Verlag Traugott Bautz |
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BRENZ, Johannes, der schwäbische Reformator, * 24.6. 1499 in Weilderstadt als Sohn eines Schultheißen und Stadtrichters, † 11.9. 1570 in Stuttgart. - B. studierte seit 1514 in Heidelberg, wo Johannes Ökolampad und Erhard Schnepff seine Lehrer waren und Martin Luthers Disputation vor dem Generalkapitel der Augustinerkongregation im April 1518 ihn für die reformatorische Lehre gewann. Er wurde 1522 Prediger in Schwäbisch Hall und schaffte allmählich Messe, Heiligendienst und das Klosterwesen ab. Im Abendmahlsstreit verteidigte B. gegen Ökolampad die volle und wahre Gegenwart von Leib und Blut des Herrn im Abendmahl und errang mit seiner am 21.10. 1525 von 14 Theologen unterzeichneten »Schwäbischen Vereinbarung« (Syngramma Suevicum) den Sieg der lutherischen Abendmahlslehre im nördlichen Schwaben und Franken. In seiner Kirchenordnung von Ostern 1526 führte er die Reformation in Schwäbisch Hall endgültig durch und schuf 1527/28 den ältesten Katechismus der evangelischen Kirche, der in seiner zweiten Fassung in die erste württembergische Kirchenordnung von 1536 übergegangen ist. Beim Marburger Religionsgespräch im Oktober 1529 lernte B. den vertriebenen Herzog Ulrich von Württemberg kennen, der ihn nach seiner siegreichen Rückkehr 1534 als Berater bei der Einführung der Reformation in seinem Land heranzog und ihm 1537/38 die Neuordnung der Universität in Tübingen übertrug. Als Gegner des Augsburger Interims vom 30.5. 1548 (s. Agricola, Johann) mußte B. fliehen und fand bald hier, bald dort Zuflucht, so z. B. auf den Burgen Hohenwittlingen bei Urach und Hornberg bei Calw. In Basel traf er mit dem späteren Herzog Christoph zusammen, der ihn im Herbst 1550 als Berater in kirchlichen Fragen in seine Nähe rief. B. arbeitete 1551 mit an der »Confessio Wirtembergica«, die württembergische Gesandte am 24.1. 1552 dem Konzil in Trient überreichten. B. wurde im Januar 1553 Propst an der Stiftskirche in Stuttgart und somit Leiter der württembergischen Kirche, deren Wiederaufbau nach dem Interim sein Verdienst ist. Er schuf die Große Kirchenordnung von 1559, die für andere Landeskirchen vorbildlich wurde.
Lit.: Julius Hartmann u. Karl Jäger, J. B. Nach gedr. u. ungedr. Qu., 2 Bde., 1840-42; - Julius Hartmann, J. B. Leben u. ausgew. Schrr., 1862, - Anecdota Brentiana. Ungedr. Briefe u. Bedenken v. J. B., ges. u. hrsg v. Theodor Pressel, 1868; - W. Stähle, J. B., der Reformator Württembergs, 1898; - Georg Bayer, J. B., der Reformator Württembergs, 1899; - Alfred Hegler, J. B. u. die Ref. im Hzgt. Württemberg, 1899; - Theodor Wotschke, B. als Katechet (Diss. Breslau). 1899; - Rudolf Günther, Brenzens Anschauung v. Gottesdienst u. sein Einfluß auf die Gottesdienstordnung der luth. Kirchen Südwestdtld., in: MGkK 6, 1901, 45 ff. 84 ff. 132 ff.; - Otto Fricke, Die Christologie des J. B. im Zusammenhang mit der Lehre v. Abendmahl u. der Rechtfertigung (Diss. Göttingen), 1927; - Christa Müller, Die Lehre des J. B. v. Kirchendienst u. Kirchengesang, in: MGkK 39, 1934, 220 ff.; - Julius Rauscher, Württ. Ref.-KG, 1934, 181 ff.; - Immanuel Mann, Zur Predigttätigkeit v. B. in Hall, in: Bll. f. württ. KG 45, 1941, 8 ff.; - Heinrich Hermelink, J. B. als luth. u. schwäb. Theologe, 1949; - Alfred Brecht, J. B. Der Reformator Württembergs, 1949; - Ernst Bizer, Die theol. Bedeutung der Confessio Virtembergica, in: EvTh 11, 1951/52, 385 ff.; - Ders., Confessio Virtembergica, 1952; - Ders., Analecta Brentiana, in: Bll. f. württ. KG 57/58, 1957/1958, 253 ff.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 90; - Jörg Erb, Die Wolke der Zeugen I2, 1952. 300 ff.; - Friedrich Hauß, Väter der Christenheit I, 1956, 182 ff.; - Friedr. Wilh. Kantzenbach, Die Bedeutung des Theologen J. B. f. eine Theol. der Anfechtung, in: Das Wort Gottes in Gesch. u. Gegenw. Festschr. der Augustana Hochschule Neuendettelsau, 1957, 160 ff.; - Ders., Stand u. Aufgaben der B.forschung, in: ThLZ 85, 1960, 851; - Ders., Stadien der theol. Entwicklung des J. B., in: NZSTh 6, 1964, 243 ff.; - Ders., J. B. u. der Kampf um das Abendmahl, in: ThLZ 89, 1964, 561 ff.; - Ders., Der Anteil des J. B. an der Konfessionspolitik u. DG des Prot., in: Reformatio u. Confessio. Festschr. f. D. Wilhelm Maurer, hrsg. v. dems. u. Gerhard Müller, 1965, 113 ff.; - Ders., Theol. u. Gemeinde bei J. B., dem Prediger v. Hall, in: all. f. württ. KG 65, 1965, 3 ff.; - Ders., Der Btr. des J. B. z. Toleranzidee, in ThZ 21, 1965, 38 ff.; - Elfriede Rappold, J. B., Reformator in Württ., in: Menschen vor Gott, hrsg. v. Alfred Ringwald, II, 1959, 152 f.; - Martin Brecht, Der Stand der B.forsch., in: Bll. f. württ. KG 64, 1964, 75 ff.; - Ders., Die frühe Theol. des J. B. (Hab.-Schr., Tübingen 1965), 1966 (Tl.dr.); - Ders., Anfänge reformator. KO u. Sittenzucht bei J. B., in: ZSavRGkan 55, 1969, 322 ff.; - Martin Honecker, Die Abendmahlslehre des Syngramma Suevicum, in: Bll. f. württ. KG 65, 1965, 39 ff.; - James M. Estes, Church order and the Christian magistrate according to J. B., in: ARG 59, 1968, 5 ff.; - Schottenloher I, Nr. 1696-1760; V, Nr. 45116-45132; VII, Nr. 52867 bis 52877; - Wolf, QK II/2, 16 ff.; - ADB III, 314 ff.; - NDB II, 598 f.; - DLL II, 31 II.; - DThC II, 1128 ff.; - DHGE X, 542 ff.; - LThK II, 671; - RE III, 376 ff.; XXIII, 255 f.; - EKL I, 572 f.; - RGG I, 1400 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1982
James Martin Estes: Christian Magistrate and State Church. The Reforming Career of Johannes Brenz. Universit of Toronto Press. Toronto 1982; -
1999
Ehmer, Hermann/Weismann, Christoph: Bericht über das Brenzjahr 1999, 368-375; -
2001
Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des Vereins für württembergische Kirchengeschichte herausgegeben von Hermann Ehmer und Martin Brecht, 100. Jahrgang 2000 (ersch. Okt. 2001) erhält folgende Aufsätze: Baur, Jörg: Johannes Brenz. Ein schwäbischer Meisterdenker auf den Spuren Luthers, 9-28; - Brandy, Hans Christian: Brenz' Christologie und ihre von Jakob Andreae vertretende Form. Das Maulbronner Kolloquium 1564, 29-57; - Strohm, Stefan: Die Paulusexegese von Johannes Brenz. Ein Bekenntnis, 58-84; - Weismann, Christoph: Brenz und seine Katechismen, 85-122; - Brecht, Martin: Brenz und die Mitreformatoren, 123-132; - Jung, Martin H.: Abendmahlsstreit. Brenz und Oekolampad, 133-142; - Seebaß, Gottfried: Johannes Brenz und Andreas Osiander, 143-161; - Estes, James M.: Brenz and the Office of Christian Magistrate, 162-185; - Brecht, Martin: Bentii Ecclesia. Der Prediger von Schwäbisch Hall und seine Kirche, 186-214; - Ehmer, Hermann: Johannes Brenz als Reformator der Schule, 215-240; - Frisch, Michael: Johannes Brenz als Gutachter in Rechtsfragen, 241-264; - Köpf, Ulrich: Johannes Brenz in Tübingen, oder: Wie reformiert man eine Universität?, 265-281; - Wolgast, Eike: Die Stellung von Johannes Brenz zu Bauernkrieg und Widerstandsrecht, 282-296; - Lorenz, Sönke: Brenz' Predigt vom Hagel und die Hexenfrage, 297-326; - Raeder, Siegfried: Johannes Brenz und die Islamfrage, 327-344; - Jung, Martin H.: Neue Literatur über Johannes Brenz, 345-367; -
2006
Matthias A. Deuschle, Brenz als Kontroverstheologe. Tübingen 2006; -
2007
Elsie Anne MacKee, A lay voice in sixteenth-century "ecumenics". Katharia Schütz Zell in dialogue with Johannes Brenz, Conrad Pellican, and Caspar Schwenckfeld, in: Adaptations of Calvinism in Reformation Europe. Aldershot [u.a.] 2007, S. 81-110; -
2010
Ernst Volk, J.B. Zeuge bibl.-evang. Wahrheit u. Reformator im südl. Dt. Nürnberg 2010.
Letzte Änderung: 09.04.2011