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Band XII (1997)Spalten 1259-1261 Autor: Jörg Metzinger

VERKADE, Willibrord (OSB), Malermönch und Schriftsteller, * 18.9. 1868 als Jan Verkade in Zaandam bei Amsterdam, † 19.7. 1946 in Beuron. - W. V.s Vater war Gründer einer Schokoladen- und Keksfabrik, die Familie war mennonitisch. Er begann 1886 ein Studium an der Amsterdamer Akademie, brach dies aber nach 2 1/2 Jahren ab. Er arbeitete fortan frei bei seinem Schwager Jan Voerman, einem impressionistischen Maler. V. ging nach Paris, lernte Gauguin kennen; Paul Sérusier führte ihn bei der Künstlergruppe »Nabis« ein und machte ihn mit theosophischen Gedanken bekannt. Er hielt sich wiederholt zum Malen in der Bretagne auf. Schließlich wendete sich V. der katholischen Kirche zu, 1892 ließ er sich in Vannes römisch-katholisch taufen. Es folgte eine ausgedehnte Italienreise, ein Aufenthalt in Florenz im Kloster Fiesole brachte ihn mit der Frührenaissance in Kontakt. 1894, kurz nach seiner ersten Einzelausstellung in Kopenhagen, trat er in die Beuroner Benediktinerabtei ein. V. bereitete sich auf Gelübde und Priesterweihe vor (die dann 1902 erfolgte) und arbeitete daneben nach den Regeln der Beuroner Kunstschule anonym an der Ausmalung des Benediktinerklosters St. Gabriel in Prag mit. Vorübergehend leitete er auch die Beuroner Kunstschule. 1903 lehnte er sich gegen die strengen Regeln der Kunstschule auf, als er an der Ausmalung der Krypta am Monte Cassino mitwirken soll; V. wendete sich erneut den Nabis zu, die nun ihrerseits von den Gedanken der Beuroner Schule (Desiderius Lenz) beeinflußt wurden. Die auf dem Monte Cassino entstandenen Zeichnungen stellte W. V. unter eigenem Namen in Amsterdam 1905/06 aus, organisierte aber auch gleichzeitig den Beuroner Anteil einer der religiösen Kunst gewidmeten Ausstellung der Wiener Sezession. Sein Abt schickte ihn 1906 zur Fortbildung in figürlichem Zeichnen nach München. V. suchte weiter Anschluß an die Nabis, beschäftigte sich mit dem Werk Marées, lernte den Kunstkritiker Maier-Graefe kennen und befreundete sich mit Jawlensky an. V. wollte eine Kirche in Italien ausmalen, wurde aber nach Jerusalem geschickt, um dort den Kapitelsaal des Klosters Mariä Heimgang auszumalen; sein Werk wird dort abgelehnt und schließlich übertüncht. Bis 1913 mußte V. in Palästina bleiben, in diesem Jahr wurde er nach Wien gerufen, um die Kapelle der Karmeliterkirche in Wien-Döbling auszumalen. Er fand eine durch den Expressionismus völlig veränderte europäische Kunstszene vor. Sein Werk war fortan in der Kunstszene isoliert. Im Ersten Weltkrieg hörte V. auf zu malen und widmete sich v.a. verwalterischen Aufgaben seiner Abtei und schriftstellerischen Tätigkeiten - wohl weil ihm die Beuroner Malwerkstatt zu eng war. Werke V.s befinden sich in Frankreich und Schweden in öffentlichen Museen. Selbstständige Wandarbeiten sind erhalten in Aichhalden, Heiligenbronn und Wien.

Werke: Die Beuroner Kunstschule, in: Die Kunst, 1908; Malerbrief II, in: Die Christliche Kunst 1911/12; Die Unruhe zu Gott. Erinnerungen eines Malermönchs (Selbstbiographie, Originaltitel: Le Tournement de Dieu. Étapes d'un moine peintre), 1920; Der Antrieb ins Vollkommene, 1931; Spuren des Daseins, 1938;

Lit.: Josef Kreitmaier, Beuroner Kunst. Eine Ausdrucksform der christlichen Mystik, 19235; - D. Feuling, Gereiftes Leben, in: BM 22/1946, 173-179; D. Zähringer, Malermönch Pater W. V., in: BM 22/1946, 237f; - Thieme-Becker Bd. XXXIV, 256f (Lit. bis 1936); - H. Vollmer, Künstlerlexikon des 20. Jahrhunderts, 1961 (Lit.); - Lieselotte Wiesinger, J.V., in: RGG Bd. IV, 3. Auflage 1962, Sp. 1358; - Usemar Engelmann, J.V., in: Lexikon für Theologie und Kirche Bd. 10, 1965, Sp. 708f; - H. Siebenmorgen, Die Anfänge der »Beuroner Kunstschule«. Peter Lenz und Jakob Wüger 1850-1875. Ein Beitrag zur Genese der Formabstraktion in der Moderne, 1983; - Adolf Smitmans, Ausstellung W. V., in: Kunst und Kirche, Heft 4/1989, 245-247; - Obert P. Welsch, Heilige Geometrie, in: Das Geistige in der Kunst. Abstrakte Malerei 1890-1985, 1988, 63-87; - Die Nabis. Propheten der Moderne, 1993.

Jörg Metzinger

Literaturergänzung:

2007

P. Willibrord Jan V. Künstler u. Mönch. Hrsg. von Adolf Smitmans. Beuron 2007; -

2010

Harald Siebenmorgen, Anbetende Engel. Ein unbekanntes Werk von P. W.V., in: EuA 86.2010, S. 89f.

Letzte Änderung: 04.03.2010