WERNER von Orseln. Hochmeister des Deutschen Ordens. * um 1285-1290 als Sohn des Werner von Orseln (aus dem Geschlecht der Vögte von Ursel im Taunus) und der Kunigunde von Ulfa, † 18.11. 1330, ermordet in der Marienburg, begraben im Chor des Doms zu Marienwerder. Am 28. April 1312 erstmals urkundlich belegt, erscheint W. bereits als Komtur von Ragnit, ein Amt, das üblicherweise mit militärisch begabten jüngeren Ordensbrüdern besetzt wurde. Hier an der Grenze zum heidnischen Litauen bewährte er sich u. a. 1313 bei der Errichtung der Burg Christmemel und mag sich auch das besondere Vertrauen Hochmeister Karls von Trier erworben haben, dem er seinen nachfolgenden außergewöhnlichen Karrieresprung in das zweithöchste Ordensamt, dem des Großkomturs, verdankt haben dürfte. Während der Machtkämpfe innerhalb der preußischen Ordensgebietigerschaft erwies sich Werner als führender Parteigänger des Hochmeisters. Im Zuge des erzwungenen Rücktritts Karls von Trier (1317), der daraufhin Preußen für immer verließ, verlor auch Werner sein Amt. Beide wurden 1318 durch ein Generalkapitel in Erfurt wieder eingesetzt, doch vermochte Werner seinen Anspruch auf das Großkomturamt nicht sofort gegen den Friedrichs von Wildenberg durchzusetzen, der die Opposition gegen den Hochmeister anführte. Noch 1318 urkundeten beide gegeneinander als Großkomtur. Erst im folgenden Jahr kam es zu einer Übereinkunft zwischen ihnen bzw. Anhängern und Gegnern des Hochmeisters, ein Zustand, der bis zum Tod Karls von Trier (1324) bestand haben sollte: Werner amtierte als Großkomtur in der Ordenszentrale Marienburg, die samt zugehöriger Komturei vom preußischen Ordenszweig abgetrennt wurde, Friedrich stand als Landmeister dem preußischen Ordenszweig vor. Aus Werners Amtszeit als Großkomtur ist seine Siedlungstätigkeit im Marienburger Werder hervorzuheben. Nach dem Tod Karls von Trier wurde W. am 6. Juli 1324 durch ein Generalkapitel auf der Marienburg zum Hochmeister gewählt. Allerdings konnte Werner seine hochmeisterliche Machtstellung erst allmählich konsolidieren. Eine nicht zu datierende, aber wahrscheinlich während W.s Amtszeit verfügte Maßnahme, ist die Einführung einer eigenen, selbständigen Kasse des Hochmeisters, der sog. Tresslerkasse, wodurch das Ordensoberhaupt längerfristig an finanzieller Unabhängigkeit gewann. Während Werners Amtszeit als Hochmeister verfaßte Peter von Dusburg seine Cronica terrae Prussiae und widmete sie ihm. Auf einem Generalkapitel im Herbst 1326 erhielten die Komture von Christburg und Elbing das Trappier- bzw. Spittleramt zurück. Zudem erließ W. 18 Ordensgesetze (u. a. betreffend Ordnung von Gottesdienst und Gebet der Ordensbrüder), mit welchen nach Jahren interner Machtkämpfe geistliches Leben und Disziplin im Orden befördert werden sollten. Unter W. schritt die Siedlungstätigkeit in Sassen voran, die jedoch wesentlich in der Verantwortung Luthers von Braunschweig lag, des Trappiers und Komturs von Christburg. Werner gründete Burg und Vogtei Neumark sowie die Burgen Gerdauen, Barten, Leunenburg und Rastenburg; die Errichtung der Burg Wartenberg wurde wohl von ihm veranlaßt. 1328 wurde die Komturei Memel vom livländischen Ordenszweig abgetrennt und mit dem preußischen vereinigt. Ab 1327 kam es zu vermehrten kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem polnischen König Władisław Łokietek und Litauen. Zunächst trafen die Truppen des Ordens und Władisławs Mannen in Masowien aufeinander. 1329 intensivierte sich der Krieg. Während der Orden, verbündet mit König Johann von Böhmen, gen Litauen zog, verheerte Władisław das Kulmerland, woraufhin der Orden zusammen mit Johann das Dobriner Land eroberte. Es folgten weitere Kriegszüge des Ordens nach Kujawien ebenso wie 1330 ein nochmaliger Einfall polnischer und unterstützender ungarischer Truppen ins Kulmerland, der den Orden zu einem Waffenstillstand nötigte. Nur wenig später wurde W. von einem Ordensbruder aus dem Memeler Konvent in der Marienburg erstochen, angeblich aus Rache, weil der Hochmeister ihn öfters gescholten habe. Nach Zeugnis der vier Bischöfe des Ordenslandes war es die Tat eines Geisteskranken. Hinweise auf eine Verschwörung gibt es nicht.
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Simon Helms
Letzte Änderung: 09.04.2011