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Band XIII (1998) Spalten 1062-1083 Autor: Wolfdietrich von Kloeden

WIELAND, Christoph Martin, * 5. September 1733 Oberholzheim, † 20. Januar 1813 Weimar, bedeutender deutscher Dichter der Rokokozeit, Wegbereiter der deutschen Klassik. - C.M.W. wurde am 5. September 1733 in dem schwäbischen Dorf Oberholzheim, das zur Reichsstadt Biberach gehörte, als Sohn eines Pfarrers geboren. C.M.W.s Vorfahren waren schon zwei Jahrhunderte als Handwerker, Pfarrer und Senatoren in der freien Reichsstadt Biberach ansässig. Der Vater war vom Pietismus durchdrungen, dessen Züge eine milde Toleranz aufwiesen. Die Mutter C.M.W.s war von sanfter Gemütsart. Mit dem dritten Lebensjahr C.M.W.s erfolgte durch die Versetzung des Vaters nach Biberach der Umzug dorthin. Hier wurde Matthäus Wieland der höchste geistliche Repräsentant der kleinen freien Reichsstadt. Vom vierten Lebensjahr an erhielt der Knabe Unterricht vom Vater; später dann ging er in die Schule seiner Heimatstadt. Mit acht Jahren beherrschte C.M.W. die lateinische Sprache so sehr, daß er die lateinischen Klassiker wie Horaz, Ovid und Cicero fließend übersetzen konnte. Mit zwölf Jahren schrieb er selbst lateinische Verse. Mit fünfzehn Jahren hatte er alle römischen Klassiker in Dichtkunst und Philosophie im Original gelesen. Ebenfalls lernte er früh Griechisch und Hebräisch. Das Griechische konnte er so hervorragend, daß er neben Homer den Plato fließend im Urtext lesen konnte. Solche Lektüre in frühester Jugend weckte bei C.M.W. den Sinn für die gegossene Form des Versmaßes, was für seine eigene spätere Kunst von großer Bedeutung war. Gesangbuch und Katechismus wie später auch große Teile der Bibel kannte er auswendig. Dafür sorgte schon der Vater. Als C.M.W. vierzehn Jahre alt war, siedelte er auf die damals pietistisch ausgerichtete Internatsschule Klosterbergen bei Magdeburg über. Wesentlich wurde für ihn die zeitgemäße Unterweisung in der französischen Sprache. So begegnete der junge Schüler schon früh der französischen Aufklärung in der Originalsprache. Er arbeitete Pierre Bayles »Historisch-kritisches Wörterbuch« (»Dictionnaire historique et critique«, 16 Bde. 1695-1704) im Original durch. In der Auflage von 1740 gab es dann auch eine deutsche Übersetzung des großen Werkes durch Gottsched. Dieses hervorragende Zeugnis der Aufklärung eröffnete dem jungen Schüler die Welt der Vernunft und der sozialen Zusammenhänge. Darüber hinaus erhielt er einen Einblick in das Denken der Antike. Die Ideenlehre Platos, die Definitionsregeln von Aristoteles bekamen für ihn nun eine ganz neue Dimension. Die Durchdringung der antiken Philosophie von Demokrit bis Epikur durch Bayle erweiterten den Horizont des jungen C.M.W. und gaben ihm den Rückhalt, sich Voltaires Gedankengut anzueignen. Die Konsequenz war dann die Loslösung vom Kinderglauben und vom Pietismus des Vaters hin zur Vernunftanschauung. Als C.M.W. sechzehn Jahre alt war, verfaßte er gemäß der neuen Erkenntnis einen Aufsatz, der fast einen Verweis von der Schule zur Folge hatte: Er erklärte in diesem, daß die Geburt der Venus aus Meerschaum nur durch die Bewegung der Atome bewirkt worden wäre. Diese materialistische Anschauung rief das Entsetzen des Rektors Johann Adam Steinweg und des ganzen Lehrerkollegiums hervor. 1749 verließ C.M.W. Klosterbergen. Es folgte ein Zwischenaufenthalt in Erfurt bei seinem Onkel Dr. Johann Wilhelm Baumer, der den jungen Mann auf die Universität vorbereiten sollte. Es ging vor allem um das Eindringen in die Philosophie. C.M.W. hatte die Gespräche mit dem Verwandten in keiner guter Erinnerung. Nur in einem war er sehr dankbar. Der Onkel weihte ihn in den »Don Quichote« des Cervantes ein. Dr. Baumer, der Philosoph und Mediziner war, hatte geschickt und indirekt versucht, seinen jungen Neffen das damalige Grundwissen mit auf den Weg zu geben. Er weckte auch bei C.M. W. das Interesse für die Naturwissenschaften. Immerhin war es sicherlich auch der Einfluß von Dr. Baumer, daß C.M. W. nicht dem Wunsche des Vaters nachkommen wollte. Als er 1750 nach Biberach zurückkehrte, bestand er darauf, Jura und nicht Theologie studieren zu wollen. In dieser Zeit der inneren Gärung verliebte sich C.M. W. in Sophie von Gutermann, der Tochter eines Augsburger Patriziers und bedeutender Mediziners. Diese lebte als Verwandte zur Zeit, als C.M.W. im Vaterhaus weilte, ebenfalls dort. Sophie wurde später als die große Romanschriftstellerin Sophie von La Roche gefeiert. Auch ihr späterer Einfluß auf C.M.W. war groß (s.u.). November 1750 begann er nun sein Studium in Tübingen, nachdem er sich noch mit Sophie verlobt und innigen Abschied gefeiert hatte. Die Verlobung wurde dann 1753 wieder gelöst. Das Studium der Jurisprudenz in Tübingen kam ihm gegenüber der Erfurter Zeit mit den lebendigen Gesprächen zwischen ihm und dem Onkel, die er jetzt besser einschätzen konnte, trostlos vor. Der Universitätsbetrieb war erstarrt. Er hatte keinen Mentor. In einem Brief an Bodmer (s.u.) beklagte C.M.W., daß er eigentlich keine Lehrer habe und völlig allein sei. In Tübingen erfuhr er auch in der Selbstbesinnung von seiner innersten Bestimmung: Nicht Juristerei, sondern die pädagogische Arbeit an jungen Menschen wäre die große Aufgabe. Der Unterricht auf einem Gymnasium schwebte ihm vor. Ideal wäre es für ihn gewesen, auf eine Hofmeisterstelle berufen zu werden. Das Ziel wäre das Collegium Carolinum in Braunschweig gewesen. 1752 brach er das Studium in Tübingen ab und ging nach Zürich, wo er im Hause seines väterlichen Freundes Johann Jacob Bodmers (1698-1783) freundliche Aufnahme fand. Vor C.M.W. war Klopstock Gast des schweizer Dichters. Bodmer war ein bedeutender Historiker und Übersetzer. Daneben dichtete er vor allem Epen und Dramen mit biblischen Themen. Er edierte die Gedichte von Opitz (1745) und übersetzte die »Ilias« und die »Odyssee« von Homer. Bei Bodmer vertiefte C.M.W. seine Pädagogikpläne. Vorbild wurde ihm Sokrates. Die Begegnung vom Lehrer zum Schüler im sokratischen Sinne sollte auch im Mittelpunkt des Hauslehrertums stehen. In Zürich konnte er als Hauslehrer seine Idealvorstellungen erproben. Natürlich wäre die beste Möglichkeit für ihn nach wie vor ein Institut gewesen. Als Georg Friedrich v. Arnim auf Suckow vorhatte, ein Erziehungsinstitut in der Uckermark zu gründen und C.M.W. davon hörte, weckte es dessen höchstes Interesse. Er erarbeitete einen »Plan von einer neuen Art, von Privatunterweisung«. Der Druck wurde durch Bodmer unterstützt. Es wurden auch Persönlichkeiten wie Albrecht von Haller, der Abt Jeruslam in Braunschweig und der Berliner Hofprediger Sack angeschrieben und mit dem »Plan« vertraut gemacht. Es war die Hoffnung, pädagogisch weiträumiger zu wirken. Inhaltlich zeigt dieses Papier folgende Punkte auf: (a) im Sinne der Aufklärung gibt es eine Mischform von antiker Philosophie (Sokratik) und Christentum. (b) Die Erziehung des Einzelnen kann nur auf der Ebene der personalen Begegnung stattfinden. (c) Notwendig ist die Betrachtung von Geschichte und die Vertiefung in historische Gesetzmäßigkeiten (Grundansatz zu einer Geschichtsphilosophie). (d) Die Erhebung der seelischen Kräfte ist wichtig, um künstlerisch zu wirken. Die Verbindung zur Antike in diesem Programm kommt nicht von ungefähr. Hier spielt die Aufklärung eine entscheidende Rolle. Unverkennbar ist die Rückbindung an C.M.W.s erste bedeutende Schrift, die er 1751 in Tübingen verfaßte: »Die Natur der Dinge oder die vollkommenste Welt«. Jene stellt ein philosophisches Lehrgedicht in sechs Büchern dar. C.M.W. hatte später dieses Werk als »unreife Probe« bezeichnet. Dennoch ist das Lehrgedicht ein Signal für das »Licht« der Aufklärung und für das späte Werk C.M.W.s, wo er auf die Grundintention der Jugend zurückgeht. Übrigens sind in der Tübinger Zeit bis So. 1752 noch andere Schriften bzw. Dichtungen entstanden: ein »Lobgesang auf die Liebe«, die »Moralischen Briefe«, welche in Alexandrinern geschrieben worden waren, der Entwurf zu einem Epos »Arminius«, der »Anti-Ovid«, der »Frühling«, welche Dichtung in Hexametern eine indirekte Huldigung an Klopstock und seinem Messias darstellt, und die »Moralischen Erzählungen«. Im Hause Bodmer veranstaltete C.M.W. aus Verehrung für den Hausherrn die »Sammlung der Zürcherischen Streitschriften zur Verbesserung des Deutschen Geschmacks wieder die Gottsched'sche Schule 1741-1744« und schrieb dazu eine Vorrede. Ebenfalls gegen Gottsched richtete sich eine spätere Schrift 1755 mit dem Titel »Ankündigung einer Dunciade für die Deutschen«. Es ging um den literarischen Streit der beiden Schulen in Leipzig (Gottsched) und in Zürich (Bodmer, C.M.W. u.a.). Die Leipziger galten als Nachahmer und Bewunderer der Franzosen, die Schweizer als Verehrer der Engländer. 1753 schrieb C.M.W. eine Hymne auf die Schönheit des epischen Gedichtes »Noah« und die an die englische Poetin Elise Rowe angelehnten »Briefe Verstorbener an ihre noch lebenden Freunde«. Angeregt von Bodmer zur religiösen Aussage ohne »heidnische Mythologie« verfaßte C.M.W. das Epos »Die Prüfung Abrahams«. Schmerzlich für C.M.W. war es, als er in Zürich die Nachricht von der Vermählung seiner angebeteten Sophie mit dem kurmainzischen Beamten La Roche erhielt. Damit war nun jeder Heiratsplan zunichte gemacht. Die innere Wirkung auf den Seelenzustand des Dichters war gewaltig. Er schrieb sich den Schmerz von der Seele: 1754 die »Erinnerungen an eine Freundin«, später den »Hymnus auf Gott«, »Empfindungen eines Christen«, »Timoklea«, »Platonische Betrachtungen über den Menschen«, die Aufsätze »Gesicht des Mirza«, »Gesicht von einer Welt unschuldiger Menschen«. In dieser Zeit überwog ein religiöses Gefühl, was aber hier den Einbruch antiker Philosophie nicht hemmen konnte. Doch im Schmerz um die verlorene Braut kamen auch asketische Züge in das Schrittum hinein, die sich mit einem religiösen Grundgefühl verbanden. In den »Sympathien« griff er den Dichter Gleim (1719-1803) wegen Frivolität in der Dichtung an, tadelte den Dichter Johann Peter Uz (1720-1796) wegen seiner Gleichgültigkeit gegen alle Religion. Sogar die antiken Dichter wie Ovid Tibull und Anakreon wurden abgelehnt. Im Juni 1754 zog C.M.W. in das Haus von Geßner, einem Schwager Bodmers. Hier hatte er vier Schüler zu unterrichten. Er hatte genügend Auskommen, um die Zeit mit Dichten auszufüllen. Auch hatte er im pädagogischen Planen völlige Freiheit. Schon ein halbes Jahr später, Anfang 1755, zog C.M.W. in das Haus des Amtmannes Hans Georg Grebel (1707-1783), dessen Sohn Hans Rudolf Grebel er zusammen mit drei anderen Jungen unterrichtete. Außerdem fanden sich bald für einige Stunden weitere Schüler ein, deren Väter wichtige Persönlichkeiten der Stadt waren. Auch die Söhne wurden - oft durch das Amt der Väter - später bedeutende Persönlichkeiten von Zürich. Sie gehörten zur führenden Schicht. Der Amtmann H.G. Grebel selbst wurde für den jungen Erzieher und Dichter zum väterlichen Gönner. Durch den Sohn Hans Kaspar Meyer von Knonau begegnete er dessen Vater, dem berühmten Züricher Fabeldichter Johann Ludwig Meyer von Knonau (1705-1785). Mit den Frauen der Züricher Gesellschaft hatte er guten Kontakt. Wichtig wurde auch die Bekanntschaft mit dem in Brugg (Kanton Bern) lebenden Stadtarzt und später berühmten Schriftsteller Johann Georg Zimmermann (1728-1795). Dieser schrieb eine hervorragende Biographie über Albrecht von Haller (1755) und im Alter Aufsätze über Friedrich den Großen wie das große philosophische Werk »Vom Nationalstolz« (1758). C.M.W. las eifrig in den Werken von Klopstock, Lessing und Barthold Hinrich Brockes (1680-1747). Brockes sorgte mit poetischer Verklärung für die Ausbreitung der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Vielfalt der Entwicklungsvorgänge in der Natur setzte er gegen das Glaubensbild der lutherischen Orthodoxie. In neun Bänden finden sich die Gedichte von Brockes, die die Natur beschreiben. Jene tragen den entsprechenden Titel »Irdisches Vergnügen in Gott« (1721, 1727, 1728, 1731, 1736, 1739, 1743, 1746, 1748). Hier lag im Gegensatz zu Klopstock und Lessing bereits für C.M.W. ein Gesamtwerk vor. Dieses verhalf dem jungen Hauslehrer zu einer weiteren Orientierung in der Aufklärung und damit zur Abkehr von einer zu einseitigen, durch Bodmer verstärkten theologischen Sicht (s. oben das Abrahamsepos). Er selbst schrieb als Huldigung für eine Witwe in Zürich »Araspes und Panthea« und dann das Fragment »Theages oder die Schönheit der Liebe«. 1757 begann C.M.W. ein großes Epos über »Cyrus« nach dem xenophontischen Vorbild. Im »Cyrus« wollte er einen großen Herrscher idealisieren, womit natürlich Friedrich der Große gemeint war. Es kam aber darauf an, die menschliche Seite eines Herrschers gerade angesichts des Kriegsleides miteinzuarbeiten. Das Epos ist Fragment geblieben. Fünf Gesänge sind fertig geworden. Verblüffend ist der in diesem Werk gezeigte Realitätssinn für das Grauen des Krieges. 1758 vollendete C.M.W. seinen ersten dramatischen Versuch. Es ist das Trauerspiel »Lady Johanna Gray oder der Triumph der Religion«. Es ist eines der frühesten deutschen Trauerspiele überhaupt und das erste, das in fünffüßigen Jamben geschrieben worden war. Im Juni 1758 wurde es von der Ackermannschen Schauspielergesellschaft in Winterthur mit großem Beifall gespielt. Auch anderswo erhielt das Stück Lob seitens der Kritiker. Es wurde in Deutschland an verschiedenen Orten aufgeführt. Von 1758-1762 konnte die erste Sammelausgabe in sechs Bänden von C.M.W. bei S. Geßner in Zürich erscheinen - für C.M.W. ein Erfolg, der noch mehr erwarten ließ. 1759 war er mit der Vorbereitung seiner Schüler zum Ende gekommen. So ergab es sich, daß er eine Hauslehrerstelle beim Landvogt v. Sinner in Bern annahm, wo er bis 1760 blieb. Die Stelle beim Landvogt wurde bald aufgegeben, da C.M.W. in völliger Unabhängigkeit einigen jungen Leuten Philosophieunterricht erteilte. Entscheidend wichtig aber wurde für ihn in Bern die Begegnung mit einer der angesehensten Frauen der Berner Gesellschaft. C.M.W. verliebte sich in Julie Bondeli. Sie war hochgebildet. Er verlobte sich mit ihr, in der Hoffnung eine Anstellung zu finden, die ihm Mittel zur Heirat gaben. In ihrer Nähe fühlte er sich glücklich und voller dichterischer Ideen. Ihrem Einfluß ist es zu verdanken, daß C.M.W. in Bern ein Trauerspiel »Clementine von Poretta« schrieb, vom Stoff her sicherlich von Julie Bondeli beeinflußt. Später in Biberach erfolgte der Bruch mit ihr. Die große Unstimmigkeit war auf beiden Seiten. Julie Bondeli wurde dann später die Freundin Rousseaus. Acht Jahre war nun C.M.W. von Biberach fort, da erhielt er durch den Magistrat seiner Heimatstadt die Nachricht, daß er einstimmig in diesen gewählt worden war. Er bekam zuerst provisorisch die Stelle eines städtischen Kanzleidirektors mit freier Wohnung und einem Gehalt von tausend Gulden ab 1760. Erst vier Jahre später wurde diese provisorische Anstellung in eine feste umgewandelt. Intrigen, bedingt durch die Gleichstellungswünsche der katholischen Partei in der kleinen Stadtrepublik, blieben nicht aus. Dabei versuchte er, redlich und gechickt seiner Stadt zu dienen. 1762 gab es dann den für C.M.W. großen Lichtblick: Graf Stadion, der erste Minister des Kurfürsten von Mainz, zog nach Warthausen, das eine Stunde von Biberach entfernt war. Dort ließ er sich zur Ruhe nieder. In seiner Begleitung war der kurmainzische Hofrat von la Roche (s.o.), der Ehemann von Sophie. C.M.W. wurde eingeladen. Daraus ergaben sich viele Begegnungen und tiefsinnige Gespräche mit diesen drei hochgebildeten Menschen. Die große Bibliothek des Grafen stand C.M.W. offen. Hier fand er eine Fülle der neuen Aufklärungsliteratur. Er las Shaftesbury, Condillac und Helvetius. Er vertiefte sich in die Schriften Voltaires. Er machte auch Bekanntschaft mit den Dichtungen eines Chrébillon. Dieser lehrte ihn, Pikanterie und Leichtigkeit mit in seine Dichtungen hineinzunehmen. Das Graziöse der Rokokokultur erhielt nun immer mehr Einlaß in C.M.W.s Schriften. Symptomatisch dafür sind die »Komischen Erzählungen« (1765). Allerdings kann der ihn auch von den Zeitgenossen gemachte Vorwurf der Frivolität nicht aufrecht erhalten werden. Hinter der Leichtigkeit des Stils und Sprachausdrucks verbirgt sich eine tiefere Geistigkeit. Der Scherz zeigt locker und indirekt tiefere Wahrheiten. 1762 erschien das kleine Gedicht »Nadine«. Danach folgen die Arbeiten an der »Geschichte des Agathon«. Die ersten Gedanken dazu entwarf C.M.W. bereits 1759. Endgültig fertiggestellt wurde die erste Fassung des bedeutsamen Entwicklungsromans 1766/67. Umgearbeitet wurde der Roman 1773. Eine weitere Fassung erfolgte 1798 anläßlich der großen Gesamtausgabe durch den Verlag Göschen. Zwischen den Passagen des »Agathon« schrieb Wieland an den »Komischen Erzählungen« (s.o.) und das Werk: »Don Sylvio von Rosalva oder der Sieg der Natur über die Schwärmerei« (1764). Die Anlehnung an den »Don Quichote« von seinem Lieblingsdichter Cervantes ist unverkennbar. Hier machte C.M.W. auch deutlich, warum er vom religiösen Kurs überging zum Rokoko gemäßen Aufklärungsdenken und -bekenntnis. Dieses Prosawerk hat vier Bücher. Deren Kapitel zeigen z.T. einen brillianten Stil. Aber den großen Wurf bildet die »Geschichte des Agathon«. Dieser Roman ist epochemachend, da er in Deutschland der erste bedeutende Bildungsroman ist. Er zeigt die innere, seelische Entwicklung eines Menschen und weist auf Goethes »Wilhelm Meisters Lehrjahre« (1796). Was ist das Neue an diesem Werk C.M.W.s? Es ist der Mensch als solcher, der geistig nicht bewegt wird im Schattenriß einer ihm zugewiesenen starren Rolle, sondern geprägt wird durch das soziale Umfeld. Die Verhältnisse prägen den Helden mit. Hier vollzieht sich ein großer Durchblick. Der Roman bildet einen Meilenstein in der deutschen Literaturgeschichte. Wie gesagt, die Psyche des Helden wird entdeckt. Diese lebt in Bewegung, gerufen durch die Signale der Umwelt. C.M.W.s Liebe zur Antike wirkte sich bei der Konzeption aus. Vor dem Abschluß des in die antike Welt gebetteten »Agathon« vermählte sich C.M.W. 1765 mit einer Augsburger Kaufmannstochter Dorothea Hillenbrand. Diese Ehe mit vielen, späteren Kindern wurde und wird als glücklich anerkannt. In die erste Zeit der Ehe fiel ein in zehn Gesängen abgefaßtes Gedicht »Idris und Zenide«, das eine Art »Philosophie der Liebe« ausspricht. Das Gedicht blieb Fragment, da das erst Kind C.M.W.s verstarb. Er schrieb dann »Psyche«, eine allegorische Geschichte der Seele, und später (1771) den »Neuen Amadis«. Dieses Versepos in achtzehn Gesängen knüpft an »Idris und Zenide« an. Es geht um die Töchter des »Schach Bambo«, die viele Abenteuer erleben. Am Ende erweist sich, daß geistige Schönheit der körperlichen überlegen ist. Meisterhaft geschrieben ist das nicht umfangreiche Versepos »Musarion« (1768), das mit Recht als eines der besten Werke C.M.W.s gerühmt wird. Es trägt den weiteren Titel »..oder die Philosophie der Grazien«. Dementsprechend sind die Gedanken von philosophischer Leichtigkeit und durchdrungen von Harmonie. Das Streben nach Harmonie als hohes Ideal mit gesunder Auffüllung durch die Tugenden klingt hier wieder wie schon im Agathon voll an. Wieder geht es um das Einkreisen einer rückwärts gewandten Utopie: Die Bühne ist das arkadische Griechenland. Der junge Phania hat sich mit seiner Freundin Musarion gestritten und sich verärgert auf sein Landgut zurückgezogen. Er wollte nun - meditativ vorbereitet - ein asketisches Leben führen. Musarion ihrerseits versucht nun, nach einer enttäuschten Liebesaffäre auf Phanias wieder zuzugehen. Was sie vorfindet, ist ein Rationalist in Reinkultur, der jedes Gefühlsleben ironisch ablehnt. Dabei ist er unsicher. Mit Phrasen versucht er einen Damm gegen die Annäherung der Frau zu errichten. Er gibt vor, Frauen zu verachten, um Musarion von sich abzustoßen. Mit philosophischen Gedankensplittern versucht Phanias, seine Taktik zu untermauern. Dennoch gelingt es der zu Gast auf dem Landgut weilenden Musarion, ein Festgelage zu veranlassen, um als Frau mit allen Raffinessen in die Männerwelt einzudringen. Die Freunde des Phanias der Stoiker Kleanth und der Pythagoreer Theophinon sprechen aus ihrer Gedankenwelt heraus und damit an Musarion vorbei. Die Gedanken sind konträr. Schließlich prügeln sich die Philosophen. Nur der Spott der Musarion kann die beiden Philosophen beruhigen. Nun wird gesittet weiter argumentiert. Es geht gemäß dem Ritual eines Symposions (Annäherung an das platonische Vorbild!) mit Wein weiter. Als dadurch die beiden Philosophen aus der Rolle fallen, schlägt die Stunde des Phanias. Er nähert sich wieder Musarion und versöhnt sich mit ihr. Von seinem Asketentum und von der Frauenfeindlichkeit will er nichts mehr wissen. Das bedeutet nun ein harmonisches Leben auf dem Landgut. Man philosophiert »mit leichtem Scherz«. Für C.M.W. wurde ja der Traum voen einem Landgut als Basis zum Denken und Dichten später Wirklichkeit (s.u.). Im »Musarion« geht es also nicht um ein strenges »Entweder-Oder«, sondern um die Freude im Sinne des Rokoko schlechthin, die momentan die Zeit auffüllt. Der Liebes- und Lebensgenuß geschieht mit Maß. Es ist die »Kalogathia«. Hier macht sich der Einfluß des englischen Denkers Shaftesbury (1621-1683) bemerkbar. Musarion ist das Sinnbild der »schönen Seele«. Die ganze Dichtung wirkt leicht, trotz des alexandrinischen Versmaße. Das Programm ist klar: Vernunft und Gefühl in Harmonie sollen angesichts einer sich findenden Liebe vorherrschen. Es geht um »die reizende Philosophie« also um die »Philosophie der Grazien« (vgl. auch das spätere Lehrgedicht »Die Grazien«, 1770). Die Rokokozeit findet im »Musarion« ihren schönsten Ausdruck. Noch etwas ist zu betonen: Die Musarion selbst ist für die damaligen Verhältnisse eine unwahrscheinlich tief konzipierte Frauenfigur. Sie ist mit der »Danae« im »Agathon« vergleichbar, aber noch schärfer gezeichnet. Musarion ist gebildet und daher vollendet in der geistigen Dialogfähigkeit. Mit ihrem Harmoniebewußtsein ist sie sogar dem Manne überlegen. Musarion erfüllt die Aufgabe und den Zweck einer in sich ruhenden, guten, bürgerlichen Gesellschaft und bildet so eine Ergänzung zu Lessings »Minna von Barnhelm«. Die Anlage zur Harmonie gepaart mit Lebensklugheit bildet noch einen weiteren Vorteil: Die Toleranz! C.M.W. bekannte sich im Vorwort zur zweiten Auflage zur Lebensweisheit der Musarion: »Ihre Philosophie ist diejenige, nach welcher ich lebe«. Es war seine Verneigung vor der gebildeten Frau, vor Sophie und den Damen der Züricher bzw. Berner Gesellschaft. In solcher Vorzugsschilderung liegt etwas Emanzipatorisches, das hineinragt in die Bestrebungen des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Student Goethe las in Leipzig »Musarion« und war fasziniert. In die Biberacher Zeit fiel auch die groß angelegte Übersetzung Shakespeares, die erste dieser Art in deutscher Sprache. Mit primitiven Hilfsmitteln an Lexika gelang C.M.W. von 1762 bis 1768 dieser bedeutende Wurf: Zweiundzwanzig Stücke des großen Engländers wurden bis auf die Versfassung des »St. Johannis Nachts-Traum« (»Sommernachtstraum«) in Prosa übersetzt. Dies hat man C.M.W. immer wieder zum Vorwurf gemacht. Außerdem hätte er geschliffene Dialoge völlig entschärft und rokokohaft verniedlicht. Dagegen ist zu setzen ein kongeniales Sprachempfinden. Die bahnbrechende Leistung besteht auch darin, daß im deutschen Sprachraum ganz wesentlich das Werk Shakespeares bekannt gemacht wurde. Bewundernswert ist auch die immense Schaffenskraft des Dichters. C.M.W. bereitete so mit seiner Shakespeareübersetzung die Gesamtübertragung durch A.W. Schlegel und L. Tieck vor. Am 1. Juni 1769 zog C.M.W. nach Erfurt, um die Berufung als erster Professor der Philosophie an der kurmainzischen Universität mit dem Gehalt von sechshundert Talern nachzukommen. Er erhielt außerdem den Titel eines »Regierungssrates«. Der Kurfürst von Mainz Emmerich Joseph war ein aufgeklärter Kirchenfürst und wollte Deutschlands damals ersten Dichter auf die glaubensenge Hochschule bringen. C.M.W.s Lehrtätigkeit hatte großen Erfolg. Der Erfurter katholische Klerus aber war äußerst mißtrauisch. Der Autor der »Komischen Geschichten« galt für ihn als frivol. C.M.W.s Schülerkreis, wozu der später bekannte Dichter W. Heinse gehörte, wurde ebenfalls als sittlich ziemlich verwahrlost eingestuft. In die Erfurter Zeit fiel das Werk »Nachlaß des Diogenes von Sinope« (1770), eine Rechtfertigungsschrift, und das berühmt-berüchtigte Gedicht »Kombabus« mit Einfluß Lukians. Gegen die Parole Rousseaus »Zurück zur Natur« verfaßte C.M.W. »Reisen und Bekenntnisse des Priesters Abulfauaris« und den Roman »Koxkox und Kikequetzel«. Für die weitere Entwicklung aber wurde wichtig das Erziehungswerk »Der goldene Spiegel oder die Könige von Schechian« - gleichzeitig eine Staatslehre. Aus den früheren pädagogischen Skizzen und vor allem nun aus dem »Goldenen Spiegel« werden folgende Programmpunkte ersichtlich: Es geht um die harmonische Ausbildung des Individuums unter der Sonne eines aufgeklärten, gemäßigten Absolutismus. Ein guter Herrscher muß also gebildet sein. Nur so kann er auf die Erziehung zum Wohle des Ganzen einwirken. Die öffentliche Erziehung ist zu fördern. Dabei geht es aber auch um die Aufdeckung der Unterschiede in den einzelnen Ständen, aber nicht um die Unterdrückung des Einzelnen, sondern um dessen Wohlergehen. Verwicklungen gesellschaftlicher Art (Vermischung der Stände!) hemmen das Glück wie die Tugendbildung. Dagegen helfen weise Einrichtungen des Staates. Für die gesunde Absonderung der einzelnen Stände sind vom Gesetzgeber diesbezügliche äußere Anlagen zu schaffen. Es geht also um einen Ständestaat, aber unter einem wohlgesonnenen, da durchgebildeten Monarchen. Hierin wird sich C.M.W. auch später von den Gedanken der französischen Revolution unterscheiden. Von entscheidender Bedeutung ist die Erziehung der Jugend: Bei einem Staatswesen »Mit der besten Religion, bey dem blühendsten Zustande der Wissenschaften und der Künste« nutzt nichts ohne ein hervorragendes Erziehungsprogramm (C.M.W., Ak. Ausg. Bd. 7, 293 f.). Jeder muß »zu den Tugenden seines Standes und Berufs gebildet« werden (ebd.). Es muß bei der frühesten Jugend beginnen, wo die Seele den Eindrücken gegenüber noch offen ist. Die »tugendhaften Fertigkeiten« müssen »bestärkt« werden (ebd.). Nur so kann die Jugend vor jedem Laster geschützt werden. Ein wichtiger Satz krönt die pädagogischen Gedankengänge: »Der Wohlstand eines Staates, die Glückseligkeit einer Nation hängt schlechterdings von der Güte der Sitten ab« (ebd.). Hierin zeigt sich eine klare pädagogische Linie, die eine Weiterführung der Harmoniebestrebungen für den Charakter im »Agathon« darstellt. Der innere Aufbau der Person macht auch erst den Menschen, der das Gemeinwesen mitträgt, aus. Dann wird die Religion ganz undogmatisch die »Seele der Tugend«. Hier geht es also um eine Verschränkung von Religion und Moral zur Charakterbildung des Fürsten (»Tifon«). Die Erwartung, durch seinen 1772 geschriebenen Staatsroman einen Ruf als Hauslehrer an den Wiener Hof zu erhalten, erfüllte sich nicht. Dafür erreichte C.M.W. mit seinem »Goldenen Spiegel« etwas unerwartet anderes von einem kleinen Herzogtum: Die Herzoginwitwe Anna Amalia berief den hochgeachteten Schriftsteller an den Musenhof von Weimar als Erzieher ihrer beiden Söhne. Es ging vor allem um den ausgeglichenen Unterricht für den Erbprinzen Ernst August, den späteren Freund Goethes. Anna Amalia war eine hochgebildete Frau und ihre Freundschaft gegenüber C.M.W. hielt sich bis zu ihrem Tode. Die Berufung von C.M.W. wie die spätere von Goethe war ein Glücksfall. Beide ergriffen dann die Initiative, um Herder als Generalsuperintendent nach Weimar zu holen. Als Schiller 1787 Weimar besuchte, gab es gerade mit C.M.W. von Beginn an einen guten Kontakt. Am 29. September 1772 zog C.M.W. mit seiner Frau und der großen Kinderschar in Weimar ein. Das Domizil am Markt erwies sich später als zu klein. So zog man in die Nähe des Frauentors. 1776 erwarb C.M.W. für seine Kinderschar einen großen Garten zwischen Frauentor und Erfurter Tor. Gleich nach dem Einzug begann C.M.W. mit zwei elementaren Arbeiten: Er begründete die Zeitschrift »Der Teutsche Merkur«, worin er auch die ersten Kapitel des nachfolgenden Romans unterbrachte. Dann setzte er an, um diesen Roman »Geschichte der Abderiten« (fertig 1774) zu schreiben. Es geht um die witzige und satirische Entlarvung des kleinbürgerlichen Spießertums, so wie es C.M.W. in Biberach, Erfurt und z.T. auch in Weimar erlebte. Berühmt ist im zweiten Teil des Romans das vierte Buch »Der Prozeß um des Esels Schatten«, wo man sich streitet, ob bei Vermietung des Esels der Schatten desselben extra berechnet werden soll oder nicht. Das nächste Buch des Romans »Die Frösche der Latona« zeigt die Unsinnigkeit politischen Geschwätzes und den Triumph der Phrase. Für die neu gegründete Zeitschrift hatten viele Autoren wie Lessing und Kant großes Interesse, die aber C.M.W. nicht berücksichtigte. Er zeigte aber in ihr Goethes Satire »Götter, Helden und Wieland« an, welche sich auf den Text des Singspiels »Alceste« von C.M.W. bezieht. Die Aufführung mit der Musik von Anton Schweitzer, dem Kapellmeister in Weimar, war am 27. Mai 1773 und fand großen Beifall. In den »Briefen über Alceste« wollte C.M.W. auf den Stoff und den Erfolg des Singspiels im »Teutschen Merkur« aufmerksammachen. Noch im gleichen Jahr 1773 kam dann Goethes Antwort darauf. Mit Spott reagierte der junge Dichter auf den ungriechischen Charakter des Singspiels. Goethe hatte gerade seinen »Götz von Berlichingen« geschrieben. »Sturm und Drang« forderten die Zeichnung kraftvoller Charaktere, aber nicht sanfter Figuren, vor allem wenn sie so wie bei C.M.W. verfälscht würden. Es zeigt die innere Größe aber auch die Geschicklichkeit C.M.W.s, daß er diese Kritik des jungen Kollegen in seine Zeitschrift aufnahm. Ja, als 1775 Goethe nach Weimar kam, entstand eine gute Zusammenarbeit (s. auch oben). Der »Merkur«, der als »Neuer Teutscher Merkur« bis 1810 bestand, wurde die Plattform der Auseinandersetzung mit der neuen Richtung der Literaturästhetik. Die Polarisierung zwischen den Aufklärern und den »Stürmern und Drängern« spiegelt sich in der Zeitschrift klar wider. Kein Geringerer als Schiller schrieb dann später im »Merkur« Teile der »Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande«, die »Briefe über Don Carlos« und das Gedicht »Die Götter Griechenlands«. Letzteres war durch C.M.W.s Einfluß entstanden. Schillers Zuneigung zum älteren C.M.W., die Hochschätzung des »Merkur« führte dazu, daß beide Dichter sogar planten, gemeinsam die Zeitschrift herauszugeben. Aber Schiller ging als Geschichtsprofessor nach Jena. So konnte dieser Plan nicht verwirklicht werden. 1773 dichtete C.M.W. ein weiteres Singspiel »Die Wahl des Herkules«. Ebenfalls 1773 kam der Roman »Die Geschichte des weisen Danishmend« heraus, eine Art Fortsetzung und Vertiefung des »Goldenen Spiegels« (s.o.). Im siebenten Stück des »Merkur« brachte dann C.M.W. seine Rechtfertigung gegenüber seinen Kritikern, die ihn der Frivolität in einen Werken anklagten: »Der verklagte Amor« (1774). Er beschäftigte sich in dieser Zeit stark mit der orientalischen Märchenwelt. Das Ergebnis war dann 1776 die berühmte Verserzählung »Das Wintermärchen« (vgl. auch »Das Sommermärchen«). Im Untertitel heißt es »Nach einer Erzählung im ersten Teile von 'Tausendundeiner Nacht'«. Sie erschien zuerst im »Merkur«. Diese hintergründige Verserzählung entstand noch Ende 1775, also der Zeit, wo sich C.M.W. besonders stark mit der orientalischen Welt befaßte. Ab diesem Jahr erschienen bis 1783 auch eine Reihe kleinerer Gedichte bzw. Epen, wobei ihm die Phantasiewelt des Orients zur Hilfe kam: zu erinnern sei an »Die erste Liebe« (noch 1774), »Geron der Adeliche« (1777), besonders aber an »Schach Lolo oder das göttliche Recht der Gewalthaber. Eine morgenländische Erzählung« (1778) und »Pervonte« (Okt. Nov. 1778, Januar 1779 im »Teutschen Merkur«). Für die Gesamtausgabe seiner Werke wurde letzteres Werk noch überarbeitet. Ein dritter Teil als Abschluß kam hinzu, sodaß die Verserzählung dann in den »Sämmtlichen Werken« ab 1796, Band 18, erscheinen konnte. 1780 wurde dann im ersten Vierteljahresheft des »Teutschen Merkur« die berühmte, von Goethe außerordentlich gelobte Dichtung »Oberon, ein Gedicht in vierzehn Gesängen« veröffentlicht. C.M.W. ließ das Werk auch im Seperatdruck erscheinen. Es folgten eine Reihe von Auflagen. 1785 kam eine Vorrede dazu und die Einteilung folgte nun in zwölf Gesängen. Angeregt wurde C.M.W. zu dem großen Märchenepos durch einen Auszug aus dem altfranzösischen Ritterroman »Huon de Bordeaux« von 1513, der im Aprilheft der französischen Bibliotheque universelle des Romans 1778 erschien. Schon im November 1778 begann C.M.W. mit der Ausarbeitung. Beeinflußt wurde er außerdem durch die Feenwelt des Sommernachtstraums von Shakespeare, wie er es in der Vorrede bestätigt. Er sagt dann weiter darin: »In der Tat ist Oberon nicht nur aus zwei, sondern, wenn man es genau nehmen will, aus drei Haupthandlungen zusammengesetzt: nämlich aus dem Abenteuer, welches Hüon auf Befehl des Kaisers zu bestehen übernommen, der Geschichte seiner Liebesverbindung mit Rezia und der Wiederaussöhnung der Titania mit Oberon«. Ohne die Hilfe des Elfenkönigs Oberon würde der Ritter Hüon nichts erreichen und unglücklich bleiben. So aber kommt es zu einem für alle befriedigenden Abschluß. Die Handlungskomposition stammt von C.M.W. selbst. Der »Obe-ron« ist der Höhepunkt im Schaffen C.M.W.s. Die Dichtung ist kunstvoll im Aufbau und in der Sprache, wundervolle Poesie. Der »Oberon« ist höchster Ausdruck der Gefühlswelt und der Erotik, diese fein ironisiert, innerhalb der Rokokoperiode, damit das bedeutsame Gegenstück zu dem religiös-tiefen Messias von Klopstock. Goethe sandte dem älteren Kollegen einen Lorbeerkranz. An Lavater schrieb er über den »Oberon«: »Solange Poesie Poesie, Gold Gold und Krystall Krystall bleibt, wird es als Meisterstück poetischer Kunst geliebt und bewundert werden«. Die Märchendichtung hatte tiefen Einfluß auf Mozarts »Zauberflöte« (1791). Sie diente auch als Vorlage zur Opernvertonung durch Carl Maria von Weber (Uraufführung in London 12.4. 1826, Text von J.R. Planché). 1781 wurde die zweite Fassung der »Abderiten« in zwei Bänden fertig. Es folgten »Briefe an einen jungen Dichter« (1782-84). In diesen Briefen betonte C.M.W. noch einmal zusammenfassend seinen Standpunkt in Fragen der Ästhetik. Die Briefe wurden nachhaltig von Goethe und Schiller gelesen. In die »Göttergespräche« (1789-1793) versuchte C.M.W., die politischen Tagesereignisse wie die der französischen Revolution einzuarbeiten. Er erkannte in dem Programm der bürgerlichen Partei der Gironde den Ansatz zu einem republikanischen Gemeinwesen, was er begrüßte. Im zwölften der Gespräche sah er daher die Verurteilung und Hinrichtung Ludwig XVI. (21.1. 1793) nüchterner als seine deutschen Dichterkollegen. Die jakobinische Herrschaft in der Folgezeit der Revolution (1793) lehnte er ab. Es war ihm, dem »deutschen Voltaire« eine Genugtuung, daß der Leichnam des von ihm bewunderten Voltaire aus der Verborgenheit im Triumph nach Paris in das Pantheon geholt wurde. Ein interessantes zweibändiges Werk erschien 1791: »Geheime Geschichte des Perigrinus Protheus«. »Perigrinus« ist »der Fremdling«, »Proteus« ist »der sich Verwandelnde«. Das große Buch richtet sich gegen den Spötter und Rationalisten Lukian (2. Jhdt. n. Chr.), d.h. gegen jeden Vertreter des Nur-Rationalen. Perigrinus antwortet dem Spötter Lukian, »daß die Kraft des Geistes im Menschen über den Leib triumphieren kann«. Er verteidigt das Irrationale: »Wir schweben zwischen Himmel und Erde in der Mitte...«. Hier schlägt sich nieder, was C.M.W. an der französischen Revolution und auch an Voltaires Leben vorher beobachtet hatte. Neben den rationalen Bestrebungen der Aufklärung kann in der Psyche des Einzelnen wie in dem Verhalten der Masse das Irrationale die Oberhand gewinnen. Der Verleger Georg Joachim Göschen in Leipzig ließ C.M.W.s »Sämmtliche Werke« in vierfacher Ausstattung erscheinen, von der »wohlfeilen Kleinoktavausgabe bis zur prachtvollen Quartausgabe mit Kupfern. Es waren zweiundvierzig Bände,die 1794 bis 1802 herauskamen; dazu gesellten sich bis 1811 drei weitere Bände. Aus dem Erlös kaufte sich C.M.W. 1797 das Landgut Oßmannstedt bei Weimar, wohin er mit dem verbliebenen Teil der Familie zog. Sein Sohn Karl führte die Gutsgeschäfte. Hier fand die Enkelin Sophie von Laroches Sophie Brentano eine Heimat. Sie hatte C.M.W. selbst gebeten, nach Oßmannstedt kommen zu dürfen. Die zarte, junge Frau, die C.M.W. tief verehrte, starb 1800 und wurde auch in Oßmannstedt beerdigt. 1801 starb C.M.W.s Frau. In den letzten Monaten vor dem Verkauf des Gutes 1803 wohnte in der Mansarde der angehende Dichter und ehemalige preußische Offizier Heinrich von Kleist, den der älteste Sohn C.M.W.s Ludwig, der ebenfalls schriftstellerte, mitgebracht hatte. In Oßmannstedt gab es noch zwei bedeutende Werkschöpfungen. Beide Romane des alternden Dichters waren umfangreich und griffen nochmals das Idealbild des »Agathon« (s.o.) auf. Im Rückwärtsgang auf die Antike zu versuchte der alternde Dichter, die Utopie eines harmonischen Menschentums, eines idealen Gemeinwesens zu propagieren. Es handelt sich um den Roman »Agathodämon« (1799, mit der Vorbildgestalt des Appolonius von Tyana) und um den nicht vollendeten Briefroman Aristipp (vier Bde. 1800/01). Der erweiterte Titel »Aristipp und einige seiner Zeitgenossen« verweist auf das geplante, umfangreiche Projekt. In Briefform kamen die beiden Dichtungen »Menander und Glycerion« (1804) und »Krates und Hipparchia« (1805) heraus. Diese beiden Werke wie außerdem »Das Hexameron von Rosenhain« (1805) schrieb C.M.W. in Weimar, wohin er nach dem Verkauf des Gutes zurückgezogen war. Mit der Novelle »Freundschaft und Liebe auf der Probe« aus dem »Hexameron von Rosenhain« regte er Goethe zu den »Wahlverwandtschaften« (1809) an. Er verfaßte eine Fülle von Zeitschriftenartikel wie einige Essays zu zeitpolitischen Fragen. Über die neuesten Ereignisse aus dem Bereich der Philosophie wurde er durch seinen Schwiegersohn, den exzellenten Kantschüler Reinhold in Jena unterrichtet. Die Jahre vor der preußischen Katastrophe von Jena und Auerstedt und das Jahr danach brachten dem Dichter auch persönliches Leid: 1803 starb Herder, 1805 Schiller. Beiden war der alternde C.M.W. herzlich verbunden (s.o.). 1807 starb dann Sophie von Laroche und im gleichen Jahr schloß die Herzogin Anna Amalia die Augen für immer. Als die Truppen Napoleons in Weimar einzogen, wurde C.M.W.s Haus auf Befehl des Marschall Ney geschützt. 1808 konnte C.M.W. selbst mit Napoleon auf dessen Wunsch hin sprechen. Die denkwürdige Begegnung fand in Weimar statt. Napoleon sah C.M.W. als größten deutschen Dichter im Sinne der Tradition Voltaires an. C.M.W. starb am 20. Januar 1813 am Schlaganfall. Goethe hielt am 18. Februar die große Trauerrede »Zum brüderlichen Andenken Wielands«. Im Park von Oßmannstadt wurde der Dichter auf eigenen Wunsch neben seiner Frau und Sophie Brentano beerdigt. C.M.W. hatte seine Epoche überlebt (vgl. die scharfen Angriffe gegen den alternden Dichter in der neuen Zeitschrift »Athenäum« durch die Brüder Schlegel!). Aber auch in seiner letzten Zeit bewies der Dichter, daß Aufklärungsstreben und Weltbürgertum zusammengehören. Nationaltümelei, wie sie im »Hain-Bund« vorkam, war ihm fremd. Die Gabe der Dichtkunst verpflichtete ihn zur Offenheit und zum Ringen um eine harmonisch-gerechte Welt. Goethe hatte es in seiner Trauerrede tief gesehen: »...er dichtete als Lebender und lebte dichtend ...«. In der deutschen Sprachschöpfung und in seinem Stil bildete C.M.W. in der Rokokozeit den wichtigen Gegenpol zur bürgerlichen Vorliebe gegenüber der französischen Sprache und Kultur. Die nachfolgende »Wielandschule« (Johann Baptist Alxinger, Aloys Blumauer, Karl Arnold Kortum, Moritz August von Thümmel, Wilhelm Heinse und Johann Carl August Musäus) hatte die Bedeutung ihres Lehrmeisters nicht erreicht.

Werke: A) Wichtige Erstveröffentlichungen (s. auch o.: lfd. Text): Die Natur der Dinge, geschr. 1751, anonym hrsg. von G.F. Meyer, 1752; Acht Oden, 1752; Anti-Ovid, 1752; Erzählungen, 1752; Zwölf moralische Briefe, 1752; Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde, 1753; Der geprüfte Abraham, 1752/53; Hymne auf die Sonne, 1754; Hymne auf Gott, 1754; Fragmente des Epos Herrmann, 1755; Empfindungen eines Christen, 1757; Gespräch des Sokrates mit Timoklea von der scheinbaren und wahren Schönheit 1755; Betrachtungn über den Menschen, 1758; Araspes und Panthea, 1757/58; Theages oder über Schönheit und Liebe, 1758; Lady Johanna Gray oder der Triumph der Religion. Ein Trauerspiel, 1758; Cyros - ein Epos (Fragment), 1757-1759; Komische Erzählungen, 1762-65: Diana und Endymion, Das Urteil des Paris, Aurora und Cephalus, 1762 ff.; Nadine, 1762; Theano, 1763; Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don Sylvio de Rosalva, 1764; Geschichte des Agathon, 1-2, 1766/67; umgearbeitet: Agathon, (Leipzig) 1773; Itris und Zenide, 1768; Musarion oder die Philosophie der Grazien, 1768; Die Grazien, 1770; Dialoge des Diogenes von Sinope, 1770; Beiträge zur geheimen Geschichte des menschlichen Verstandes und Herzens, aus den Archiven der Natur, 1-2, 1770, Der neue Adamis, 1771; Der goldene Spiegel oder die Könige von Schechian, 1772; Alceste-Singspiel 1773; Die Wahl des Herkules-Singspiel, 1773; Die Geschichte des weisen Danihmend, 1773; Der verklagte Amor, 1774; Unterredungen C.M.W.s mit dem Pfarrer..., 1775; Das Wintermärchen, 1776; Geron der Adeliche, 1777; Schach Lolo oder das göttliche Recht der Gewalthaber, 1778; Pervonte, 1778; Oberon, 1780, Geschichte der Abderiten - endgültige Fassung (1. Fassung 1774!), 2 Bde. 1781; Br. an e. jungen Dichter, 1782/84; Geheime Geschichte des Philosophen Peregrinus Proteus, 2 Bde. 1791; Göttergespräche, 1789-1793; Agathodämon, 1799; Aristipp und einige seiner Zeitgenossen, 4 Bde., 1800-1802; Menander und Glykenion, 1804; Krates und Hipparchia, 1805; Das Hexameron von Rosenhain, 1805; Übersetzungen aus der Antike: Horaz, Briefe, 1782; Horaz, Satiren, 1786; Lukian von Samosata, sämtliche Werke 1-6, 1788/89; Cicero, sämtliche Briefe, 1808-1821; dazu weitere Übersetzungen von Einzelwerken des Aristophanes, Xenophon, Plato, Isokrates.

B) Sammelwerke (Einzelwerke mit Titel und Ersterscheinungsjahr s.o. »A« lfd. Text): Werke Bd. 1-6, hrsg. vom Verfasser selbst bei S. Geßner (Zürich), 1758-/762; William Shakespeare: Theatralische Werke in 21 Einzelbänden, übersetzt von C.M.W. (22 Stücke von 38), 1762-1766, Neubearbeitung und Hrsg. durch H. und J. Radspieler, 1993; (Hrsg. und Mitverf.) Der Teutsche Merkur, 1773-1784, Neuer Teutscher Merkur, 1773-1784, Neuer Teutscher Merkur, 1790-1810; Sammlung poetischer Werke 1-3 (Karlsruher Ausg.), 1776; Sämmtliche Werke, vom Verf. selbst hrsg. Bd. 1-42 und 3 Ergänzungsbände, 1794-1802/1818: vier verschiedene Ausstattungen; (Hrsg.) Attisches Museum Bd. 1-4 und Neues attisches Museum Bd. 1-3, 1796-1809; Sämtliche Werke, hrsg. von J.G. Gruber in 53 Teilen (Teile 50-53, Biographie vom Hrsg.), 1818-1828, Repr. 1984; Werke Bd. 1-17 in 6 Teilen (Hempel/Berlin), 1860; Werke in 40 Teilen, hrsg. von H. Düntzer, 1879; Werke in 40 Abteilungen zusgef. in 6 Bdn. (Berliner Ausg.), 1906; Gesammelte Schriften von der deutschen Kommission der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften Berlin in drei Abteilungen: Bd. 1-50, besorgt von B. Seuffert, 1909 ff. (in der 2. Abt. Bd. 1-3 findet sich die Shakespeare-Übers. C.M.W.s!), Repr. der Akademieausg. 1987; Gesammelte Werke Bd. 1-10, hrsg. von B. Jacobi, 1910; Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe der Werke von C.M.W., hrsg. von Gotthold Klee, Bd. 1-4 (Meyers Klassiker Leipzig), 1929; Ausgewählte Werke Bd. 1-6, Göschenbücherei 794 ff.; Gesammelte Werke in 6 Bdn. mit Einleitung von F. Muncker, o.J.; Gesammelte Schriften, hrsg. von der Preussischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 1-15, 1937, Repr. 1986/87; Ausg. Werke, hrsg. von F. Beißner (Münchener Ausg.), Bd. 1-3, 1964/65; Werke, hrsg. von F. Martini und H.W. Seiffert, Bd. 1-5, 1964-1968; C.M.W.s Werke in 4 Bdn. (Ausg. durch den Aufbau-Verlag Berlin/Weimar), 1969; Die französische Revolution im Spiegel der deutschen Literatur: Auszüge aus dem Werk C.M.W.s (Reclam-Ost), 1979, 36-48; Werke, hrsg. von H. Böhm, Bd. 1-4, 19843; Werke, Bd. 1-2, hrsg. von K.O. Manger, 1985; Werke auf 12 Bde., hrsg. von G.-L. Fink, betr. 1986 ff.; Politische Schriften, hrsg. von J.P. Reetsma u.a., Bd. 1-3, 1988. Hinweis: Verschiedene Einzelwerke - auch bebildert, sind nachgewiesen bei »KLL« (s. Lit.).

C) Briefausgaben: Briefe von C.M.W. an verstorbene Freunde in den Jahren 1751-1810 geschrieben - nach der Zeitfolge geordnet und hrsg. von H. Geßner, Bd. 1-4, 1815/16; C.M.W.s Briefwechsel, hrsg. von der Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Lit.geschichte durch H.W. Seiffert auf 40 Teile ber., 1963 ff.; (Hrsg.) Hansjörg Schelle, Unbekannte Briefe C.M.W.s und Sophie von La Roches aus den Jahren 1789 bis 1793, in: Modern Language Notes, Vol. 86 No. 5, 1971, 649-695, ergänzt die Sammlung von F. Horn, C.M.W.s Briefe an Sophie La Roche, Berlin 1820; Sophie Brentano - C.M.W.: Briefe und Begegnungen, hrsg. von O. Drude, Neuausg. 1989; Briefe, it. 1927, 1990.

Bibliographie: Verzeichnis der Bibliothek des verewigten Herrn Hofraths C.M.W., welche den 3. April 1815 und die folgenden Tage, gegen gleich baare Bezahlung zu Weimar öffentlich versteigert werden soll, (Weimar) 1814; Bibl. von Gottfried Günter und Heidi Zeilinger, 1983, danach bibl. Nachweise in C.M.W.-Studien Bd. 1 (fortlfd.), hrsg. vom Wieland-Archiv Biberach und von Hans Radspieler, 1991.

Lit.: (Auswahl): Felix Weiße, Rez. von C.M.W.s Shakespeareübersetzung in: Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste, Bd. 9, 2. Stück 1763, 257-270; - J.W. von Goethe, Logenrede auf Wielands Tod, in der Loge Anna Amalia zu Weimar gehalten, 1813, in: Goethes Werke, hrsg. im Auftrage der Großherzogin Sophie von Sachsen, Bd. 36, 1898 ff., 311 ff.: »Im Brüderlichen Andenken C.M.W.s«; - ders., Der Maskenzug von 1818, in: Goethes Werken a.a.O., Bd. 16, 1894, 471 ff.; - J.G. Gruber, C.M.W.s Leben, in: C.M.W.s »Sämmtlichen Werken«, hrsg. von J.G. Gruber, Bde. 50-53, 1827/28; - H. Funck, Beiträge zur C.M.W.-Biographie. Aus ungedruckten Papieren, 1882; - L. Hirzel, Eine vergessene Schrift C.M.W.s, in: Archiv für Literaturgeschichte Bd. 11, 1882, 377-385; - ders., C.M.W. und Martin und Regula Künzli, Unbedruckte Briefe und wieder aufgefundene Aktenstücke, 1891; - ders., C.M.W.s Beziehungen zu den dt. Romantikern, 1904; - Robert Keil, C.M.W. und Reinhold, 1885; - Heinrich Düntzer, Goethe und Karl August. Studien zu Goethes Leben, 18882; - B. Seuffert, C.M.W.s Berufung nach Weimar, in: Vierteljahresschrift für Literaturgeschichte, Bd. 1, 1888, 342-435, Bd. 2, 1889, 579-594; - ders. (Hrsg.) FS zum 200. Geburtstag des Dichters C.M.W., 1933; - B. Suphan, Aus Carl Augusts Frühzeit. Zwei Briefe an Wieland, in: Vierteljahresschrift für Literaturgeschichte, Bd. 3, 1890, 611-615; - W. Bölsche, Einleitung zu seiner Ausgabe b. M. Hesse, 1902; - E. Stilgebauer, C.M.W. als Dramatiker, in: ZvLg, NF. 10, 1904, 302-336, 496-514; - T. Klein, C.M.W. und Rousseau. Eine vergleichende Studie, 1904; - Ridderhof, Sophie La Roche und C.M.W., 1907; - Emil Hamann, C.M.W.s Bildungsideal, Diss. phil. Leipzig/Chemnitz, 1907; - G. Bobrick, C.M.W.s Don Sylvio und Oberon auf der deutschen Spielbühne, Diss. Königsberg, 1909; - Ernst Staller, C.M.W.s Shakespeare, 1910; - Fritz Budde, C.M.W. und Bodmer, 1910; - H. Grudszinski, Shaftesburys Einfluß auf C.M.W., 1913; - Charles Elson, C.M.W. and Shaftesbury (N.Y.) 1913, 19662; - F. Schulze-Maizier, C.M.W. in Erfurt, in Jahrbücher der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt, N. f. Heft 44, 1919; - W. Bock, Die ästhetischen Anschauungen C.M.W.s, 1921; - M.G. Bach, C.M.W.s attitude toward woman and her culturel and social relations, (N.Y.) 1922; - H.A. Korff, ,Geist der Goethezeit Teil 1: Sturm und Drang, 1923, Teil 2. 1,2: Geist der Goethezeit, 1927, 1930; - Emil Ermatinger, C.M.W. und die Schweiz, 1924 (darin mitverarbeitet das frühere Werk des Autors: Die Weltanschauung des jungen C.M.W., 1907); - ders., Barock und Rokoko in der deutschen Dichtung, 1926; - ders., Deutsche Kultur im Zeitalter der Aufklärung, HB. der Kulturgeschichte, 1929; - Werner Lange, C.M.W. als Pädagoge. Diss. phil. (Masch.) Greifswald, 1924; - Gertrud Bartosch, die pädagogischen Ideen des Dichters C.M.W., Diss. phil. (Masch.) 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Jb. 1969, 1969, 198-212; - Cornelius Sommer, C.M.W. (Sammlung Metzler), 1971; - Bernd Weyergraf, Der skeptische Bürger: C.M.W.s Schriften zur franz. Revolution, 1972; - H. Schelle, zu C.M.W.s Berufung nach Weimar, in: Wege und Gestalten, 1973; - Gouthier-Louis Fink, C.M.W. und die franz. Revolution, in R. Brinkmann u.a. (Hrsg.), Deutsche Literatur und franz. Revolution, 1974, 5-38; - W. Benjamin, C.M.W., in: W.B. Ges. Schriften II, 1, 1977, 395 ff; - G. Hemmerich, C.M.W.s »Geschichte des Agathon« - eine kritische Werkinterpretation, 1979; - (Hrsg.) H. Stenzel, Deutsche Schriftsteller im Porträt 2, 1980, 182 f.; - Rolf Selbmann, Der deutsche Bildungsroman, 1984, 50 ff.; - (Hrsg.) Höhle, C.M.W.-Kolloqium in Halberstadt 1983. Martin Luther Universität Halle/Wittenberg: Wiss. Beiträge 12, 1985; - Thomas E. Starnes, C.M.W.: Leben und Werk. Aus zeitgenössischen Quellen chronologisch dargestellt, I-III, 1987 (Lit.); - J. Bender, C.M.W., 1990; - Ludwig Fertig, C.M.W. als Weisheitslehrer, Poeten als Pädagogen, 1991; - Alph. Verz.Lex. d. leb. schwäb. Schriftst. (1772); - Meyer III, 5, 421-486; - Biogr. Universelle (Michaud) XLIV, 575-596; - ADB, Bd. 42, 400-419; - Päd. d. Neuzeit Bd. V, (1897), 40 ff.; - HB. d. dt. Schriftts. Lief. 4, H 1 u. 2; - RGG2 V, 1918-1919; - RGG3 VI, 1700-1702; - Ziegenfuß, Phil. Lex. II, 873 f.; - Goethe Hb. III, 566-574; - Col. Enc. Bd. 23, 481; - Durant Bd. 31, 124-129, 169-170; - Hirsch IV, 116-117; - Dict. des lettres francaise: »Le 18e siecle«, 1-2; - Hist. Mundi, Bd. 9: »Aufkl. und Rev.«; - Prop. WG. VI: »D. 18. Jhdt.«; - Verdens Litt. Hist. (dän.) Bd. V, 418-425; - HWP I, 622-633 (Umfeld »Aufklärung«, C.M.W. bes. 631) - HWP I, 923 (»Bildung«); - KLL I, 780, 835, 890; - KLL II, 1166; - KLL IV, 3812, 3838; - KLL V, 4035; - KLL VII, 6527; - KLL VIII, 6857; - KLL X, 8708; - Dt. Lit., e. Sozialgesch. (hrsg. H.A. Glaser) Bd. 4, 107-184; - Hb. dt. Drama, 35-4, 532-534; - Hanser Soz. Gesch. dt. Lit. Bd. 3, 2, 500-544; - Hb. Ki. u. Jug. Lit., Sp. 307; - Reallex. d. dt. Lit.gesch. 2Bd. 4, Art.: »Staatsroman«; - KNLL XVII, 634-647; - Knaur Lex. Weltlit., 600; - Harenberg III, 1089 f., V, 3074 f.; - KG III/2, 20; - NHB Litg. XI 1,180-182, 207-214; - Killy: LL. XII, 308-315; - C.M.W.-Studien (C.M.W.-Archiv ab I, 1991 fld.).

Wolfdietrich von Kloeden

Werkeergänzung:

Aus Xenophons Denkwürdigen Nachrichten. Ausgew. u. übers. von Christoph Martin Wieland. Sprecher: Andreas Dietrich. Grünwald [2006]. 2 CDs.

Literaturergänzung:

1988

Mielke, Andreas, "Hottentots in the Aesthetic Discussion of Eighteenth-Century Germany". Monatshefte 80,2 (1988): 135-148; -

1993

Mielke, Andreas, Laokoon und die Hottentotten, oder Über die Grenzen von Reisebeschreibung und Satire. Baden-Baden: Valentin Koerner, 1993 (= SAECVLA SPIRITALIA 27); -

2004

Bernhard Kreuz, D. belebte Bildfläche. Beobachtungen zur Antikerezeption C.M.W.s. Wien 2004; -

2005

Bernd Feicke, Wielands Beziehungen zu Eisleben. in: Zs. f. Heimatforschung, H. 14 (2005), S. 52-56; -

2006

Martin: Jutta Heinz, Narrative Kulturkonzepte. Wielands Aristipp u. Goethes Wilhelm Meisters Wanderjahre. Heidelberg 2006; - Sascha Michel, Ordnungen d. Kontingenz. Figurationen d. Unterbrechung in Erzähldiskursen um 1800. Wieland, Jean Paul, Brentano. Tübingen 2006; -

2007

Ingo Leiß, W.s Verserzählungen im Werk Arno Schmidts. München 2007; - Helge Jordheim, Der Staatsroman im Werk Wielands u. Jean Pauls. Gattungsverhandlungen zwischen Poetologie u. Politik. Tübingen 2007; - Arianna Di Bella, La questione religiosa nel tardo '700 tedesco. Il Peregrinus Proteus (1791) e l'Agathodämon (1799) di C.M.W. (1733-1813). Pasian di Prato (UD) 2007; -

2008

Andreas Seidler, Der Reiz d. Lektüre. W.s Don Sylvio u.d. Autonomisierung d. Literatur. Heidelberg 2008; - Robert Kiehl, Das Experiment d. aufgeklärten Bildungsromans. Ein Vgl. d. Fassungen von C.M.W.s "Geschichte des Agathon". Würzburg 2008; - W.-Handbuch. Leben, Werk, Wirkung. Jutta Heinz (Hrsg.). Stuttgart 2008; - Bernd Erhard Fischer, C.M.W. in Oßmannstedt. Berlin 2008; - Heribert Rissel, Ende e. "Affaire". Sophie von La Roche u. C.M.W. in d. Neuwieder Akademieplänen. 1771-1775. Sankt Katharinen 2008; -

2010

Heinrich Döring, C.M.W.'s Biografie. Bremen 2010.

Letzte Änderung: 29.04.2010