GIESEBRECHT, Friedrich, Theologe, * 30.7. 1852 als
Pfarrerssohn in Kontopp bei Grünberg (Schlesien),
† 21.8. 1910 in Stettin. - G. kam nach dem frühen
Tod des Vaters mit seiner Mutter nach Halle (Saale),
wo er das Pädagogium der »Franckeschen Stiftungen«
(s. Francke, August Hermann) besuchte. G. studierte
1869-73 in Halle und Erlangen Theologie und semitische Philologie und wurde nachhaltig beeinflußt durch
Johann Christian Konrad von Hofmann (s. d.) und
Martin Kähler (s. d.). Seit 1876 war er Adjunkt am
Domkandidatenstift in Berlin. G. wurde 1879 Privatdozent, 1883 ao. Professor für Altes Testament und
1895 o. Honorarprofessor in Greifswald. 1898-1908
lehrte er als o. Professor in Königsberg und ging nach
schwerem Nervenleiden heim. - In den ersten Jahren
seiner Greifswalder Tätigkeit trat G. in nahe persönliche und wissenschaftliche Beziehungen zu Julius
Wellhausen (s. d.), dem er bis ans Ende in Treue zugetan blieb. Seine Liebe galt den Propheten der klassischen Zeit.
Werke: Btrr. z. Jes.kritik, 1890; Komm. z. Jer, 1894 (1907
2);
Die Berufsbegabung der at. Propheten, 1897; Geschichtlichkeit
des Sinaibundes, 1900; Die at. Schätzung des Gottesnamens u.
ihre rel.geschichtl. Grdl., 1901; Der »Knecht Jahves« des Dtjes,
1901; Friede f. Babel u. Bibel, 1903; Grundzüge der israel.
Rel.-gesch., 1904 (1908
2); Jer.s Metrik, 1905.
Lit.: Chron. der Kgl. Albertus-Univ. zu Königsberg in Preußen
f. das Stud.j. 1910/11, 15 f.; - Altpreuß. Biogr., hrsg. v.
Christian Krollmann, I, 1941, 214; - ADB IX, 162; - DJ XV, 85; -
RE XXIII, 557 ff.
Friedrich Wilhelm Bautz
Letzte Änderung: 09.04.2011