de Saint-Maur &c. Paris 1733. 2) La verité persécutée par l'erreur, ou Recueil de divers ouvrages des saints Pères sur les grandes persécutions des huit prèmiers siècles de l' Église &c., Bd. I-II. La Haye 1733 (nach einer Einleitung von 144 Seiten folgt eine Auswahl aus Werken der Kirchenväter bezüglich der Christenverfolgungen in französischer Übersetzung; Briefe des Theodoros Studites, denen eine Einführung vorangestellt wird, nehmen etwa die Hälfte des zweiten Bandes in Anspruch). 3) De l'autorité des miracles dans l' Église. Paris o.J. (die Ansicht S. Augustins über die Wunder wird in dieser Studie besprochen). 4) Dissertatio historica de Simoniacis apud Graecos saeculo octavo et de turbis, quae eorum occasione concitatae sunt. 5) Dissertatio qua demonstratur viginti duos canones, qui vulgo tribuuntur septimae Synodo generali, non fuisse ab eo conditos neque editos. 6) Disquisitio de Paulicianorum origine, nomine, historia, progressu usque ad S. Theodori Studitae tempora deque variorum haereticorum discrimine (die drei letztgenannten Titel sind nicht veröffentlicht worden; sie waren als Supplementarbeiten zu der geplanten Ausgabe des Theodoros Studites gedacht). 7) Recherches sur la manière de prononcer les paroles de la Liturgie chez les Grecs et les Orientaux, où l'on réfute la Dissertation du Père Le Brun sur le même sujet &c. (die Schrift, die nicht gedruckt worden ist, wendet sich gegen die Theorie Le Bruns, der in seiner Dissertation behauptet hatte, daß ein Teil der orientalischen Liturgie im 4. Jahrhundert schweigend zelebriert wurde). - T. hat außerdem in Zusammenarbeit mit R.-P. Tassin mehrere Werke abgefaßt, von denen das wichtigste die sechsbändige Abhandlung der Diplomatik ist; vgl. die Analyse dieses Werkes sowie die Titel der übrigen Schriften, die aus der Zusammenarbeit der beiden Freunde hervorgingen, oben XI 551. Die Ausgabe sämtlicher Werke des Theodoros Studites, an welcher T. und Tassin zwanzig Jahre lang gearbeitet haben, ist nie zu Ende geführt worden; ihre Manuskripte und Unterlagen liegen als codd.suppl.gr. 274-279, 284, 287, 288, 394, 402, 403, 408, 409, 412-416, 419, 506-509 in der Pariser Nationalbibliothek vor. Drei Briefe T.s an Dom Athanase Peristiani, geschrieben in Saint-Ouen am 31.1. und 4.9.1741, sowie am 10.1.1746, sind veröffentlicht worden von A. Tougard, in: Mélanges publiés pour la Société d'histoire de Normandie, Ser. 3, 1895, 187-230; ersterer Brief war bereits bei E. Gigas, Lettres des Bénédictins de la Congrégation de St-Maur, II: 1701-1741. Kopenhagen-Paris 1893, 307-316 veröffentlicht worden.

Lit.: R.-P. Tassin, in: Nouveau Traité de Diplomatique, où l'on examine les fondemens de cet art &c., II. Paris 1755 (in der Einleitung des Bandes); - Ders., Histoire littéraire de la Congrégation de Saint-Maur, ordre de Saint Benoît &c. Bruxelles 1770, 704 f.; - R. Cerveau, Nécrologe des plus célèbres défenseurs et confesseurs de la vérité du dix-huitième siècle, II. Paris 1760, 314; - C.-G. Porée, Histoire de l'abbaye du Bec,Il. Évreux 1901, 443; - H. Wilhelm/U. Berlière et al., Nouveau supplément à l'histoire littéraire de la Congréation de Saint-Maur, II. Maredsous-Gembloux 1931, 245 f.; - G. Fatouros, Die Benediktiner von S. Maur auf der Suche nach exotischen Wörtern bei Theodoros Studites,in: E. Trapp et al., Studien zur byzantinischen Lexikographie. Wien 1988, 73 f.; - J. Carreyre, in: DThC 15 (1946) 1249 f.

Georgios Fatouros

Letzte Änderung: 15.11.1999