Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon
Nachschlagewerk mit aktuellen Nachträgen


Band II (1990) Spalten 315-316 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GREGOR VIII., Gegenpapst, * in Südfrankreich, † nach 1137 in La Cava (Unteritalien.) -

Der Cluniazenser Mauritius wurde 1099 Bischof von Coimbra (Portugal) und 1108 Erzbischof von Braga (Portugal). Wegen Rechtsstreitigkeiten mit dem Erzbischof Bernhard von Toledo (s. d.). dem Primas von Spanien, der ihn abgesetzt hatte, kam er 1114 nach Rom und wurde

von Paschalis II. (s. d.) rehabilitiert. Da der Papst die Rechte von Braga verkürzte, trat Mauritius auf die Seite des gebannten Heinrich V. und wurde darum im April 1117 auf der Synode in Benevent von Paschalis II. mit dem Bann belegt. Gelasius II. (s. d.), der am 24.1. 1118 zum Nachfolger Paschalis' II. gewählt worden war, floh vor Empfang der Weihe aus Rom, als der Kaiser, ohne dessen Kenntnis die Wahl des neuen Papstes erfolgt war, in Eilmärschen aus der Lombardei heranrückte. Heinrich V. traf am 2.3. 1118 in Rom ein. Als Gelasius II., der in seiner Vaterstadt Gaeta Zuflucht gefunden und dort am 8.3. die Weihe empfangen hatte, die Rückkehr nach Rom verweigerte und in der Investiturfrage keine Verständigung erzielt werden konnte, ließ der Kaiser am 8.3. 1118 Mauritius als G. VIII. zum Gegenpapst wählen. Gelasius II. sprach am 7.4. 1118 in Capua über Heinrich V. und den Gegenpapst den Bann aus. Calixt II. (s. d.), der am 2.2. 1119 in Cluny zum Nachfolger des dort am 18.1. 1119 verstorbenen Gelasius II. gewählt worden war, erneuerte auf der Synode in Reims am 29./30. 10. 1119 das Verbot der Laieninvestitur und die Exkommunikation des Kaisers und des Gegenpapstes. Im Frühjahr 1120 zog Calixt II. nach Italien und hielt glänzenden Einzug in Rom.

G., von Heinrich V. im Stich gelassen, floh nach Sutri. Nach achttägiger Belagerung der Stadt Sutri lieferten die Bürger im April 1121 den Gegenpapst an Calixt II. aus, der ihn zu Kerkerhaft verurteilte. Unter dem Spott des Pöbels mußte G., während der Papst voranritt, rücklings auf einem Kamel mit dem Schwanz als Zügel in der Hand seinen Einzug in Rom halten. Er wurde zunächst in dem »Septizonium« eingekerkert, dann auf die Burg Passarano, in die Abtei La Cava, später nach Rocca Iemola bei Montecassino, 1125 von Honorius II. (s. d.) nach Castel Fumone gebracht. Lothar III. sah im August 1137 auf seinem Zug nach Sizilien G. in La Cava. Die Römer gaben ihm den Beinamen »Burdinus« (Esel).



Lit.: Josef Langen, Gesch. der röm. Kirche IV, 1893; - Carl

Mirbt, Die Publizistik im Zeitalter Gregors VII., 1894, 445; - Karl Erdmann, Mauritius Burdinus (G. VIII.), in: QFIAB 19,

1927, 205 ff.; - Pier Fausto Palumbo, Lo scisma del 1130, Rom

1942; - Pierre David, Études historiques sur la Galice et le Portugal du VIe au VIIe siècle, Coimbra 1947, 441 ff. (L'énigme de

Maurice Bourdin); - Ferdinand Gregorovius, Gesch. der Stadt

Rom im MA, neu hrsg. v. Waldemar Kampf, II, 1954, 162 ff.; -Watterich II, 99. 105 ff.; - Jaffé I, 281 f.; II, 715; - LibPont II,

415. 347; III, 162 f. 169; - Haller II, 503 ff.; - Seppelt III, 152

ff. u. ö.; - LThK IV, 1185 f.; - RE VII, 115 f.; - RGG II, 1839.

Friedrich Wilhelm Bautz


Friedrich Wilhelm Bautz