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Verlag Traugott Bautz
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SELLIN, Ernst Franz Max, Professor für alttestamentliche Exegese und Archäologie. * 26.5. 1867 in Altschwerin/Mecklenburg als Sohn des dortigen ev.-luth. Pfarrers Wilhelm S.; † 1.1. 1946 in Epichnellen bei Eisenach. - S. schloß seine Schulzeit durch das Abiturientenexamen Ostern 1884 in Ratzeburg ab. Er studierte in Rostock, Erlangen und Leipzig Theologie und orientalische Sprachen. Nach einer philosophischen Dissertation in Leipzig im Dezember 1888 (Die verbal-nominale Doppelnatur der hebräischen Participien und Infinitive und ihre darauf beruhende Construktion, 1889) erwarb er den Licentiaten der Theologie in Erlangen im Sommer 1890 (Disputatio de origine carminum, quae primus psalterii liber continet, Erlangen und Leipzig 1892, später als Habilitationsschrift anerkannt, da er mit Dissertation und Disputation promoviert worden war). Von 1891 bis 1894 war er Gymnasialoberlehrer in Parchim/Mecklenburg, wo er sich auch 1895 verehelichte. 1894 wurde er nach Erlangen als Repetent berufen. Ostern 1895 erfolgte die Ernennung zum Privatdozenten. Am 18.10.1897 wurde er als a.o. Universitätsprofessor an die außerhalb der Universität Wien stehende evangelisch-theologische Fakultät berufen. Am 8.2. 1899 wurde er zum o. Universitätsprofessor ernannt. Er leistete weiteren Berufungen Folge. So 1908 an seine Heimatuniversität Rostock, 1913 nach Kiel und 1921 nach Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung 1935 lehrte und weiterhin lebte. Hier übte er auch die Funktion eines Oberkirchenrates in seiner Kirche aus. Nachdem er durch Bombenschaden Haus und Wohnung verloren hatte, zog er zu seiner Familie nach Thüringen. Dort starb er. Er war Ehrendoktor der Universität St. Andrews. - S. vertrat als evangelischer Theologe in Forschung und Lehre die Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie in einer lebendigen und den Strömungen der Zeit gegenüber offenen Weise. Seitdem er als 30jähriger in das öffentliche Lehramt berufen worden war, übte er eine reiche Tätigkeit auf seinem Fachgebiet aus, die sich in zahlreichen Publikationen niederschlug. Besonders erwähnenswert ist, daß er als erster unter den deutschsprachigen Fachkollegen die Bedeutung der archäologischen Feldforschung in Palästina erkannte und schon 1901 bis 1904 zu einer ersten Kampagne von Wien aus unter dem Auftrag der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften nach Tell Ta`annek am Südwestrand der Ebene Jesreel aufbrach, die nicht nur materielle Ergebnisse erbrachte, sondern auch Schriftdenkmäler (Rollsiegel und andere Zeugnisse, die leider den Bombenangriffen Berlins zum Opfer fielen) zu Tage förderte. Als zweites Ziel setzte er sich die Aufgabe, die berühmte Stadt Jericho archäologisch zu erforschen (1907 bis 1909), ein Unternehmen, das er noch in Wien begann und dann von Deutschland her unter der Patronanz der Deutschen Orientgesellschaft fortsetzte. Den dritten Schwerpunkt setzte er mit der Inangriffnahme der Ausgrabungen im alttestamentlichen Sichem, arabisch Tell el-balata, 1913/1914 begonnen. Hier leistete er durch Jahre hindurch bahnbrechendes. Aber auch die alttestamentliche Literatur erforschte er gründlichst. Sein Lehrbuch »Einleitung in das Alte Testament« (1.Auflage 1910) war Jahrzehnte hindurch das Standardwerk, das ab der 8.Auflage (1950) von seinem Schüler und Freund Leonhard Rost betreut wurde und später in die Hände von Georg Fohrer überging. Schließlich sind auch seine vielfältigen theologischen Arbeiten bemerkenswert, von denen er nicht nur zusammenhängende Überblicke in Form von Lehrbüchern erarbeitete, sondern stets in pointierter Weise auch umstrittene Einzelprobleme behandelte, z.B. das Ebed-Jahwe Problem und das Problem der Gestalt des Mose. Letztere Fragestellung blieb nicht ohne Einfluß auf die Theorie eines Sigmund Freud.
Werke: Beiträge zur israelitischen und jüdischen Religionsgeschichte, I. II, 1896/1897; Die geschichtliche Entwicklung des prophetischen Lebensideals, in: NKZ 9 1898, 93-116; Jeremia von Anatot, in: NKZ 10 1899, 257-286; Serubbabel, 1899; Der Knecht Gottes bei Deuterojesaja, in: Studien zur Entstehungsgeschichte der jüdischen Gemeinde, I. 1901; Die Restauration der jüdischen Gemeinde in den Jahren 538-516.-Das Schicksal Serubbabels, in: Studien zur Entstehungsgeschichte der jüdischen Gemeinde, II. 1901; Tell Ta`annek, Ausgrabungsbericht, 1904; Biblische Urgeschichte, (1905) 19132; Der Ertrag der Ausgrabungen im Orient, 1905; Melchisedek, in: NKZ 16 1905, 929-951; Eine Nachlese auf dem Tell Ta`annek, 1905; Die Spuren griechischer Philosophie im Alten Testament, 1905; Das israelitische Ephod, 1906; Die alttestamentliche Religion im Rahmen der anderen orientalischen, 1907; Das Rätsel des deuterojesajanischen Buches, 1907; Die Schilo-Weissagung, 1908; Die israelitisch-jüdische Heilandserwartung, 1909; Der alttestamentliche Prophetismus, 1912; Zur Einleitung in das Alte Testament (gegen C.H.Cornill), 1912; Jericho, 1913; Das Zelt Jahves, 1913; Gilgal, 1917; Das Problem des Hiobbuches, 1919; Das Alte Testament und die evangelische Kirche der Gegenwart, 1921; Mose, 1922; Wie wurde Sichem eine israelitische Stadt?, 1922; Das Zwölfprophetenbuch, 1922, 19292/3; Geschichte des israelitisch-jüdischen Volkes I, (1924) 19352; II, 1932; Die geschichtliche Orientierung der Prophetie des Hosea, in: NKZ 36 1925, 607-658 und 807; Tritojesaja, Deuterojesaja und das Gottesknechtsproblem, in: NKZ 41 1930, 73-93 und 145-173; Abschaffung des Alten Testaments?, 1932; Alttestamentliche Theologie auf religionsgeschichtlicher Grundlage I. II, 1933 (II, 19362); Das Deboralied, Festschrift für Otto Procksch, 1934, 149-166; Das Alte Testament im christlichen Gottesdienst und Unterricht, 1936; Zur Lage von Ezion-Geber, in: ZDPV 59 1936, 123-128; Zu Efod und Terafim, in: ZAW 55 1937, 296-298; Die Lösung des deuterojesajanischen Gottesknechtsrätsels, in: ZAW 55 1937, 177-217; Noch einmal der Stein des Sacharja, in: ZAW 59 1942/43, 59-77; Die palästinischen Krughenkel mit den Königsstempeln, in: ZDPV 66 1943, 216-232; Zu dem Goldschmuckfund von Sichem, in: ZDPV 66 1943, 20-24; Zu dem Judasspruch im Jaqobssegen Gen 49,8-12 und im Mosesegen Dt 33,7 in: ZAW 60 1944, 57-67; Hrsg. des Kommentars zum Alten Testament, 1913 ff.
Lit.: Sellin-Festschrift, 1927; - Leonhard Rost im Vorwort der Einleitung in das Alte Testament, 19508; - G.Ernest Wright, Ernst Sellin, in: ZDPV 83 1967, 84 f; - Hermann Gunkel, RGG1, V, 1913, Sp.590; - Ders., RGG2, V, 1931, Sp.417 f; - Fritz Maas, RGG3, V, 1961, Sp.1688; - Georg Sauer, Ernst Sellin in Wien, in: Festgabe für Wilhelm Kühnert, Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 96 (1980) 138-146.
Georg Sauer
Literaturergänzung:
Siegfried Kreuzer ; Friedrich Schipper, Tell Taannek - das bibl. Taanach. E.S.s Ausgrabungen im wissenschaftsgeschichtl. Kontext, in: WJTh 6.2006, S. 287-312; - Hermann Michael Niemann, Ernst Sellin: Kraftvoll in seiner Zeit. Eine Skizze zu Leben und Werk eines mecklenburgischen Alttestamentlers und Pioniers der Biblischen Archäologie. In: H. Holze / H. M. Niemann (Hgg.): Kirchenleitung in theologischer Verantwortung. Dankesgabe für Landesbischof Hermann Beste. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2007, 189-223; - Hermann Michael Niemann, E.S.: kraftvoll in seiner Zeit, in: Kirchenleitung in theol. Verantwortung. Leipzig 2007, S. 189-223.
Letzte Änderung: 30.03.2008